Hoffnung braucht ein Ja!

Hoffnung ist es, die wieder Zukunft möglich macht. Wir brauchen Hoffnungsträger. Deswegen: Hoffnung braucht ein Ja!

Angst, Neid, Wut und Misstrauen sind die Schlüsselbegriffe, die die derzeitigen öffentlichen Debatten regieren. Wir brauchen eine gesellschaftliche Kraftanstrengung, die den Zusammenhalt in den Vordergrund stellt und nicht den Neid und das gegenseitige Ausspielen von ohnehin benachteiligten Gruppen in der Gesellschaft.

Die Arbeit der Diakonie besteht darin, Angst zu nehmen und Hoffnung zu geben; der Abwertung von Menschen entgegen zu treten und ihre Würde zu bewahren, Neid als unproduktives Gefühl zu entlarven und Solidarität – oder wie wir sagen Nächstenliebe – zur Entfaltung zu bringen.

Helene: „43 Jahre war ich Lehrerin, was glauben S´, wieviel Leut´ ich kenn!“

Helene, Hoffnungsträgerin der Diakonie

„Frau Lehrerin Szankovic“ wie alle in Gols sie nennen, wird heuer 90, und lebt seit zwei Jahren „in der Diakonie“ wie sie sagt.

„Ich fühl mich dort so wohl, das muss ich wirklich sagen. Alles ist gut, das Essen, die Pflege, und ich vertrag mich gut mit den Leuten“, erzählt die alte Frau. Als sie vor zwei Jahren einen Oberschenkelhalsbruch hatte, und sich das Alleinleben nicht mehr zugetraut hat, hat sie selbst beschlossen, ins Pflegeheim zu ziehen.

Frau Szankovic ist eine lebhafte Person, die gerne erzählt, und sich sehr klar an ferne und nahe Zeiten erinnert. Die geborene Burgenländerin ist pensionierte Volksschullehrerin und die „alte Volksschuldirektorin“ von Gols, die jeder kennt. Und sie selbst kennt alle Schülergenerationen zwischen 1947 und den 1980er Jahren: „43 Jahre war ich Lehrerin, was glauben S´, wieviel Leut´ ich kenn!“ sagt sie und lacht.

In ihren ersten Schuljahren in der alten Schule in Gols, „da hab ich mit der Farbkreide auf der Wand g´schrieben, weil ma nur eine Tafel hatten“, hat sie bis zu 70 Schüler in einem Raum unterrichtet. „Kein Wunder, dass ich heut ein bisserl schwerhörig bin“, lacht sie. „Aber jedenfalls besuchen mich manche meiner Schüler bis heute im Heim“.

Lehrerin mit Leib und Seele

Frau Szankovic hat früher für ihr Leben gern gehandarbeitet: „Stricken, nähen – alles eigentlich“, und sie habe das auch gern unterrichtet. „Kochen aber weniger … für mich allein hat immer ein Häferl Milch genügt, bevor ich mir was koch“, sagt sie lachend.

Ihren Sohn, der 1957 geboren ist, musste sie wegen ihrer Berufstätigkeit bis zum 6. Lebensjahr bei Mutter und Schwester im entlegenen Nachbarort aufwachsen lassen. „Das war damals so. Aber das Gute ist, dass er jetzt zwei Mütter hat“. Sie hat ihren Sohn also gerne geteilt, denn sie sagt: „Meine Schwester, die alleinstehend ist, hat auf die Art auch einen Sohn“, erklärt sie mit ihrem Humor, der aus fast jeder Äußerung spricht. Und so konnte sie sich ganz ihrer Berufung widmen: Sie war und ist Lehrerin mit Leib und Seele!

Nathalie: „Ich bin gern draußen, egal ob die Sonne scheint, oder ob es regnet!“

Kampagnensujet der Inklusiven Fit Schule

Natalie ist 18 Jahre alt, geht in die IFIT Schule und arbeitet im zweiten Jahr ihrer Praxisausbildung als Gärtnerin.

Ihre gesamte Schullaufbahn davor hat sie in der Sonderschule absolviert. „Lange Zeit ist bei Natalie ihre Lernschwäche im Vordergrund gestanden. Die Entwicklung, die Natalie in ihrer Zeit bei uns gemacht hat, ist wirklich schön. Besonders freuen wir uns, dass sie ihre berufliche Perspektive im Gärtnern für sich entdeckt hat, und beharrlich verfolgt“, erzählt ihre Lehrerin Ines Egle.

Natalie ist in der I-FIT Schule seit einem Jahr im Ausbildungsbereich „Landwirtschaft und biologischer Gartenbau“. Ihr erstes Jahr in externer Praxis hat sie bei den Bundesgärten absolviert. „Ich war im Palmenhaus in Schönbrunn, und hab dort wirklich viel gelernt“, erzählt die junge Frau, und auch ihre Betreuer betonen, „Natalie hat das erste Praxisjahr sehr erfolgreich absolviert und ein man sieht ein großes fachliches und persönliches Wachstum“.

Begeisterte Parkgärtnerin im Belvedere

Seit ein paar Wochen ist Natalie im zweiten Praxisjahr, und wird jetzt ein Jahr lang in den Belvedere-Gärten als Parkgärtnerin arbeiten. Ihr Ausbildner Michael Knaack hat viele Jahre Erfahrung in der Begleitung von Lehrlingen und sagt: „Natalie ist eine typische Parkgärtnerin. Man sieht ihr schon an, dass sie gerne ihre Kraft einsetzt, und sie kann es ja auch kaum mehr erwarten, bis wir mit Arbeiten beginnen wie Baum- und Heckenschnitt“; sagt er lachend. „Ich freu mich schon, wenn ich lerne mit den Maschinen umzugehen, und ich bin einfach gerne den ganzen Tag draußen“, strahlt Natalie, die froh ist, dass die Zeit im Glashaus jetzt hinter ihr liegt, und sie ihre eigentlichen Stärken ausleben kann. „Ich hab mich hier gleich mit allen gut verstanden“, berichtet Natalie von ihren ersten Tagen im Belvederegarten, „und ich freu mich, dass es hier im Park immer Arbeit gibt. Auch bei schlechtem Wetter!“

Noch vor zwei Jahren hat sich Natalie einen solchen Weg kaum selbst zugetraut. „Was wir hier machen“, erklärt der Ausbildner Michael Knaack, „ist die Stärken der jungen Leute auszunutzen, und die Schwächen über die Zeit hinweg zu beheben. Wenn Natalie zum Beispiel jetzt im Herbst die Sommerblumen im Park ausgräbt, bring ich sie immer wieder dazu, die Namen aller Pflanzen laut zu wiederholen. So bleiben sie irgendwann im Gedächtnis“.

Das Annehmen von solcher Unterstützung ist Natalie am Anfang in der Schule sehr schwer gefallen. Jetzt schafft sie es, diese Unterstützung für sich zu nutzen. Und wenn sie lächelnd sagt: „Ich freu mich einfach, dass ich hier bin, dass ich jetzt weiß, was ich will, und dass ich meinen Weg verfolgen kann“, dann kann man das richtiggehend sehen. Denn Natalie strahlt, wenn sie sagt: „Ich komm jeden Tag gern hierher in den Belvederepark. Egal ob die Sonne scheint, oder  ob es regnet!“

(links im Bild)

Ramez: „Ich weiß, dass mehr in mir steckt“

Ramez musst aus Afghanistan flüchten

Ramez ist ein zielstrebiger junger Mann. Nach einer langen Reise, wie er sagt, ist er 2011 nach Österreich gekommen.

Seine älteren Geschwister hat es auf der Flucht in andere europäische Länder verschlagen. Seine Eltern mit den jüngeren Geschwistern leben noch im Iran, wo es aber Menschen aus Afghanistan gar nicht leicht haben. - Deshalb ist Ramez auch so froh, hier in Österreich die Chance auf Ausbildungen bekommen zu haben.

„Dass ich das BACH Bildungszentrum der Diakonie besuchen konnte, war besonders deshalb so wichtig für mich, weil dort der Hauptschul-Abschlusskurs genau auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen abgestimmt ist. Jeder von uns hat damals genau die Unterstützung bekommen, die jeder gebraucht hat“, erzählt Ramez. „Drum war es auch leicht für mich, den österreichischen Schulabschluss zu machen, der für mich die Grundlage für alles weitere ist und war.“

Außerdem hat Ramez schon während der Zeit bei BACH bei einem Praktikum den Beruf des Pflegehelfers kennengelernt. „Ich habe die Ausbildung abgeschlossen, und arbeite jetzt fix als Pflegehelfer“, erzählt Rames. „Ich verstehe mich gut mit den alten Leuten“, erzählt Ramez. „Und wir haben eines gemeinsam: Eine Vergangenheit in einer Zeit, in der es kein Handy und keinen Computer gab“, scherzt der junge Mann.

Träume können wahr werden

Abgesehen davon, dass es Ramez nach vielen Jahren der Entbehrungen jetzt erstmals möglich ist, alleine zu wohnen, seiner täglichen Arbeit nachzugehen, und ein bescheidenes Gehalt zu beziehen, hat Ramez aber noch einen alten und langgehegten Traum, den er gerne verwirklichen möchte: Er möchte Mathematik oder Physik studieren.

„In Afghanistan hatte ich einen Lehrer, der schien damals aus einer anderen Zeit gekommen zu sein. Er hat uns immer sehr stark im Lernen bestärkt, und hat uns alles so erklärt, dass es uns ganz einfach zu sein schien. Auch im BACH-Lernzentrum habe ich immer Unterstützung bekommen, und deshalb liebe ich Mathematik bis heute! - Vielleicht werde ich nach meinem Studium einmal Forscher oder Erfinder werden. Ich weiß, dass mehr in mir steckt“.

Investieren wir gemeinsam in Menschen!

Die Diakonie macht sich dafür stark, dass in Angebote investiert wird, die Menschen helfen, egal ob mit Behinderung, Migrationshintergrund, Lernschwierigkeiten oder aus zerrütteten Familien. Denn jeder Euro, der in investiert wird, zahlt sich mehrfach aus.

Mit 24 Vorschlägen fordert die Diakonie auf zu handeln. Gegen Schwarz-Sehen, Krankjammern und Hoffnungslosigkeit: Wir können etwas tun.

1. Sozialer Ausgleich ist eine gute Medizin!

Man kann einen Menschen mit einer feuchten Wohnung genauso töten wie mit einer Axt. Investitionen in die Gesundheitsförderung und in eine gesunde Umwelt helfen Krankheiten präventiv zu verhindern.

Wer die Situation von Mindestsicherungsbeziehern weiter verschlechtert, Arbeitslose statt Arbeitslosigkeit bekämpft, die Chancen im Bildungssystem blockiert oder prekäre Niedriglohnjobs fördert, der verschlechtert die Gesundheitssituation im Land.

Wer mit Gesundheitsfragen von Armutsbetroffenen zu tun hat, sorgt sich um schimmelfreie Wohnungen, Bildung, Arbeit, Erholungsmöglichkeiten, und eine Auflösung der belastenden Existenzangst. Die Gesundheitsdienste müssen den Zugang, die Inanspruchnahme und die Qualität unabhängig von Einkommen und Herkunft gewährleisten. Die Ärmeren müssen in ihren Selbsthilfepotentialen und Ressourcen gestärkt werden; was auch Auswirkungen auf einen gesünderen Lebensstil hat. „Gesundheitsförderndes Verhalten ist am besten in gesundheitsfördernden Verhältnissen erreichbar“, konstatiert die Armutskonferenz. „Arme Raucher sterben ja auch früher als reiche Raucher. Und sozialer Polarisierung können wir entgegentreten. Die Daten sprechen für sich: Sozialer Ausgleich ist eine gute Medizin.

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2. Mehr Chancen für benachteiligte Schulstandorte!

Schulen in sozial benachteiligten Bezirken sollen besonders gut ausgestattet werden, damit sie keine Kinder zurücklassen und für alle attraktiv bleiben. Europäische Beispiele zeigen – es funktioniert!

Damit Zukunft nicht von der Herkunft abhängt, braucht es Hilfestellungen am Schulstart genauso wie einen Bildungsweg, der nicht sozial selektiert, sondern individuell fördert, Wichtig wäre auch, Schulen in sozial benachteiligten Bezirken besonders gut auszustatten, damit sie keine Schüler zurücklassen und für alle Einkommensschichten attraktiv bleiben“, schlägt Schenk die Umsetzung eines „Chancenindex“ vor (kompensatorischer Ressourcenzuteilung). Mit dieser schulpolitischen Intervention kann zwar die Spaltung in "gute" und "schlechte" Wohngegenden nicht aufgehoben werden - die liegt ja in der Einkommens- und Wohnpolitik - aber es kann in den Schulen einiges verbessert werden.

Die Niederlande, Zürich, Hamburg und auch Kanada haben mit einem Chancenindex gute Erfahrungen gemacht.“ Mit einem solchen Sozialindex, der unter anderem Bildungsstand, Beruf und Einkommen der Eltern umfasst, würde eine Schule um einen bestimmten Prozentsatz x mehr an Ressourcen bekommen.

Mehr Geld bedeutet aber nicht unbedingt, dass sie qualitativ besser werden, gibt Schenk zu bedenken. „Deswegen muss jeder Standort ein Konzept entwickeln, wie er die Ressourcen am sinnvollsten einsetzt. Und nach einer Zeit wird überprüft, ob die Maßnahmen helfen. Die Vorteile sind: Schulische Autonomie und Demokratie wird gefördert und Anreize für engagierte Pädagogen gesetzt. Das zahlt sich aus: Bessere Leistungen, mehr Chancen und attraktivere Schulen.“

3. Schulen und offene Jugendarbeit zusammenbringen!

Es braucht einen Aktionsplan, der die Schnittstellen zwischen Schule, sozialer Arbeit und Ausbildung verbindet. Außerdem soll die Schulsozialarbeit flächendeckend ausgebaut werden.

Projekte wie die Schulassistenz oder die Notschlafstelle Waki zeigen erfolgreich, wie junge Leute aufgefangen und unterstützt werden können. Da geht es um niederschwellige Angebote, um Case Management. Wichtig erweist sich hier auch die Arbeit im öffentlichen Raum, in Parks, rund um Schulen.

Sinnvoll wäre ein Aktionsplan, der Bildungsministerium, Sozialministerium, Wirtschaftsministerium und Jugendagenden zusammenbringt. Es geht darum, die Schnittstellen zwischen Schule, sozialer Arbeit und Ausbildung zu sichten und zu verbinden.

Überall dort, wo die Koordination zwischen Schule und Sozialem gelingt, gelingt es auch Jugendlichen effektiv zu helfen.

4. Jugendhilfe bis zum 21. Lebensjahr!

Jugendliche mit schwieriger Lebensgeschichte brauchen Begleitung über das 18. Lebensjahr hinaus. Wir wissen aus anderen europäischen Ländern, dass diese Begleitung stark präventiv wirkt und Abstürzen vorbeugt.

Auch in einer Familie endet die Sorge und Unterstützung nicht einfach mit dem 18. Geburtstag. Derzeit hängt eine Verlängerung der Jugendhilfe über die Volljährigkeit hinaus von vielen, nicht immer nachvollziehbaren Entscheidungen ab – noch dazu in jedem Bundesland anders. Das ist gerade jungen Menschen gegenüber problematisch, die sich mit einer schweren Last auf ihren Weg in die Selbstständigkeit machen müssen.

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5. Schule für alle, auch für Kinder mit Behinderungen!

Gemeinsamer Unterricht von Kindern ohne und mit Behinderung hilft allen. Der schrittweise Rückbau von Sonderschulen muss mit mehr PädagogInnen für inklusive Klassen einhergehen.

Kinder mit Behinderungen können derzeit nur 9 Jahre in die Schule gehen (in der Sonderschule nach Maßgabe auch bis zu 12 Jahre), eine integrativ / inklusiv geführte Oberstufe ist derzeit nur als Schulversuch möglich. Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam unterrichtet werden können, auch Kindern mit Behinderungen ist eine schulische Ausbildung bis zum 18. / 19. Lebensjahr zu ermöglichen. Jugendliche mit Behinderung können auch die so genannte IBA (integrative Berufsausbildung, bietet 2 Möglichkeiten, entweder reguläre Lehre mit verlängerter Lehrzeit, oder Lehre mit Abschluss Teilqualifizierung) absolvieren. Die Teilqualifizierung hat derzeit keine Entsprechung im österreichischen Bildungssystem, eine Anstellung ist aufgrund fehlender Klassifizierung für Arbeitgeber schwierig.

Lösung:

  • gesetzliche Rahmenbedingungen sowie Finanzierung für inklusive Schulen bis zum 18./19. Lebensjahr für alle Schulen, auch AHS Oberstufe und berufsbildende Schulen mit Matura
  • schrittweiser Rückbau von Sonderschulen mit gleichzeitiger Erhöhung der Stütz- bzw. SonderpädagogInnen in integrativen Klassen
  • Evaluierung der IBA (letzte Evaluierung im Jahr 2008) sowie Erarbeitung eines allgemein anerkannten Abschlusses für die Teilqualifizierung mit Entsprechung im Bildungs- und Entlohnungssystem
  • Ausbau und offensive Bewerbung der Möglichkeit der IBA für Unternehmen mit Lehrlingsplätzen

6. Kinderbetreuung auch für Kinder mit Behinderungen

Oft endet Integration um 13:00 Uhr, weil es zu wenig Geld für inklusive Betreuung gibt. Außerdem dürfen Kinder mit Behinderungen nicht vom verpflichtenden Kindergartenjahr ausgenommen sein.

Derzeit fehlen sowohl in der verschränkten Schulform als auch in den diversen Nachmittagsbetreuungsangeboten (z.B. schulische Nachmittagsbetreuung, Hort etc.) finanzielle Mittel, um inklusive Betreuung zu gewährleisten. Die Gelder aus der 15a Vereinbarung zum Ausbau der Nachmittagsbetreuung reichen nicht für eine inklusive Führung der Gruppen. Insgesamt ist das Angebot für inklusive Betreuung am Nachmittag derzeit noch sehr klein, ebenso wie das Angebot für die vorschulische Betreuung (Kindergärten, Krippen etc.). Das verpflichtende Kindergartenjahr muss derzeit von Kindern mit Behinderungen nicht besucht werden.

Lösung:

  • Ausweitung der maximalen finanziellen Mittel in der 15a Vereinbarung (derzeit 9.000 Euro jährlich pro Gruppe) sowie Ermöglichung der Förderung in der doppelten Höhe wenn integrativ betreut wird.
  • Streichung der Unzumutbarkeitsregelung beim verpflichtenden Kindergartenjahr, so dass auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in die Kindergartenpflicht mitaufgenommen werden.
  • Erhebung der statistischen Gesamtsituation von integrativer Kinderbetreuung (vorschulisch und schulisch) mit Fokus auf Kinder mit Behinderungen

7. Alltag und Wohnen ins Zentrum rücken!

Es braucht neue Wohnkonzepte für Menschen mit hohem Pflegebedarf: Wohnen, das ins Gemeinwesen integriert, das alltags- und bürgernah ist.

Unsere Gesellschaft ist individueller und heterogener, bunter und vielfältiger geworden. Diese Entwicklung trifft selbstverständlich auch auf Menschen im Alter zu. Veränderte Ansprüche von Menschen im Alter beantwortet die Sozialpolitik aber immer noch mit Konzepten aus dem vorigen Jahrhundert. Für neue Herausforderungen braucht es  aber dringend neue passende Antworten – und die sozialpolitischen Rahmenbedingungen dazu. Internationale Beispiele gibt es dazu ja bereits zahlreich: Quartiersentwicklung, sozialräumliche Herangehensweisen, ambulant betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz, Community Care und vieles mehr. Betreuungen stundenweise am Abend und in der Nacht ist im mobilen Setting ein Gebot der Stunde. Anpassung der arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen ist dafür nötig.

Deswegen ist die Kernfrage, bevor wir über Pflege reden: Wie kann ich Grätzel, Sozialraum und Wohnformen etablieren, damit ältere Menschen auch mit Behinderung oder Demenz dort leben können? Die Pflege, die dazu nötig ist, ist eine zusätzliche Dienstleistung.

8. Demenzstrategie umsetzen!

Mehr als 130.000 Menschen sind von Demenz betroffen. Sie brauchen flexible Wohn- und Betreuungsangebote sowie umfassend geschultes Personal. Die Umsetzung der Demenzstrategie muss vorangetrieben und langfristig finanziert werden.

Etwa 130.000 Menschen sind in Österreich an Demenz erkrankt, das ist ein Drittel aller PflegegeldbezieherInnen. Prognosen besagen, dass im Jahr 2050 jede/jeder 7. von einer Demenzerkrankung betroffen sein wird. Nach wie vor sind demenzspezifische Angebote sozialer Dienstleistungen mangelhaft verfügbar. Auch die Ausbildungsinhalte der Pflege- und Betreuungsberufe müssen stärker an die zukünftigen Herausforderungen angepasst werden (durch demenzspezifische Ausbildungsinhalte, Spezialisierungen, Weiterbildungen etc.). Bei der Einstufung zum Pflegegeld in Österreich liegt der Schwerpunkt auf körperlichen und medizinischen Aspekten, hingegen psychische Erkrankungen in einem zu geringen Ausmaß berücksichtigt werden. Durch den Demenzzuschlag (25 Stunden erhöhter Pflegebedarf pro Monat) kann der meist sehr hohe zeitliche Betreuungsaufwand nicht annähernd gedeckt werden kann. Die erarbeiteten Handlungsempfehlungen im Rahmen der österreichischen Demenzstrategie müssen umfassend umgesetzt werden, um auf die zukünftigen Herausforderungen entsprechend zu reagieren.

Lösung:

  • Umfassende Umsetzung der Maßnahmenvorschläge zur Demenzstrategie des Bundes, entsprechende Bereitstellung finanzieller Mittel
  • Errichtung einer bundesweite Koordinationsstelle, um demenzspezifische Angebote, Informationen etc. in koordinierter Weise anzugehen
  • Schwerpunktsetzung beim Ausbau von demenzspezifischen Pflegeangeboten auf Tageszentren und neue Wohn- und Betreuungsformen
  • Erarbeitung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes, um psychische und physische Erkrankungen und Beeinträchtigungen getrennt zu behandeln (Vorbild: Deutschland)
  • Spezifische Berücksichtigung von psychischen Erkrankungen wie Demenz in der Einstufung zum österreichischen Pflegegeld
  • Sensibilisierung und Bereitstellung von Informationen für die allgemeine Bevölkerung, um soziale und gesellschaftliche Inklusion von Menschen mit Demenz zu gewährleisten
  • Erweiterung der Ausbildungsinhalte der Gesundheits- und Sozialberufe bzw. Anbieten von Spezialisierungen und Weiterbildungen, um kompetenten Umgang mit demenzkranken Menschen sicherzustellen

9. Unterstützung für pflegende Angehörige!

80 % der pflegebedürftigen Menschen werden von ihren Angehörigen zu Hause unter hohen psychischen und körperlichen Belastungen betreut. Darum braucht es einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und Pflegeteilzeit.

In Österreich werden etwa 80 % der pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt und betreut. Gerade einmal ein Drittel aller PflegegeldbezieherInnen nimmt zumindest eine Stunde mobile Dienste in Anspruch, knapp die Hälfte aller PflegegeldbezieherInnen sind nur auf Angehörige angewiesen. Die Pflege von Angehörigen bedeutet eine hohe psychische, körperliche und finanzielle Belastung. Auszeiten von der Pflege wie etwa Ersatzpflege, Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit werden nur in geringem Ausmaß in Anspruch genommen. Der fehlende Rechtsanspruch für diese Pflegeauszeiten, die notwendige Zustimmung des/der Arbeitgebers/in zu Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit sowie die fehlende Flexibilität in der Inanspruchnahme dieser Angebote können als hinderliche Faktoren gesehen werden. Für viele pflegende Angehörige resultiert die Betreuung ihrer Angehörigen oft in gesundheitlichen Problemen. Pflegende Angehörige benötigen rechtliche Ansprüche auf Unterstützungsleistungen, um die Vereinbarkeit von Pflege und Berufstätigkeit zu ermöglichen und gesundheitlichen Belastungen entgegenzuwirken.

Lösung:

  • Rechtsanspruch auf Unterstützungsleistungen für pflegende Angehörige, insbesondere auf Ersatzpflege, Pflegekarenz und Pflegeteilzeit
  • Flexiblere und zeitlich längere Ausgestaltung von Pflegekarenz und Pflegeteilzeit
  • Flächendeckende Informations- und Beratungsangebote und Unterstützungsgespräche für pflegende Angehörige
  • Leistbare Angebote für zu Hause, um pflegende Angehörige zu entlasten
  • Angebote von mobilen Pflegediensten abseits von Kontingentierungen, flächendeckender Ausbau von Tageszentren
  • Vereinfachungen im Zugang zu Hilfsmitteln, um die Selbstständigkeit von chronisch kranken Personen zu fördern / aufrecht zu erhalten
  • Ausbau von Notpflegediensten in allen Bundesländern (Vorbild: Wien)

10. Kinder sind keine Pflegekräfte!

Etwa 43.000 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 18 Jahren pflegen und betreuen ihre Eltern, Großeltern oder Geschwister. Diese sind chronisch krank, haben eine Behinderung oder sind aufgrund des Alters pflegebedürftig. Die Kinder leisten dabei emotionale Unterstützung (z.B. trösten, oder aufpassen, dass nichts passiert), körperliche Unterstützung (z.B. waschen, anziehen etc.) und Unterstützung im Haushalt (z.B. einkaufen, kochen etc.).

Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Familie reich oder arm ist, welche Bildung die Eltern haben, oder wo die Familie ursprünglich herkommt – pflegende Kinder gibt es in allen Familien in Österreich. Auffallend ist aber, dass Mädchen öfter pflegen und betreuen als Buben, knapp 70 % der Kinder sind Mädchen.

Eine der größten Herausforderungen ist, dass die Kinder sehr versteckt leben. Ein wichtiger Ansatzpunkt wäre daher, Personen aus dem Entlassungsmanagement im Krankenhaus zu sensibilisieren, da Kinder mit ihren chronischen kranken Eltern öfters im Krankenhaus sind. Außerdem würden pflegende Kinder und Jugendliche von einem Ausbau von Dienstleistungen profitieren, da sie professionell entlastet werden.

Lösung:

  • Ausbau und Bereitstellung von Informationen für Kinder und Jugendliche
  • Sensibilisierung von Angehörigen der Gesundheits- und Sozialberufe (z.B. ÄrztInnen, DGKPs, Pflegehilfen etc.) und insbesondere das Entlassungsmanagement im Krankenhaus
  • Angebote von mobilen Pflegediensten abseits von Kontingentierungen, leistbare Angebote für zu Hause, um Kinder und Jugendliche zu entlasten
  • Vereinfachungen im Zugang zu Hilfsmitteln, um die Selbstständigkeit von chronisch kranken Personen zu fördern / aufrecht zu erhalten
  • Ausbau von Notpflegediensten in allen Bundesländern (Vorbild: Wien)

11. Flüchtlingskinder sind keine halben Kinder!

Sie brauchen die gleiche Aufmerksamkeit wie alle anderen Kinder, die ohne Eltern aufwachsen. Deshalb: Raus aus der Mangelverwaltung der Grundversorgung und Obsorge durch die Jugendämter ab dem 1. Tag.

12. Psychosoziale Notdienste ausbauen!

Der Zugang zu Psychotherapie muss erleichtert, Therapie- und Beratungseinrichtungen und psychosoziale Notdienste außerhalb der Ballungszentren sollen ausgebaut werden.

In Österreich macht es einen Unterschied, wo ein Kind oder Jugendliche/r lebt.  Die Hilfen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland und von Bezirk zu Bezirk. Das eine Mädchen bekommt eine Psychotherapie bezahlt. Das andere aus einem  angrenzenden Bundesland hat Pech und bekommt keine. Ein Bub bekommt eine  Zahnregulierung, ein Bub aus einem anderen Bundesland nicht.
70.000 Kinder in Österreich erhalten nicht die für sie notwendigen Therapien; es gibt zu wenig kostenfreie Therapieplätze. Das ist in einigen Ländern Europas besser geregelt. In Deutschland ist therapeutische Unterstützung im Jugendhilfegesetz verankert. Und in den skandinavischen Ländern gibt es nicht diese strikte Trennung von Gesundheits- und  Sozialsektor.

13. Stärkung des Freiwilligen Sozialen Jahres!

Die Familienbeihilfe soll adaptiert werden, damit auch zwischen dem Schulabschluss und dem Beginn des Sozialjahrs keine Lücke bleibt. Das zeigt jungen Menschen, dass ihr freiwilliger Einsatz gewürdigt wird.

Diese Lücke ist heuer in der letzten Sitzung des Nationalrats geschlossen worden. Danke allen, die sich die letzten Jahre dafür eingesetzt haben!

14. Gesundheitsverträglichkeitsprüfung einführen!

Die Abschätzung gesundheitlicher Wirkungen (Health Impact Assessment) von politischen Maßnahmen könnte uns viel an möglichen negativen Folgen ersparen.

Die Gesundheitsfolgenabschätzung (GFA) ist ein hilfreiches Instrument zur frühzeitigen Abschätzung der positiven wie auch negativen gesundheitlichen Auswirkungen von politischen Maßnahmen in verschiedensten Sektoren. International ist die Gesundheitsfolgenabschätzung als Health Impact Assessment (HIA) bekannt. Die Gesundheitsfolgenabschätzung erfolgt in Österreich auf freiwilliger Basis. Sie erarbeitet unter Einbeziehung von Fachleuten und Betroffenen konkrete Empfehlungen. Damit bereits in der Planungsphase von politischen Vorhaben Rücksicht auf deren potenzielle Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung genommen werden kann.

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15. Niemand ist sprachlos!

63.000 Menschen benötigen aufgrund ihrer sprachlichen Beeinträchtigung Gelder für Hilfsmittel. Es braucht daher einen Rechtsanspruch auf Assistierende Technologien und Unterstützte Kommunikation. Damit niemand sprachlos gemacht wird!

Die Hilfsmittelversorgung für Menschen mit Behinderung aber auch für Menschen im Alter in Österreich ist mit Problemen behaftet - es sind

  1. sehr viele unterschiedliche Kostenträger für die Finanzierung zuständig,
  2. es ist oft nicht möglich, Hilfsmittel zur Gänze auszufinanzieren, und
  3. ist der so genannte Hilfsmittelkatalog der Sozialversicherungsträger nicht auf dem neuesten Stand der Technik.

63.000 Menschen mit Beeinträchtigungen der Lautsprache sowie 1 Million Menschen mit dauerhaften Mobilitätsproblemen sind jedoch auf Hilfsmittel angewiesen, um ihr Leben eigenständig führen zu können.

Lösung:

  • Errichtung einer zentralen Anlaufstelle für Menschen, die Hilfsmittel benötigen (Vernetzung der Kostenträger im Hintergrund) um aktuellen Bürokratie-Hürdenlauf zu beenden
  • Rechtsanspruch auf Hilfsmittel, insbesondere auch für Hilfsmittel der sozialen Rehabilitation
  • Anpassung des Hilfsmittelkataloges auf den neuesten Stand der Technik, auch unter Einbeziehung von Behindertenorganisationen

16. Gut für alle: Gemeinnützigkeit stärken!

Gemeinnützige Organisationen bringen Vorteile für alle: durch Freiwilligenarbeit oder Re-Investition der Gewinne. Gestärkt werden kann Gemeinnützigkeit durch eine bessere Einbindung in politische Prozesse.

Gemeinnützige Organisationen zeichnen sich durch viele positive Punkte aus, z.B. ehrenamtliches Engagement, Re-Investition der Gewinne, etc. Die Leistungen der Daseinsvorsorge dürfen nicht gewinnorientiert organisiert werden. Daher braucht es eine Stärkung von Gemeinnützigen. Das kann z.B. durch eine besondere Stellung im Vergabeverfahren, eine verstärkte Einbindung in politische Prozesse oder eine groß angelegte Informationskampagne erreicht werden.

  • Soziale Dienstleister, die öffentliche Aufträge erhalten, sollen etwaige Überschüsse wieder in ihren Kernauftrag investieren. Leben retten darf nicht der Gewinnmaximierung unterworfen werden. Wer nicht das Gemeinwohl in den Fokus rückt, spart bei den Bedürfnissen der Menschen. In Bereichen  Rettungswesen, Pflege oder Flüchtlingsbetreuung ist das fatal.
  • Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit bzw. Kampagne mit dem Thema "Gemeinnützigkeit bringt Mehr!", seitens der öffentlichen Hand in Kooperation mit gemeinnützigen Organisationen
  • Verstärkte Einbindung des dritten Sektors im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung bei politischen Prozessen, auf nationaler wie auf EU-Ebene durch eine formal strukturierte Regelkommunikation (z.B. Nationales Reformprogramm)
  • Gezielte Nutzung der Erfahrung und Expertise von gemeinnützigen Sozialorganisationen bei Arbeitsgruppen bzw. Gremien (z.B. Europäischer Sozialfonds, Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss, etc.)
  • Statistische Erfassung des gemeinnützigen Sektors über ein so genanntes Satellitenkonto in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR, Datenerhebung Statistik Austria) um die positiven Wirkungen des dritten Sektors über mehrere Jahre hinweg quantifizieren zu können.

17. Frühförderung in ganz Österreich!

Die ersten Monate des Lebens rund und nach der Geburt sind ungeheuer wichtig für die Entwicklung eines Kindes. Besonders für Familien mit weniger Einkommen müssen wir eine gute Begleitung und „frühe Hilfen“ sicherstellen.

„Frühe Hilfen“ zielen darauf ab, Entwicklungsmöglichkeiten und Gesundheitschancen von Kindern und Eltern in Familie und Gesellschaft frühzeitig und nachhaltig zu verbessern. Neben alltagspraktischer Unterstützung wollen „Frühe Hilfen“ insbesondere einen Beitrag zur Förderung der Elternkompetenzen von (werdenden) Müttern und Vätern leisten. Sie zielen des Weiteren auf eine Verhinderung bzw. Reduktion von Entwicklungsstörungen, -verzögerungen und Krankheiten. Damit tragen sie maßgeblich zum gesunden Aufwachsen von Kindern bei und sichern deren Rechte auf Schutz, Förderung und Teilhabe.

Weiterlesen: Erfahren Sie hier mehr über das Projekt "Gut begleitet von Anfang an" des Diakonie Zentrum Spattstraße.

18. Soziale Investitionen helfen allen!

Investitionen in soziale Dienstleistungen wirken positiv auf die Konjunktur und helfen Menschen in ihrem alltäglichen Leben. Österreich nutzt diese Möglichkeiten noch zu wenig.Der Gesundheits- und Sozialbereich ist ein wachsender und zugleich stabilisierender Sektor für die österreichische Wirtschafts- und Sozialpolitik. Obwohl dieser Sektor krisen-unabhängig großes Beschäftigungspotential birgt, wird dieses noch zu wenig genutzt (knapp 10% aller Beschäftigten in diesem Sektor, in den nordischen Staaten bis zu 20 %). Arbeitskräfte werden in den nächsten Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung sowie verfehlter Migrationspolitik zusätzlich fehlen. Zusätzlich wird die langfristige Finanzierung immer wieder auf die Probe gestellt - durch fehlende Anpassungen und Wertsteigerungen sowie Nicht-Berücksichtigung der Kollektivverträge, die mit der Gewerkschaft verhandelt werden.

Lösung:

  • Bereitstellung einer Sozialmilliarde, um soziale Dienstleistungen, insbesondere für Pflege und Kinderbetreuung, auszubauen und Umsetzung des Social Investment Packages
  • Ausbau der Kinderkrippen und Angebote für die Betreuung der unter 2jährigen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu erhöhen
  • Aufnahme von Sozialberufen in die Liste der Mangelberufe für erleichterte Arbeitsmarktbestimmungen
  • Vereinfachung der Anerkennung von Ausbildungen im Gesundheits- und Sozialbereich (z.B. Nostrifizierungen)
  • Berücksichtigung von Wertsteigerungen und Inflationsanpassungen bei Leistungsverträgen und Tagsatzvereinbarungen zwischen der öffentlichen Hand und Dienstleistungserbringern
  • Bindende Anerkennung der kollektivvertraglichen Einigungen (Finanzierung der ausgehandelten Lohnergebnisse zwischen Gewerkschaften und Dienstleistungserbringern)
  • Forcierung von mehrjährigen Leistungsverträgen sowie vereinfachten Abrechnungsmodalitäten

19. Mindestsicherung: Armut bekämpfen, Armut vermeiden!

Mehr Prävention, Unterstützung bei Behinderung, mehr Soforthilfe, besserer Vollzug, Hilfe bei Krankheit, leistbares Wohnen. Wir müssen die Armut bekämpfen – nicht die Armen.

Statt Menschen zu Almosenempfängern zu machen, gehören die Gesetze so geändert, dass sie Armut bekämpfen und nicht Armutsbetroffene noch ärmer machen. Es gibt tausend gute Maßnahmen um Armut in Österreich zu verringern, es gibt aber auch genug die Lage noch weiter zu verschärfen.

20. Mitbestimmung für benachteiligte Gruppen und gemeinnützige Initiativen!

Das Wissen von gemeinnützigen Organisationen muss besser genützt werden. Außerdem sollten Menschen mit Behinderungen oder von Armut Betroffene stärker eingebunden werden.

Die Expertise und Erfahrung von Gemeinnützigen Organisationen soll gezielt genutzt werden. Die "Standards der Öffentlichkeitsbeteiligung" (Ministerratsbeschluss Bundeskanzleramt, 2009) werden verpflichtend zur Einbindung bei politischen Prozessen auf nationaler sowie EU-Ebene verwendet. Gemeinnützige Organisationen werden auch in Gremien zur Vergabe von finanziellen Mitteln inkludiert (z.B. ESF). Für bessere Bürgerbeteiligung müssen mit neuen Partizipationsprojekten besonders auch benachteiligte Bevölkerungsgruppen eingebunden werden: Menschen mit Behinderungen, Armutsbetroffene, etc.

BürgerrätInnen (wie zur Zeit in Vorarlberg erprobt) können Einblicke und Lösungen erbringen, an die vorher nicht gedacht wurde. Sie beteiligen BürgerInnen aller Schichten, Einkommen und Herkunft an entscheidenden Fragen des Gemeinwesens.

Nach diesem Vorbild können auch benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu Wort kommen: Menschen mit Behinderungen, Armutsbetroffene, Erwerbslose, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Weitere Instrumente dafür sind Gesprächsforen, in denen benachteiligte Bevölkerungsgruppen mit Behörden- und InstitutionenvertreterInnen in Dialog kommen. Oder Methoden des Theaters um „Szenen des eigenen Lebens“ zu spielen und anderen verständlich zu machen. Erfahrungen dazu haben in Österreich besonders die BehindertenselbstvertreterInnen und die Plattform „Sichtbar Werden“ Armutsbetroffener gesammelt. Die Unterstützung von Selbstorganisation und der Bildung von Selbsthilfegruppen ist hier zentrale Voraussetzung für Partizipation und Mitbestimmung.

TIPP: Interact Theater Graz, Sichtbar Werden der Armutskonferenz, BetroffenenrätInnen in den Niederlande

Sozialanwaltschaften, Ombudsstelle: Verwaltungsreform und Demokratiepaket für alle

Bei Verwaltungsreform und Demokratiepaket dürfen diejenigen nicht vergessen werden, die eine gute Verwaltung und gleichen Zugang zum Recht am meisten brauchen. Gerade bei Menschen, die sich selbst nicht ausreichend vertreten können, sind verbesserte Rechtschutzangebote dringend erforderlich. Sozialanwaltschaften analog zu den PatientInnenanwaltschaften können zum Beispiel Ombudstelle und Rechtschutz für Betroffene sein. Modelle von Arbeitslosenanwaltschaften wurden bereits in Oberösterreich und Wien ausgearbeitet.

21. Integration braucht individuelle Unterstützung!

Flüchtlinge brauchen Unterstützung bei Spracherwerb, Arbeitsmarktintegration und Wohnungssuche. Die Kürzungen der Mindestsicherung in einigen Bundesländern sind extrem integrationshemmend und sollen zurückgenommen werden.

22. Zugang zu leistbarem Wohnraum!

Mieten sind für viele kaum mehr leistbar – besonders in den Großstädten. Investitionen in den sozialen Wohnbau helfen allen, die bezahlbaren Wohnraum suchen. Der Zugang zu leistbarem Wohnraum ist der Schlüssel dafür, dass Menschen ein selbstständiges Leben führen können.

Wohnen ist derzeit eines der heißesten von allen brennenden Themen. Das ergab eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien und der österreichischen Armutskonferenz. Die Mietpreise sind in den letzten Jahren – vor allem in den Städten wie Salzburg, Innsbruck und Wien – derart in die Höhe geschossen, dass viele kaum noch leistbaren Wohnraum finden.
Prekäre Wohnverhältnisse und versteckte Wohnungslosigkeit  angestiegen.

Manche leben in Räumen ohne Fenster, ohne Strom, ohne Wasser. Andere teilen sich eine kleine Wohnung, was zu krassen Überbelegungen führt, und wieder andere „wandern“ von hilfsbereiten Bekannten zu Bekannten, um nicht auf der Straße schlafen zu müssen. Aus den Notunterkünften, die eigentlich für akut Wohnungslose gedacht sind, werden zunehmend Dauerwohnstätten für Personen, die keine leistbare Wohnung finden. Die hohen Wohnkosten können tief ins Privatleben eingreifen: Scheidungen von Ehen sind nicht möglich, weil sich die trennungswilligen Partner in den großen Städten zwei kleine statt einer größeren Wohnung nicht leisten können. Die Sozialinitiativen haben viele alleinerziehende Frauen in ihren Beratungsstellen, in den letzten Jahren aber auch vermehrt geschiedene unterhaltspflichtige Männer.

Von den Wohnproblemen in besonderem Maß betroffen sind Personen mit Migrationshintergrund: „Sie sind auch noch mit Vorurteilen vieler Vermieter konfrontiert, die ihnen schlicht keine Wohnung vermieten wollen. Hinzu kommen ein eingeschränkter Zugang zu Gemeindewohnungen und die Schwierigkeiten, legal eine Wohnung anzumieten, wenn der Aufenthaltsstatus unsicher ist.

23. Gemeinsam und solidarisch Flüchtlinge schützen!

Flüchtlingsschutz kann nur im europäischen Einklang gelingen. Alle europäischen Staaten müssen gemeinsam und solidarisch handeln und Flüchtlingen legale Einreisemöglichkeiten nach Europa eröffnen, damit sie sich auf der Flucht nicht mehr in Gefahr bringen müssen.

24. Menschen in Entwicklungsländern brauchen Zukunftsperspektiven!

Die Regierung muss ihrer Verpflichtung nachkommen, die Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7% des BIP zu erhöhen. Nur so können langfristig wirkende Programme ermöglicht werden.
#OrtDerHoffnung
Hoffnung ist es, die wieder Zukunft möglich macht. Wir brauchen Hoffnungsträger. Deswegen: Hoffnung braucht ein Ja!

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Mit Fernseh- und Hörfunkspots, Plakaten und Inseraten macht die Diakonie zwischen November und Dezember 2017 auf Menschen und Projekte aufmerksam, die Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und Solidarität fördern und weiterentwickeln.

Damit wollen wir Mut machen für eine Gesellschaft, die nicht spaltet und nicht immer mehr Menschen ausgrenzt. Wir wollen Angst nehmen und Hoffnung geben.