Hoffnung braucht ein Ja!

Angst nehmen, Hoffnung geben – Spaltung verhindern, Mut machen, #Hoffungsträger werden!
Kampagnensujet der Inklusiven Fit Schule
Nathalie und Daniela besuchen die Inklusive FIT-Schule der Diakonie und bereiten sich gerade auf eine Lehre vor.

Angst, Neid, Wut und Misstrauen sind die Schlüsselbegriffe, die die derzeitigen öffentlichen Debatten regieren und mit denen sich, so scheint es, Wahlsiege erringen lassen; Diese wiederum führen zur weiteren Legitimation einer Politik der Spaltung und Diffamierung ganzer gesellschaftlicher Gruppen. Alles scheint erlaubt, wenn sich daraus ein kurzfristiger Vorteil ergibt.

Die Arbeit der Diakonie besteht darin, Angst zu nehmen und Hoffnung zu geben; der Abwertung von Menschen entgegen zu treten und ihre Würde zu bewahren. Neid als unproduktives Gefühl, das auch den Neider ins Unglück führt zu entlarven und Solidarität, oder wie wir sagen Nächstenliebe zur Entfaltung zu bringen. Hoffnung ist es, die wieder Zukunft möglich macht. Wir brauchen Hoffnungsträger. Deswegen: Hoffnung braucht ein Ja!

Hoffnung ist es, die wieder Zukunft möglich macht. Wir brauchen Hoffnungsträger. Deswegen: Hoffnung braucht ein Ja!

Jacky wird vom Diakoniewerk begleitet

Hoffnung hat viele Gesichter

Im Zuge der Kampagne „Hoffnung braucht ein JA“ stellt die Diakonie Menschen und Projekte vor, die Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und Solidarität fördern und weiterentwickeln. Mit TV- und Hörfunkspots, Plakaten und Inseraten macht die Diakonie zwischen November 2016 und März 2017 auf Menschen aufmerksam, die oft übersehen werden.

Dass jede und jeder Hoffnungsträger werden kann, zeigen die ehrenamtliche HelferInnen, MitarbeiterInnen und Menschen, die von der Diakonie betreut werden, indem sie ihre ganz persönlichen Geschichten erzählen:

Nathalie: „Ich bin gern draußen, egal ob die Sonne scheint, oder ob es regnet!“

Kampagnensujet der Inklusiven Fit Schule

Natalie ist 18 Jahre alt, geht in die IFIT Schule und arbeitet im zweiten Jahr ihrer Praxisausbildung als Gärtnerin.

Ihre gesamte Schullaufbahn davor hat sie in der Sonderschule absolviert. „Lange Zeit ist bei Natalie ihre Lernschwäche im Vordergrund gestanden. Die Entwicklung, die Natalie in ihrer Zeit bei uns gemacht hat, ist wirklich schön. Besonders freuen wir uns, dass sie ihre berufliche Perspektive im Gärtnern für sich entdeckt hat, und beharrlich verfolgt“, erzählt ihre Lehrerin Ines Egle.

Natalie ist in der I-FIT Schule seit einem Jahr im Ausbildungsbereich „Landwirtschaft und biologischer Gartenbau“. Ihr erstes Jahr in externer Praxis hat sie bei den Bundesgärten absolviert. „Ich war im Palmenhaus in Schönbrunn, und hab dort wirklich viel gelernt“, erzählt die junge Frau, und auch ihre Betreuer betonen, „Natalie hat das erste Praxisjahr sehr erfolgreich absolviert und ein man sieht ein großes fachliches und persönliches Wachstum“.

Begeisterte Parkgärtnerin im Belvedere

Seit ein paar Wochen ist Natalie im zweiten Praxisjahr, und wird jetzt ein Jahr lang in den Belvedere-Gärten als Parkgärtnerin arbeiten. Ihr Ausbildner Michael Knaack hat viele Jahre Erfahrung in der Begleitung von Lehrlingen und sagt: „Natalie ist eine typische Parkgärtnerin. Man sieht ihr schon an, dass sie gerne ihre Kraft einsetzt, und sie kann es ja auch kaum mehr erwarten, bis wir mit Arbeiten beginnen wie Baum- und Heckenschnitt“; sagt er lachend. „Ich freu mich schon, wenn ich lerne mit den Maschinen umzugehen, und ich bin einfach gerne den ganzen Tag draußen“, strahlt Natalie, die froh ist, dass die Zeit im Glashaus jetzt hinter ihr liegt, und sie ihre eigentlichen Stärken ausleben kann. „Ich hab mich hier gleich mit allen gut verstanden“, berichtet Natalie von ihren ersten Tagen im Belvederegarten, „und ich freu mich, dass es hier im Park immer Arbeit gibt. Auch bei schlechtem Wetter!“

Noch vor zwei Jahren hat sich Natalie einen solchen Weg kaum selbst zugetraut. „Was wir hier machen“, erklärt der Ausbildner Michael Knaack, „ist die Stärken der jungen Leute auszunutzen, und die Schwächen über die Zeit hinweg zu beheben. Wenn Natalie zum Beispiel jetzt im Herbst die Sommerblumen im Park ausgräbt, bring ich sie immer wieder dazu, die Namen aller Pflanzen laut zu wiederholen. So bleiben sie irgendwann im Gedächtnis“.

Das Annehmen von solcher Unterstützung ist Natalie am Anfang in der Schule sehr schwer gefallen. Jetzt schafft sie es, diese Unterstützung für sich zu nutzen. Und wenn sie lächelnd sagt: „Ich freu mich einfach, dass ich hier bin, dass ich jetzt weiß, was ich will, und dass ich meinen Weg verfolgen kann“, dann kann man das richtiggehend sehen. Denn Natalie strahlt, wenn sie sagt: „Ich komm jeden Tag gern hierher in den Belvederepark. Egal ob die Sonne scheint, oder  ob es regnet!“

(links im Bild)

Jacky: „Ich kann nur mit dem IPad sprechen, aber ich kann gut verstehen, was du mir sagst!“

Jacky benutzt einen Rollstuhl und ein IPad ist sein Kommunikationsmittel

Jacky ist 11 und ein sehr vergnügter und intelligenter Junge. Mit einer Einschränkung: Er kann nicht sprechen.

Jacky stammt aus einer chinesischen Familie mit mehreren Geschwistern. Seine Eltern arbeiten in einem China-Restaurant. Als Jacky noch klein war, konnte er zuhause wohnen. Seit einiger Zeit aber haben sich seine Eltern nicht mehr in der Lage gefühlt, ihn gut zu betreuen, und in sein Jugendalter zu begleiten. Jetzt ist Jacky 11 und ein sehr vergnügter und intelligenter junger Mann. Mit einer Einschränkung: Er kann nicht sprechen.

Auf simple Fragen antwortet Jacky mit Daumen hoch, Daumen runter und anderen Gesten – aber erst mit dem Tablet und der App „Metatalk“ kann er erzählen, dass der Tag in der Schule gut war, die Bim in der Früh allerdings wegen eines Schadens sehr spät kam. Jacky kann komplexe Antworten geben und selbst Fragen stellen. Mit seinem Tablet kann er alles sagen, was er möchte und was ihm gerade in den Sinn kommt.

Nicht der Mensch soll sich an die Technik anpassen, die Technik muss sich dem Menschen anpassen

Über sich selbst sagt Jacky: „Ich habe braune Augen und kann gut sehen. Besonders gerne sehe ich mir Autos, Farben, Bäume und Blumen an. Aber auch Fernsehen mag ich gerne. Ich lache sehr gerne und oft bringe ich damit auch andere zum Lachen. Deshalb kenne ich auch viele Leute in der Schule, weil jeder gerne Späße mit mir macht. Am besten kann ich mit neuen Situationen umgehen, wenn du sie mir vorher erklärst. Ich kann gut verstehen, was du mir sagst!“

Wir erfahren auch, dass seine Betreuerin nächsten Donnerstag Geburtstag hat und dass es dann Kuchen geben wird. Dazu wischt Jacky rasant über die Symbole auf dem Display, wechselt in die Kalenderoberfläche, klickt verschiedene Buchstaben an und schließlich den Button zur Sprachausgabe. Während eine Computerstimme seine Worte laut wiedergibt, sieht der Zwölfjährige seinem Gegenüber fest in die Augen und lächelt zufrieden.

Helene: „43 Jahre war ich Lehrerin, was glauben S´, wieviel Leut´ ich kenn!“

Helene, Hoffnungsträgerin der Diakonie

„Frau Lehrerin Szankovic“ wie alle in Gols sie nennen, wird heuer 90, und lebt seit zwei Jahren „in der Diakonie“ wie sie sagt.

„Ich fühl mich dort so wohl, das muss ich wirklich sagen. Alles ist gut, das Essen, die Pflege, und ich vertrag mich gut mit den Leuten“, erzählt die alte Frau. Als sie vor zwei Jahren einen Oberschenkelhalsbruch hatte, und sich das Alleinleben nicht mehr zugetraut hat, hat sie selbst beschlossen, ins Pflegeheim zu ziehen.

Frau Szankovic ist eine lebhafte Person, die gerne erzählt, und sich sehr klar an ferne und nahe Zeiten erinnert. Die geborene Burgenländerin ist pensionierte Volksschullehrerin und die „alte Volksschuldirektorin“ von Gols, die jeder kennt. Und sie selbst kennt alle Schülergenerationen zwischen 1947 und den 1980er Jahren: „43 Jahre war ich Lehrerin, was glauben S´, wieviel Leut´ ich kenn!“ sagt sie und lacht.

In ihren ersten Schuljahren in der alten Schule in Gols, „da hab ich mit der Farbkreide auf der Wand g´schrieben, weil ma nur eine Tafel hatten“, hat sie bis zu 70 Schüler in einem Raum unterrichtet. „Kein Wunder, dass ich heut ein bisserl schwerhörig bin“, lacht sie. „Aber jedenfalls besuchen mich manche meiner Schüler bis heute im Heim“.

Lehrerin mit Leib und Seele

Frau Szankovic hat früher für ihr Leben gern gehandarbeitet: „Stricken, nähen – alles eigentlich“, und sie habe das auch gern unterrichtet. „Kochen aber weniger … für mich allein hat immer ein Häferl Milch genügt, bevor ich mir was koch“, sagt sie lachend.

Ihren Sohn, der 1957 geboren ist, musste sie wegen ihrer Berufstätigkeit bis zum 6. Lebensjahr bei Mutter und Schwester im entlegenen Nachbarort aufwachsen lassen. „Das war damals so. Aber das Gute ist, dass er jetzt zwei Mütter hat“. Sie hat ihren Sohn also gerne geteilt, denn sie sagt: „Meine Schwester, die alleinstehend ist, hat auf die Art auch einen Sohn“, erklärt sie mit ihrem Humor, der aus fast jeder Äußerung spricht. Und so konnte sie sich ganz ihrer Berufung widmen: Sie war und ist Lehrerin mit Leib und Seele!

Ramez: „Ich weiß, dass mehr in mir steckt“

Ramez musst aus Afghanistan flüchten

Ramez ist ein zielstrebiger junger Mann. Nach einer langen Reise, wie er sagt, ist er 2011 nach Österreich gekommen.

Seine älteren Geschwister hat es auf der Flucht in andere europäische Länder verschlagen. Seine Eltern mit den jüngeren Geschwistern leben noch im Iran, wo es aber Menschen aus Afghanistan gar nicht leicht haben. - Deshalb ist Ramez auch so froh, hier in Österreich die Chance auf Ausbildungen bekommen zu haben.

„Dass ich das BACH Bildungszentrum der Diakonie besuchen konnte, war besonders deshalb so wichtig für mich, weil dort der Hauptschul-Abschlusskurs genau auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen abgestimmt ist. Jeder von uns hat damals genau die Unterstützung bekommen, die jeder gebraucht hat“, erzählt Ramez. „Drum war es auch leicht für mich, den österreichischen Schulabschluss zu machen, der für mich die Grundlage für alles weitere ist und war.“

Außerdem hat Ramez schon während der Zeit bei BACH bei einem Praktikum den Beruf des Pflegehelfers kennengelernt. „Ich habe die Ausbildung abgeschlossen, und arbeite jetzt fix als Pflegehelfer“, erzählt Rames. „Ich verstehe mich gut mit den alten Leuten“, erzählt Ramez. „Und wir haben eines gemeinsam: Eine Vergangenheit in einer Zeit, in der es kein Handy und keinen Computer gab“, scherzt der junge Mann.

Träume können wahr werden

Abgesehen davon, dass es Ramez nach vielen Jahren der Entbehrungen jetzt erstmals möglich ist, alleine zu wohnen, seiner täglichen Arbeit nachzugehen, und ein bescheidenes Gehalt zu beziehen, hat Ramez aber noch einen alten und langgehegten Traum, den er gerne verwirklichen möchte: Er möchte Mathematik oder Physik studieren.

„In Afghanistan hatte ich einen Lehrer, der schien damals aus einer anderen Zeit gekommen zu sein. Er hat uns immer sehr stark im Lernen bestärkt, und hat uns alles so erklärt, dass es uns ganz einfach zu sein schien. Auch im BACH-Lernzentrum habe ich immer Unterstützung bekommen, und deshalb liebe ich Mathematik bis heute! - Vielleicht werde ich nach meinem Studium einmal Forscher oder Erfinder werden. Ich weiß, dass mehr in mir steckt“.

Ulrike: „Ich möchte meine Solidarität mit den Menschen zeigen, denen es nicht so gut geht wie uns“

Ulrike, Hoffnungsträgerin der Diakonie

Ulrike engagiert sich seit 1998 in der Entwicklungszusammenarbeit.

Ulrike Hampel stammt aus Kärnten und hatte in ihrer Jugend das Glück, viel von der Welt sehen zu können. „Ich war mit der evangelischen Jugend viel im Nahen Osten unterwegs. Ich habe damals die ganze Region kennen gelernt, die es jetzt kaum noch gibt, die bis heute in Kriegen versinkt“, erzählt die lebhafte Frau. „Wir waren zum Beispiel sechs Wochen teilweise mit dem Fahrrad in Syrien unterwegs. Dabei habe ich unglaublich viel gelernt.“ Und schon seit damals seien ihr die Menschen aus diesen Ländern sehr nahe.

Frau Hampel ist dann nach Wien gezogen, und hat sich neben Familie und Beruf in der evangelischen Kirche – und hier besonders in der Entwicklungshilfe - engagiert. „Ich möchte meine Solidarität mit den Menschen zeigen, denen es nicht so gut geht wie uns. Besonders mit den Ländern, die früher geblüht haben, und die jetzt zerfallen. Wie Palästina, wie Syrien.“

Seit 2003 ist Frau Hampel dabei, „wenn es darum geht, die Menschen zu informieren, und Spenden zu sammeln, damit wir Projekte von Brot für die Welt unterstützen können“.

Matthias: „Ich habe fast mein ganzes Leben im Zug geschlafen “

Matthias, Hoffnungsträger der Diakonie

Matthias Nittnaus war als Baumaschinenmechaniker in ganz Österreich unterwegs. Seit kurzem wohnt er im Altersheim des Diakonie Zentrum Gols.

Herr Nittnaus ist 1934 in Gols geboren. Seit kurzem wohnt er im Altersheim – ebenfalls in Gols. Und er ist sehr zufrieden. Ein positiver Mensch. Er vergleicht sich im Gespräch mit dem Heimleiter mit seinem Zimmernachbarn, und die beiden zwinkern sich zu. „Mit Herrn Nittnaus haben es die Frauen im Pflegedienst leicht“, betont auch Christian Göltl lachend, „er ist meistens gut gelaunt und hilft mit, wo er kann“.

Sein Leben lang war Herr Nittnaus viel unterwegs. Er war immer ungebunden und auf Achse. Allein schon beruflich. „Ich habe fast mein ganzes Leben im Zug geschlafen“ bringt er es auf den Punkt. Als Baumaschinenmechaniker war er Jahrzehnte lang in ganz Österreich auf den Baustellen unterwegs. Allein die „Kummerbrücke“ – wo sie liegt, kann mir Herr Nittnaus nicht mehr so ganz genau sagen – habe er mehrere hundert Male überquert. – Und das sei symptomatisch für sein Berufsleben gewesen. Das er allerdings mit Leib und Seele ausgefüllt hat.

Was ihm sonst noch wichtig war in seinem Leben? „Der Weingarten!“ ruft er, und schaut mich ganz ungläubig an: Ob ich denn nicht wüsste, dass jeder Burgenländer seinen Weingarten braucht?

Und was er jetzt am liebsten macht, so ganz ohne Weingarten, frage ich ihn noch. Herr Nittnaus zwinkert mir zu und sagt „Die Angestellten im Pflegeheim ärgern!“

Daniela: „Ich weiß jetzt: Ich kann viel, und ich schaffe das!“

Kampagnensujet der Inklusiven Fit Schule

Daniela besucht die "Inklusive-FIT Schule" der Diakonie. Ihr Traumberuf Kindergartenassistentin ist bereits in greifbarer Nähe.

Ich bin 22 Jahre alt, und bin jetzt im 2.Praxisjahr in diesem Kindergarten. Und davor war ich in einem anderen Kindergarten. Ich arbeite mit den ganz kleinen Kindern, in der Krippe. Das wollte ich so, weil ich es so spannend finde, wie schnell sich die kleinen entwickeln. Wenn man einmal eine Woche nicht da ist, und dann komm ich wieder in den Kindergarten, hat oft eines von ihnen wieder etwas tolles Neues gelernt.

Ich wollte schon immer im Kindergarten arbeiten. Und es ist super, dass ich über die IFIT Schule die Möglichkeit hab, das wirklich super zu lernen. - Nach diesem Jahr werde ich meine Teilausbildung abgeschlossen haben.

Schön ist, dass ich hier im Kindergarten der Diakonie schon viel praktisch machen kann. Ich kann umsetzen, was ich im Fachunterricht lerne, und ich werde das dann bei der Prüfung im Juni auch zeigen können, dass ich viel gelernt habe.

Bevor ich in die IFIT Schule gekommen bin, war ich nicht so selbstbewusst. Ich hatte wirklich blöde Erlebnisse vorher, in der Schule. Ich wurde gemobbt, und dann hab ich mir gedacht: „Gut, dann sag ich nix mehr“, und hab von da an immer meinen Mund gehalten. Und auch in der Familie gab es leider früher Menschen, die immer gesagt haben: „Aus dir wird nix“.

Aber in der IFIT Schule und besonders in der Praxis, im Kindergarten hier, bin ich dann immer mehr ermuntert worden. Ich weiß jetzt: „Ich kann viel, und ich schaffe das!“.

Nach diesem Jahr werde ich vielleicht noch einen Kurs machen, damit ich es auch schwarz auf weiß habe, dass ich als Kindergartenassistentin arbeiten kann. Und dann werde ich mir eine Stelle suchen. Ich bin zuversichtlich, dass das gelingen wird.

(rechts im Bild)

Helene, Hoffnungsträgerin der Diakonie

Investieren wir gemeinsam in Menschen!

Die Diakonie macht sich dafür stark, dass in Angebote investiert wird, die Menschen helfen, egal ob mit Behinderung, Migrationshintergrund, Lernschwierigkeiten oder aus zerrütteten Familien. Denn jeder Euro, der in investiert wird, zahlt sich mehrfach aus.

Mit 24 Vorschlägen fordert die Diakonie deshalb die Regierung auf zu handeln. Gegen Schwarz-Sehen, Krankjammern und Hoffnungslosigkeit: Wir können etwas tun.

1. Schulen und offene Jugendarbeit zusammenbringen!

Es braucht einen Aktionsplan, der die Schnittstellen zwischen Schule, sozialer Arbeit und Ausbildung verbindet. Außerdem soll die Schulsozialarbeit flächendeckend ausgebaut werden.

Es braucht einen Aktionsplan, der die Schnittstellen zwischen Schule, sozialer Arbeit und Ausbildung verbindet. Außerdem soll die Schulsozialarbeit flächendeckend ausgebaut werden.

2. Jugendhilfe bis zum 21. Lebensjahr!

Jugendliche mit schwieriger Lebensgeschichte brauchen Begleitung über das 18. Lebensjahr hinaus. Wir wissen aus anderen europäischen Ländern, dass diese Begleitung stark präventiv wirkt und Abstürzen vorbeugt.

Jugendliche mit schwieriger Lebensgeschichte brauchen Begleitung über das 18. Lebensjahr hinaus. Wir wissen aus anderen europäischen Ländern, dass diese Begleitung stark präventiv wirkt und Abstürzen vorbeugt.

3. Mehr Chancen für benachteiligte Schulstandorte!

Schulen in sozial benachteiligten Bezirken sollen besonders gut ausgestattet werden, damit sie keine Kinder zurücklassen und für alle attraktiv bleiben. Europäische Beispiele zeigen – es funktioniert!

Schulen in sozial benachteiligten Bezirken sollen besonders gut ausgestattet werden, damit sie keine Kinder zurücklassen und für alle attraktiv bleiben. Europäische Beispiele zeigen – es funktioniert!

4 . Frühförderung in ganz Österreich!

Die Unterstützung rund um Geburt, Wochenbett und die ersten Monate mit Kind weist in Österreich deutliche Lücken auf. Besonders für Familien mit weniger Einkommen ist eine gute Begleitung oft nicht leistbar.
Die Unterstützung rund um Geburt, Wochenbett und die ersten Monate mit Kind weist in Österreich deutliche Lücken auf. Besonders für Familien mit weniger Einkommen ist eine gute Begleitung oft nicht leistbar.

5. Schule für alle, auch für Kinder mit Behinderungen!

Gemeinsamer Unterricht von Kindern ohne und mit Behinderung hilft allen. Der schrittweise Rückbau von Sonderschulen muss mit mehr PädagogInnen für inklusive Klassen einhergehen.

Gemeinsamer Unterricht von Kindern ohne und mit Behinderung hilft allen. Der schrittweise Rückbau von Sonderschulen muss mit mehr PädagogInnen für inklusive Klassen einhergehen.

Kinder mit Behinderungen können derzeit nur 9 Jahre in die Schule gehen (in der Sonderschule nach Maßgabe auch bis zu 12 Jahre), eine integrativ / inklusiv geführte Oberstufe ist derzeit nur als Schulversuch möglich. Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam unterrichtet werden können, auch Kindern mit Behinderungen ist eine schulische Ausbildung bis zum 18. / 19. Lebensjahr zu ermöglichen. Jugendliche mit Behinderung können auch die so genannte IBA (integrative Berufsausbildung, bietet 2 Möglichkeiten, entweder reguläre Lehre mit verlängerter Lehrzeit, oder Lehre mit Abschluss Teilqualifizierung) absolvieren. Die Teilqualifizierung hat derzeit keine Entsprechung im österreichischen Bildungssystem, eine Anstellung ist aufgrund fehlender Klassifizierung für Arbeitgeber schwierig.

Lösung:

  • gesetzliche Rahmenbedingungen sowie Finanzierung für inklusive Schulen bis zum 18./19. Lebensjahr für alle Schulen, auch AHS Oberstufe und berufsbildende Schulen mit Matura
  • schrittweiser Rückbau von Sonderschulen mit gleichzeitiger Erhöhung der Stütz- bzw. SonderpädagogInnen in integrativen Klassen
  • Evaluierung der IBA (letzte Evaluierung im Jahr 2008) sowie Erarbeitung eines allgemein anerkannten Abschlusses für die Teilqualifizierung mit Entsprechung im Bildungs- und Entlohnungssystem
  • Ausbau und offensive Bewerbung der Möglichkeit der IBA für Unternehmen mit Lehrlingsplätzen

6. Kinderbetreuung auch für Kinder mit Behinderungen!

Oft endet Integration um 13 Uhr, weil es zu wenig Geld für inklusive Betreuung gibt. Außerdem dürfen Kinder mit Behinderungen nicht vom verpflichtenden Kindergartenjahr ausgenommen sein.

Oft endet Integration um 13 Uhr, weil es zu wenig Geld für inklusive Betreuung gibt. Außerdem dürfen Kinder mit Behinderungen nicht vom verpflichtenden Kindergartenjahr ausgenommen sein.

Derzeit fehlen sowohl in der verschränkten Schulform als auch in den diversen Nachmittagsbetreuungsangeboten (z.B. schulische Nachmittagsbetreuung, Hort etc.) finanzielle Mittel, um inklusive Betreuung zu gewährleisten. Die Gelder aus der 15a Vereinbarung zum Ausbau der Nachmittagsbetreuung reichen nicht für eine inklusive Führung der Gruppen. Insgesamt ist das Angebot für inklusive Betreuung am Nachmittag derzeit noch sehr klein, ebenso wie das Angebot für die vorschulische Betreuung (Kindergärten, Krippen etc.). Das verpflichtende Kindergartenjahr muss derzeit von Kindern mit Behinderungen nicht besucht werden.

Lösung:

  • Ausweitung der maximalen finanziellen Mittel in der 15a Vereinbarung (derzeit 9.000 Euro jährlich pro Gruppe) sowie Ermöglichung der Förderung in der doppelten Höhe wenn integrativ betreut wird.
  • Streichung der Unzumutbarkeitsregelung beim verpflichtenden Kindergartenjahr, so dass auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in die Kindergartenpflicht mitaufgenommen werden.
  • Erhebung der statistischen Gesamtsituation von integrativer Kinderbetreuung (vorschulisch und schulisch) mit Fokus auf Kinder mit Behinderungen

7. Demenzstrategie umsetzen!

Mehr als 130.000 Menschen sind von Demenz betroffen. Sie brauchen flexible Wohn- und Betreuungsangebote sowie umfassend geschultes Personal. Die Umsetzung der Demenzstrategie muss finanziert werden.

Mehr als 130.000 Menschen sind von Demenz betroffen. Sie brauchen flexible Wohn- und Betreuungsangebote sowie umfassend geschultes Personal. Die Umsetzung der Demenzstrategie muss finanziert werden.

Etwa 130.000 Menschen sind in Österreich an Demenz erkrankt, das ist ein Drittel aller PflegegeldbezieherInnen. Prognosen besagen, dass im Jahr 2050 jede/jeder 7. von einer Demenzerkrankung betroffen sein wird. Nach wie vor sind demenzspezifische Angebote sozialer Dienstleistungen mangelhaft verfügbar. Auch die Ausbildungsinhalte der Pflege- und Betreuungsberufe müssen stärker an die zukünftigen Herausforderungen angepasst werden (durch demenzspezifische Ausbildungsinhalte, Spezialisierungen, Weiterbildungen etc.). Bei der Einstufung zum Pflegegeld in Österreich liegt der Schwerpunkt auf körperlichen und medizinischen Aspekten, hingegen psychische Erkrankungen in einem zu geringen Ausmaß berücksichtigt werden. Durch den Demenzzuschlag (25 Stunden erhöhter Pflegebedarf pro Monat) kann der meist sehr hohe zeitliche Betreuungsaufwand nicht annähernd gedeckt werden kann. Die erarbeiteten Handlungsempfehlungen im Rahmen der österreichischen Demenzstrategie müssen umfassend umgesetzt werden, um auf die zukünftigen Herausforderungen entsprechend zu reagieren.

Lösung:

  • Umfassende Umsetzung der Maßnahmenvorschläge zur Demenzstrategie des Bundes, entsprechende Bereitstellung finanzieller Mittel
  • Errichtung einer bundesweite Koordinationsstelle, um demenzspezifische Angebote, Informationen etc. in koordinierter Weise anzugehen
  • Schwerpunktsetzung beim Ausbau von demenzspezifischen Pflegeangeboten auf Tageszentren und neue Wohn- und Betreuungsformen
  • Erarbeitung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes, um psychische und physische Erkrankungen und Beeinträchtigungen getrennt zu behandeln (Vorbild: Deutschland)
  • Spezifische Berücksichtigung von psychischen Erkrankungen wie Demenz in der Einstufung zum österreichischen Pflegegeld
  • Sensibilisierung und Bereitstellung von Informationen für die allgemeine Bevölkerung, um soziale und gesellschaftliche Inklusion von Menschen mit Demenz zu gewährleisten
  • Erweiterung der Ausbildungsinhalte der Gesundheits- und Sozialberufe bzw. Anbieten von Spezialisierungen und Weiterbildungen, um kompetenten Umgang mit demenzkranken Menschen sicherzustellen

8. Pflegelücke schließen!

450.000 pflegebedürftige Menschen brauchen mehr als Betreuung durch Angehörige oder Pflegeheim. Leistungen dazwischen, z.B. Tageszentren, können diese „Pflegelücke“ schließen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern.

450.000 pflegebedürftige Menschen brauchen mehr als Betreuung durch Angehörige oder Pflegeheim. Leistungen dazwischen, z.B. Tageszentren, können diese „Pflegelücke“ schließen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern.

Pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige leiden unter der so genannten Pflegelücke. Die Pflegelücke entsteht, weil oftmals nur entweder eine Versorgung in stationären Settings oder eine Betreuung durch Angehörige möglich ist. Zwischenformen wie mobile Dienste haben starke Begrenzungen (z.B. nur wenige Wochenstunden). Angebote wie Tageszentren, Kurzzeitpflege, Übergangspflege etc. sind regional sehr unterschiedlich ausgebaut. Professionelle Pflege ist daher oftmals regional nicht verfügbar oder schlichtweg nicht leistbar. Im Sinne der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der regionalen wirtschaftlichen Entwicklung müssen soziale Pflegedienstleistungen ausgebaut und verstärkt angeboten werden.

Lösung:

  • Schwerpunktsetzung beim Ausbau von Pflegeangeboten auf mobile Dienste, Tageszentren, Kurzzeitpflege und neue Wohn- und Betreuungsformen
  • Ausbau von Notpflegediensten in allen Bundesländern (Vorbild: Wien)
  • Angebote von mobilen Pflegediensten abseits von Kontingentierungen sowie leistbare Angebote, um einen Verbleib zu Hause zu ermöglichen zur Entlastung von pflegenden Angehörigen beizutragen
  • verstärkte Finanzierung von mobiler Hauskrankenpflege über die Krankenversicherung
  • Unterstützung für pflegende Angehörige und pflegende Kinder und Jugendliche durch Beratung, Information und Möglichkeit zur Erholung sowie Sensibilisierung in diesem Bereich
  • Rechtsanspruch auf Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige, insbesondere für Angebote wie Pflegekarenz und Pflegeteilzeit

9. Unterstützung für pflegende Angehörige!

80 % der pflegebedürftigen Menschen werden von ihren Angehörigen zu Hause unter hohen psychischen und körperlichen Belastungen betreut. Darum braucht es einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und Pflegeteilzeit.

80 % der pflegebedürftigen Menschen werden von ihren Angehörigen zu Hause unter hohen psychischen und körperlichen Belastungen betreut. Darum braucht es einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und Pflegeteilzeit.

In Österreich werden etwa 80 % der pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt und betreut. Gerade einmal ein Drittel aller PflegegeldbezieherInnen nimmt zumindest eine Stunde mobile Dienste in Anspruch, knapp die Hälfte aller PflegegeldbezieherInnen sind nur auf Angehörige angewiesen. Die Pflege von Angehörigen bedeutet eine hohe psychische, körperliche und finanzielle Belastung. Auszeiten von der Pflege wie etwa Ersatzpflege, Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit werden nur in geringem Ausmaß in Anspruch genommen. Der fehlende Rechtsanspruch für diese Pflegeauszeiten, die notwendige Zustimmung des/der Arbeitgebers/in zu Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit sowie die fehlende Flexibilität in der Inanspruchnahme dieser Angebote können als hinderliche Faktoren gesehen werden. Für viele pflegende Angehörige resultiert die Betreuung ihrer Angehörigen oft in gesundheitlichen Problemen. Pflegende Angehörige benötigen rechtliche Ansprüche auf Unterstützungsleistungen, um die Vereinbarkeit von Pflege und Berufstätigkeit zu ermöglichen und gesundheitlichen Belastungen entgegenzuwirken.

Lösung:

  • Rechtsanspruch auf Unterstützungsleistungen für pflegende Angehörige, insbesondere auf Ersatzpflege, Pflegekarenz und Pflegeteilzeit
  • Flexiblere und zeitlich längere Ausgestaltung von Pflegekarenz und Pflegeteilzeit
  • Flächendeckende Informations- und Beratungsangebote und Unterstützungsgespräche für pflegende Angehörige
  • Leistbare Angebote für zu Hause, um pflegende Angehörige zu entlasten
  • Angebote von mobilen Pflegediensten abseits von Kontingentierungen, Flächendeckender Ausbau von Tageszentren
  • Vereinfachungen im Zugang zu Hilfsmitteln, um die Selbstständigkeit von chronisch kranken Personen zu fördern / aufrecht zu erhalten
  • Ausbau von Notpflegediensten in allen Bundesländern (Vorbild: Wien)

10. Kinder sind keine Pflegekräfte!

43.000 Kinder und Jugendliche pflegen und betreuen zu Hause ihre kranken Eltern. Durch diese Verantwortung können sie oft nicht unbeschwert Kind sein. Professionelle Hilfe, v.a. mobile Pflege, stärkt die ganze Familie.

43.000 Kinder und Jugendliche pflegen und betreuen zu Hause ihre kranken Eltern. Durch diese Verantwortung können sie oft nicht unbeschwert Kind sein. Professionelle Hilfe, v.a. mobile Pflege, stärkt die ganze Familie.

Etwa 43.000 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 18 Jahren pflegen und betreuen ihre Eltern, Großeltern oder Geschwister. Diese sind chronisch krank, haben eine Behinderung oder sind aufgrund des Alters pflegebedürftig. Die Kinder leisten dabei emotionale Unterstützung (z.B. trösten, oder aufpassen, dass nichts passiert), körperliche Unterstützung (z.B. waschen, anziehen etc.) und Unterstützung im Haushalt (z.B. einkaufen, kochen etc.).

Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Familie reich oder arm ist, welche Bildung die Eltern haben, oder wo die Familie ursprünglich herkommt – pflegende Kinder gibt es in allen Familien in Österreich. Auffallend ist aber, dass Mädchen öfter pflegen und betreuen als Buben, knapp 70 % der Kinder sind Mädchen.

Eine der größten Herausforderungen ist, dass die Kinder sehr versteckt leben. Ein wichtiger Ansatzpunkt wäre daher, Personen aus dem Entlassungsmanagement im Krankenhaus zu sensibilisieren, da Kinder mit ihren chronischen kranken Eltern öfters im Krankenhaus sind. Außerdem würden pflegende Kinder und Jugendliche von einem Ausbau von Dienstleistungen profitieren, da sie professionell entlastet werden.

Lösung:

  • Ausbau und Bereitstellung von Informationen für Kinder und Jugendliche
  • Sensibilisierung von Angehörigen der Gesundheits- und Sozialberufe (z.B. ÄrztInnen, DGKPs, Pflegehilfen etc.) und insbesondere das Entlassungsmanagement im Krankenhaus
  • Angebote von mobilen Pflegediensten abseits von Kontingentierungen, leistbare Angebote für zu Hause, um Kinder und Jugendliche zu entlasten
  • Vereinfachungen im Zugang zu Hilfsmitteln, um die Selbstständigkeit von chronisch kranken Personen zu fördern / aufrecht zu erhalten
  • Ausbau von Notpflegediensten in allen Bundesländern (Vorbild: Wien)

Linktipp: Die Initiative superhands hilft, informiert und entlastet Kinder und Jugendliche, die Angehörige pflegen!

11. Flüchtlingskinder sind keine halben Kinder!

Sie brauchen die gleiche Aufmerksamkeit wie alle anderen Kinder, die ohne Eltern aufwachsen. Deshalb: Raus aus der Mangelverwaltung der Grundversorgung, die oft eher eine Verwahrung als eine Betreuung ist.

Sie brauchen die gleiche Aufmerksamkeit wie alle anderen Kinder, die ohne Eltern aufwachsen. Deshalb: Raus aus der Mangelverwaltung der Grundversorgung, die oft eher eine Verwahrung als eine Betreuung ist.

Unbegleitete Jugendliche sind keine halben Kinder, sie haben die gleiche Aufmerksamkeit verdient wie alle anderen Kinder auch, die ohne Eltern aufwachsen müssen. Deshalb müssen sie raus aus der Grundversorgung. Raus aus dieser Mangelverwaltung, die oft eher eine Verwahrung als eine Betreuung ist. Das derzeitige Betreuungssystem für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge stiehlt nicht nur tausenden jungen Menschen ihre Zukunft, sondern es beraubt Österreich auch eines Potenzials junger hochmotivierter künftiger Facharbeiter und Facharbeiterinnen und qualifizierter Arbeitskräfte, die sich ein neues Leben aufbauen wollen. Sie brauchen daher endlich uneingeschränkten Zugang zu Schule und Ausbildung!

12. Psychosoziale Notdienste ausbauen!

Der Zugang zu Psychotherapie muss erleichtert, Therapie- und Beratungseinrichtungen und psychosoziale Notdienste außerhalb der Ballungszentren sollen ausgebaut werden.

Der Zugang zu Psychotherapie muss erleichtert, Therapie- und Beratungseinrichtungen und psychosoziale Notdienste außerhalb der Ballungszentren sollen ausgebaut werden.

13. Arbeit für Menschen mit Behinderungen!

Beschäftigung in Werkstätten gilt in Österreich nicht als Arbeit. Deshalb muss geprüft werden, wie Werkstätten für Menschen mit Behinderungen neu gestaltet werden können. Das Recht auf Arbeit gilt für alle.

Beschäftigung in Werkstätten gilt in Österreich nicht als Arbeit. Deshalb muss geprüft werden, wie Werkstätten für Menschen mit Behinderungen neu gestaltet werden können. Das Recht auf Arbeit gilt für alle.

14. Niemand ist sprachlos!

63.000 Menschen brauchen aufgrund ihrer sprachlichen Beeinträchtigung Gelder für Hilfsmittel. Ein Rechtsanspruch auf assistierende Technologien und unterstützte Kommunikation bewirkt, dass niemand sprachlos gemacht wird!

63.000 Menschen brauchen aufgrund ihrer sprachlichen Beeinträchtigung Gelder für Hilfsmittel. Ein Rechtsanspruch auf assistierende Technologien und unterstützte Kommunikation bewirkt, dass niemand sprachlos gemacht wird!

Die Hilfsmittelversorgung für Menschen mit Behinderung aber auch für Menschen im Alter in Österreich ist mit Problemen behaftet - es sind

  1. sehr viele unterschiedliche Kostenträger für die Finanzierung zuständig,
  2. es ist oft nicht möglich, Hilfsmittel zur Gänze auszufinanzieren, und
  3. ist der so genannte Hilfsmittelkatalog der Sozialversicherungsträger nicht auf dem neuesten Stand der Technik.

63.000 Menschen mit Beeinträchtigungen der Lautsprache sowie 1 Million Menschen mit dauerhaften Mobilitätsproblemen sind jedoch auf Hilfsmittel angewiesen, um ihr Leben eigenständig führen zu können.

Lösung:

  • Errichtung einer zentralen Anlaufstelle für Menschen, die Hilfsmittel benötigen (Vernetzung der Kostenträger im Hintergrund)
  • Rechtsanspruch auf Hilfsmittel, insbesondere auch für Hilfsmittel der sozialen Rehabilitation
  • Anpassung des Hilfsmittelkataloges auf den neuesten Stand der Technik, auch unter Einbeziehung von Behindertenorganisationen

15. Gesundheitsverträglichkeitsprüfung einführen!

Die Abschätzung gesundheitlicher Wirkungen (Health Impact Assessment) von politischen Maßnahmen könnte uns viel an möglichen negativen Folgen ersparen.

Die Abschätzung gesundheitlicher Wirkungen (Health Impact Assessment) von politischen Maßnahmen könnte uns viel an möglichen negativen Folgen ersparen.

16. Gut für alle: Gemeinnützigkeit stärken!

Gemeinnützige Organisationen bringen Vorteile für alle: durch Freiwilligenarbeit oder Re-Investition der Gewinne. Gestärkt werden kann Gemeinnützigkeit durch eine bessere Einbindung in politische Prozesse.

Gemeinnützige Organisationen bringen Vorteile für alle: durch Freiwilligenarbeit oder Re-Investition der Gewinne. Gestärkt werden kann Gemeinnützigkeit durch eine bessere Einbindung in politische Prozesse.

Gemeinnützige Organisationen zeichnen sich durch viele positive Punkte aus, z.B. ehrenamtliches Engagement, Re-Investition der Gewinne, etc. Die Leistungen der Daseinsvorsorge dürfen nicht gewinnorientiert organisiert werden. Daher braucht es eine Stärkung von Gemeinnützigen. Das kann z.B. durch eine besondere Stellung im Vergabeverfahren, eine verstärkte Einbindung in politische Prozesse oder eine groß angelegte Informationskampagne erreicht werden.

  • Soziale Dienstleister, die öffentliche Aufträge erhalten, sollen etwaige Überschüsse wieder in ihren Kernauftrag investieren. Leben retten darf nicht der Gewinnmaximierung unterworfen werden. Wer nicht das Gemeinwohl in den Fokus rückt, spart bei den Bedürfnissen der Menschen. In Bereichen  Rettungswesen, Pflege oder Flüchtlingsbetreuung ist das fatal.
  • Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit bzw. Kampagne mit dem Thema "Gemeinnützigkeit bringt Mehr!", seitens der öffentlichen Hand in Kooperation mit gemeinnützigen Organisationen
  • Verstärkte Einbindung des dritten Sektors im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung bei politischen Prozessen, auf nationaler wie auf EU-Ebene durch eine formal strukturierte Regelkommunikation (z.B. Nationales Reformprogramm)
  • Gezielte Nutzung der Erfahrung und Expertise von gemeinnützigen Sozialorganisationen bei Arbeitsgruppen bzw. Gremien (z.B. Europäischer Sozialfonds, Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss, etc.)
  • Statistische Erfassung des gemeinnützigen Sektors über ein so genanntes Satellitenkonto in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR, Datenerhebung Statistik Austria) um die positiven Wirkungen des dritten Sektors über mehrere Jahre hinweg quantifizieren zu können.

17. Soziale Investitionen helfen allen!

Investitionen in soziale Dienstleistungen wirken positiv auf die Konjunktur und helfen Menschen in ihrem alltäglichen Leben. Österreich nutzt diese Möglichkeiten noch zu wenig.

Investitionen in soziale Dienstleistungen wirken positiv auf die Konjunktur und helfen Menschen in ihrem alltäglichen Leben. Österreich nutzt diese Möglichkeiten noch zu wenig.

Der Gesundheits- und Sozialbereich ist ein wachsender und zugleich stabilisierender Sektor für die österreichische Wirtschafts- und Sozialpolitik. Obwohl dieser Sektor krisen-unabhängig großes Beschäftigungspotential birgt, wird dieses noch zu wenig genutzt (knapp 10% aller Beschäftigten in diesem Sektor, in den nordischen Staaten bis zu 20 %). Arbeitskräfte werden in den nächsten Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung sowie verfehlter Migrationspolitik zusätzlich fehlen. Zusätzlich wird die langfristige Finanzierung immer wieder auf die Probe gestellt - durch fehlende Anpassungen und Wertsteigerungen sowie Nicht-Berücksichtigung der Kollektivverträge, die mit der Gewerkschaft verhandelt werden.

Lösung:

  • Bereitstellung einer Sozialmilliarde, um soziale Dienstleistungen, insbesondere für Pflege und Kinderbetreuung, auszubauen und Umsetzung des Social Investment Packages
  • Ausbau der Kinderkrippen und Angebote für die Betreuung der unter 2jährigen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu erhöhen
  • Aufnahme von Sozialberufen in die Liste der Mangelberufe für erleichterte Arbeitsmarktbestimmungen
  • Vereinfachung der Anerkennung von Ausbildungen im Gesundheits- und Sozialbereich (z.B. Nostrifizierungen)
  • Berücksichtigung von Wertsteigerungen und Inflationsanpassungen bei Leistungsverträgen und Tagsatzvereinbarungen zwischen der öffentlichen Hand und Dienstleistungserbringern
  • Bindende Anerkennung der kollektivvertraglichen Einigungen (Finanzierung der ausgehandelten Lohnergebnisse zwischen Gewerkschaften und Dienstleistungserbringern)
  • Forcierung von mehrjährigen Leistungsverträgen sowie vereinfachten Abrechnungsmodalitäten

Lesetipp: Blog-Artikel von Sozialexperte Martin Schenk: "Pflege und Kinderbetreuung als Wirtschaftsmotor"

18. Stärkung des Freiwilligen Sozialen Jahres!

Die Familienbeihilfe soll adaptiert werden, damit auch zwischen dem Schulabschluss und dem Beginn des Sozialjahrs keine Lücke bleibt. Das zeigt jungen Menschen, dass ihr freiwilliger Einsatz gewürdigt wird.

Die Familienbeihilfe soll adaptiert werden, damit auch zwischen dem Schulabschluss und dem Beginn des Sozialjahrs keine Lücke bleibt. Das zeigt jungen Menschen, dass ihr freiwilliger Einsatz gewürdigt wird.

19. Mindestsicherung: Armut bekämpfen, Armut vermeiden!

Mehr Prävention, Unterstützung bei Behinderung, mehr Soforthilfe, besserer Vollzug, Hilfe bei Krankheit, leistbares Wohnen – bei der Mindestsicherung gibt es viel Reformbedarf.

Mehr Prävention, Unterstützung bei Behinderung, mehr Soforthilfe, besserer Vollzug, Hilfe bei Krankheit, leistbares Wohnen – bei der Mindestsicherung gibt es viel Reformbedarf.

20. Mitbestimmung für benachteiligte Gruppen und gemeinnützige Initiativen!

Das Wissen von gemeinnützigen Organisationen muss besser genützt werden. Außerdem sollten Menschen mit Behinderungen oder von Armut Betroffene stärker eingebunden werden.

Das Wissen von gemeinnützigen Organisationen muss besser genützt werden. Außerdem sollten Menschen mit Behinderungen oder von Armut Betroffene stärker eingebunden werden.

21. Integrationspolitik Österreichs auf dem Scheideweg!

Flüchtlinge brauchen Unterstützung bei den ersten Schritten in Richtung Integration. Ohne professionelle Unterstützung bei Spracherwerb, Arbeitsmarktintegration  und Wohnungssuche haben sie wenig Chancen.

Flüchtlinge brauchen Unterstützung bei den ersten Schritten in Richtung Integration. Ohne professionelle Unterstützung bei Spracherwerb, Arbeitsmarktintegration  und Wohnungssuche haben sie wenig Chancen.

Flüchtlinge brauchen eine individuelle Unterstützung bei den ersten Schritten in Richtung Integration. Ohne professionelle Unterstützung beim Spracherwerb, bei der Arbeitsmarktintegration und bei der Wohnungssuche haben sie wenig Chancen. Die Integrationspolitik Österreichs, insbesondere jene für die Flüchtlinge, steht auf dem Scheideweg. Es braucht weder das Floriani-Prinzip, das Bundesländer belohnt, die andere die Integrationsarbeit für sie machen lassen, noch den „Kantönligeist“, der es zulässt, dass jedes Bundesland und jeder Bezirk seinen eigenen „Stein der Weisen“ sucht. Österreich muss umdenken: etwas weniger Unzuständigkeits-Pingpong, und mehr ermöglichen statt sanktionieren und beschneiden. Das täte Land und Menschen gut.

Ein Integrationskonzept für Österreich muss alle AkteurInnen einbinden: Bund, Länder und die NGOs. Nur wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, kann es gelingen.

22. „Offensive Wohnen“!

Mieten sind für viele kaum mehr leistbar – besonders in den Großstädten. Investitionen in den sozialen Wohnbau helfen allen, die bezahlbaren Wohnraum suchen.

Mieten sind für viele kaum mehr leistbar – besonders in den Großstädten. Investitionen in den sozialen Wohnbau helfen allen, die bezahlbaren Wohnraum suchen.

23. Europäische Flüchtlingspolitik rettet Menschenleben!

Flüchtlingsschutz kann nur im europäischen Einklang gelingen. Flüchtlinge brauchen legale Einreisemöglichkeiten nach Europa, damit sie sich auf der Flucht nicht mehr in Gefahr bringen müssen.

Flüchtlingsschutz kann nur im europäischen Einklang gelingen. Flüchtlinge brauchen legale Einreisemöglichkeiten nach Europa, damit sie sich auf der Flucht nicht mehr in Gefahr bringen müssen.

Noch nie sind so viele Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken wie im heurigen Jahr. Österreich darf sich nicht abschotten und Europa darf sich nicht abschotten! Flüchtlingsschutz kann nur im europäischen Einklang gelingen. Flüchtlinge brauchen legale Einreisemöglichkeiten nach Europa, damit sie sich nicht mehr in Gefahr bringen müssen. Nur wenn Europa endlich Instrumente zur legalen Einreise für Flüchtlinge schafft, und über ein Resettlement-Programm auch eine substanzielle Zahl (zwischen 300.000 und 500.000) aufnimmt, wird der Druck nachlassen, und werden sich Flüchtlinge nicht mehr in Schlepperboote setzen und ihr Leben riskieren. Die Instrumente die geschaffen, bzw. ausgebaut werden müssen, sind deshalb: Resettlement, humanitäre Visa, und Asylantragstellungen über die Botschaften.

24. Menschen in Entwicklungsländern brauchen eine Zukunftsperspektive!

Die Regierung muss ihrer Verpflichtung nachkommen, die Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7% des BIP zu erhöhen. Nur so können langfristig wirkende Programme ermöglicht werden.

Die Regierung muss ihrer Verpflichtung nachkommen, die Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7% des BIP zu erhöhen. Nur so können langfristig wirkende Programme ermöglicht werden.

Unser Handeln im „globalen Norden“ hat negative Auswirkungen auf andere Teile der Welt. Das Sündenregister Europas und damit auch Österreichs, als stimmberechtigter Mitgliedsstaat, ist lang. Wir sind daher für viele Krisen und menschliches Leid mitverantwortlich, auch weil internationale Verpflichtungen und Abkommen nicht eingehalten werden. Ein Kurswechsel in der Außen-, Sicherheits-, Wirtschafts- und Handelspolitik ist dringend notwendig.
Wer eine gute Zukunft für Österreich will, muss die Welt im Blick haben. In unserer globalisierten Welt wirken Krisen auch bis zu uns. Wir können nicht in Frieden, Sicherheit und Wohlstand leben, wenn neben uns Ungerechtigkeit und Elend herrschen. Aber eine Welt ohne Hunger, Armut und Krisen ist möglich. – Und Mit den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung gibt es einen Masterplan dafür. Deren Umsetzung durch die Staatengemeinschaft sorgt für mehr Gerechtigkeit auf der Welt und schafft Lebensperspektiven für alle Menschen.

Die Entwicklungszusammenarbeit Österreichs kann und muss dafür einen verlässlichen Beitrag leisten. Die österreichische Bundesregierung muss daher endlich ihrer Verpflichtung zur Erhöhung der Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7% des BIP nachkommen. Nur so können langfristig wirkende Programme ermöglicht und eine gute Zukunft für alle erreicht werden.