Kinder unter Druck: Corona und die Kinderseele

Die Corona-Krise führt zu massiven Belastungen und bringt Kinder unter Druck. Einschlafprobleme, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Essstörungen treten häufiger auf als vor Ausbruch des Virus. Gerade jetzt brauchen Kinder und Jugendliche Unterstützung und Begleitung.
Kinder brauchen Hilfe, wenn sie mit ihrem Alltag und mit sich selbst nicht mehr zu Recht kommen (© Stock.adobe.com - Tatyana Gladskih).
Kinder brauchen Hilfe, wenn sie mit ihrem Alltag und mit sich selbst nicht mehr zu Recht kommen (© Stock.adobe.com - Tatyana Gladskih).

Die Corona-Situation greift auf vielen wichtigen Ebenen die Basis an, die für eine gesunde Entwicklung wichtig ist.

Kinder werden in ihrem natürlichen Neugierverhalten gebremst, körperliche und soziale Nähe ist eingeschränkt, die Eltern sind belastet, Großeltern oder andere ausgleichende Personen stehen nicht mehr zur Verfügung. Auch die soziale Problematik, drohende Armut, all das wirkt hinein und macht Druck.

Depression, Angst, Stress häufen sich

Einschlafprobleme, Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit und Bauchschmerzen treten häufiger auf als vor Ausbruch des Virus. Die Anzeichen einer Angststörung stiegen von 15 auf 24 Prozent. Hinsichtlich depressiver Symptome gaben 58 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, dass sie an einzelnen Tagen keine Freude oder Interesse haben, etwas zu tun.

Das Risiko für psychische Auffälligkeiten insgesamt kletterte während der Corona-Krise von rund 18 Prozent auf 30 Prozent.

Zahlen und Daten zur Situation von Kindern und Jugendlichen in der Coronakrise

Grafik_Auswirkungen_Corona_Kinder

Depressive Symptome treten jetzt bei etwa 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung auf. Vor der Corona-Pandemie lag dieser Wert noch bei vier Prozent. Auch Angstsymptome oder Schlafstörungen sind aktuell auf dem Höchststand von 16 Prozent. Besonders stark davon betroffen sind junge Leute, Frauen, Alleinlebende und Menschen ohne Erwerbsarbeit. Verschärft wird die Situation der Kinder durch beengtes Wohnen und geringes Einkommen.

Untersuchungen weisen weiters darauf hin, dass in der Pandemie Essstörungen zunehmen. Bei Patienten verstärkt sich der Drang und die Perioden der Essattacken.

Grafik: Psychosomatische Beschwerden von Kindern und  Jugendlichen vor und während der COVID-19-Pandemie

Angegeben sind die Prozentanteile der Kinder und Jugendlichen mit entsprechenden Beschwerden mind. 1 mal pro Woche während der COVID-19-Krise (COPSY-Studie) und aus der Zeit davor (zum Vergrößern klicken).

 

Kinder und Jugendliche: Risikofaktoren für psychische Erkrankungen

Beengtes Wohnen, Existenzsorgen, Versagensängste oder unsichere Beziehungen in der Familie lösen großen, schlechten Stress aus. Die Risikofaktoren für psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen können wir in drei Kategorien teilen:

  1. Erstens soziale Dimension: Das trifft Kinder und Jugendliche, die ohne erwachsene Bezugsperson aufwachsen oder in Familien mit finanzieller Not leben müssen.
  2. Zweitens gesundheitsbezogene Risikofaktoren: zum Beispiel diagnostizierte psychische Erkrankungen in den Familien, traumatisierende Ereignisse wie Missbrauch und Gewalt, Tod einer nahestehenden Bezugsperson oder chronische physische Erkrankungen.
  3. Drittens geht es um persönliche Unsicherheit wie eine instabile, verwirrende Elternbeziehung oder arge Erlebnisse mit Mobbing. Traumatische Erfahrungen und prekäre Bindungen sind oft Ursachen für seelische Verletzungen.

Quellen: COPSY-Studie (2020); Comparing Mental Health during COVID-19 Lockdown and Six Months Later in Austria: A Longitudinal Study (2020), Donau-Universität; Early Impact of COVID-19 on individuals with self reported eating disorders (2020); Mental Health in Austrian Teenagers Studie, MHAT (2017).

Forderungen für mehr Kindergesundheit:

  1. Lücke schließen. Therapieplätze ausbauen. 60.000 Kinder erhalten in Österreich nicht die für sie notwendigen Therapien. Damit sie ihren Alltag bewältigen können brauchen sie fachgerechte Unterstützung und Begleitung. Dazu muss der Zugang zu Psychotherapie erleichtert, Therapieangebote und psychosoziale Notdienste außerhalb der Ballungszentren ausgebaut werden.
  2. Frühe Hilfen in ganz Österreich! Die ersten Monate des Lebens rund um und nach der Geburt sind ungeheuer wichtig für die Entwicklung eines Kindes. Besonders für Familien mit weniger Einkommen müssen wir eine gute Begleitung und „frühe Hilfen“ sicherstellen.
  3. School Nurses einführen! Aktuell ist rund jeder sechste Schüler, jede sechste Schülerin chronisch krank. Sie leben mit Asthma, Allergien, Diabetes oder Stoffwechselerkrankungen. Im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz ist die Schulgesundheitspflege grundsätzlich verankert.
  4. Schulassistenz und Stützkräfte ausbauen! Damit alle Kinder gute Entwicklungsmöglichkeiten bekommen, müssen wir die Benachteiligung chronisch kranker Kinder in Bezug auf StützlehrerInnen und Assistenz beenden. Wir brauchen für eine gute Entwicklung gut ausgestattete Krabbelstuben und Kindergärten, Stützkräfte und Schulassistenz.
  5. Jugendhilfe bis zum 24. Lebensjahr! Jugendliche mit schwieriger Lebensgeschichte brauchen Begleitung über das 18. Lebensjahr hinaus. Wir wissen aus anderen europäischen Ländern, dass diese Begleitung stark präventiv wirkt und sozialer Ausgrenzung vorbeugt.

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