Diakonie und Gastronomie: 40 Lokale in Wien und NÖ bieten Plaudertischerl, über 70 Online-Termine

Mittwoch, 10. November 2021
Plaudertischerl  (c) Nadja Meister, Diakonie Flüchtlingsdienst
Plaudertischerl (c) Nadja Meister, Diakonie Flüchtlingsdienst

„Wenn ich länger mit niemandem rede, tut das meiner Seele weh!“ 

Diakonie und Gastronomie gegen Einsamkeit 

Einsamkeit schwächt Immunsystem der Einzelnen und der Gesellschaft 

Es ist ein Freitagnachmittag als bei Stefanie Meier, verantwortlich für das Plaudertischerl der Diakonie, das Telefon klingelt. Am anderen Ende spricht Jürgen M. (Name geändert). Wo in seiner Nähe das nächste Plaudertischerl sei, fragte der ca. 40-Jährige. Und nennt den Grund seines Anrufes: „Wenn ich länger mit niemanden rede, tut das meiner Seele weh!“.  

Jeder fünfte Mensch in Österreich ist von Einsamkeit betroffen[1]. Wie wichtig der soziale Austausch ist, hat die Pandemie vor Augen geführt. Wer sich einsam fühlt, der hat ein starkes Bedürfnis nach sozialen Kontakten. Wird dieses Bedürfnis nicht gestillt, hat das langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit der Einzelnen und auf die Gesellschaft als Ganzes, wie der Sozialexperte der Diakonie Martin Schenk, selbst Psychologe, ausführt: „Vereinsamte werden anfälliger für Krankheiten, schlittern öfters in eine Depression, verlieren an Mut. Einsamkeit bedeutet sich von der Welt getrennt fühlen. Wer sich von allen verlassen fühlt, verliert auch das Vertrauen in die Welt rundum, in seine Umgebung, in die Gesellschaft, in die Demokratie. Mit dem Plaudertischerl können wir gemeinsam etwas tun.“  

Einsamkeit kennt kein Alter 

Obwohl das Thema durch die Covid-19-Pandemie etwas mehr Aufmerksamkeit erfahren hat, ist es nach wie vor ein Tabuthema und wird hauptsächlich mit älteren Personen assoziiert, wie Stefanie Meier erläutert: „Kaum jemand würde von sich sagen, einsam zu sein. Dabei erleben wir alle Phasen von Einsamkeit. Und diese muss gar nicht durch das hohe Alter oder tragische Einschnitte wie Krankheit oder Tod verursacht werden. Auch ein Job- oder Ortswechsel, oder die Geburt eines Kindes, können dazu führen, dass sich unsere Beziehungen zu Freund:innen und Familie verändern und wir uns einsam fühlen.“ 

Plaudertischerl im Kaffeehaus und im virtuellen Raum 

Mit dem Plaudertischerl setzt die Diakonie gemeinsam mit Gastronomiebetrieben in Wien und Niederösterreich ein Angebot für Menschen, die sich einsam fühlen und mit anderen plaudern möchten. Das Plaudertischerl ist eine Einladung, sich auf seine Mitmenschen einzulassen, ihnen zuzuhören, die eigene Geschichte zu erzählen oder einfach ein paar freundliche Worte zu wechseln. Aktuell beteiligen sich über 40 Lokale in Wien und Niederösterreich. 

Kurz nach Projektstart 2020 wurde der erste Lockdown verhängt. Seither lädt das Plaudertischerl gemeinsam mit freiwilligen Mitarbeiter:innen auch zu virtuellen Gesprächsrunden und Einzelgesprächen über Zoom ein. 

Kontakt Stefanie Meier stefanie.meier@diakonie.at Telefon: +43 664/ 88 68 2270 Weitere Informationen unter www.plaudertischerl.at  

Das Plaudertischerl ist ein Projekt der Diakonie Eine Welt Sozial und wird gefördert vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.