Der Adventkranz - eine Erfindung der Diakonie

Wissen Sie, wer den Adventkranz erfunden hat? Es war die Diakonie vor über 170 Jahren!
Der Diakonie Adventkranz vor dem Wiener Rathaus hat soviele Kerzen wie der Advent Tage hat.
Der Diakonie Adventkranz vor dem Wiener Rathaus hat soviele Kerzen wie der Advent Tage hat.

Um Kindern aus ärmsten Verhältnissen im Advent die Zeit bis Weihnachten zu verkürzen, entzündete man im ersten Haus der Diakonie jeden Abend eine Kerze an einem großen Wagenrad. Aus dieser Idee entstand der uns heute bekannte Adventkranz.

Die Diakonie kümmerte sich vor über 170 Jahren um verwahrloste Straßenkinder. Sie sorgte für Essen, Unterkunft und - eine gute Schulbildung!

Bis heute unterstützt die Diakonie mit zahlreichen inklusiven Bildungs-Angeboten besonders sozial benachteiligte Kinder, Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder mit Behinderungen.

Original Wichern Adventkranz aus dem Rauen Haus in Hamburg
Original Wichern Adventkranz aus dem Rauen Haus in Hamburg

Der Adventkranz ist eng mit den Wurzeln der Diakonie verbunden

Jeder kennt ihn: Den Kranz mit vier Kerzen, der uns in der hektischen Adventzeit daran erinnert, kurz einmal innezuhalten. Entstanden ist der Adventkranz vor über 150 Jahren, und sein Original sah völlig anders aus, als wir ihn heute kennen.

Der evangelische Theologe und Pädagoge Johann Hinrich Wichern sah die Not der Arbeiterfamilien in den Vorstädten Hamburgs. Besonders das Schicksal der verwahrlosten Kinder ließ ihn nicht mehr los. So sammelte er Spenden bei wohlhabenden BürgerInnen und gründete eine „Rettungsanstalt“ für jene Kinder, die, zerlumpt und hungrig, mit den „denkbar schlechtesten Betragensnoten“, auf dem besten Weg waren, eine kriminelle Laufbahn einzuschlagen.

Link zu Geschichte der Diakonie. Foto: Zeichnung des Rauhen Hauses in Hamburg, der ersten Einrichtung der Diakonie.
Das Rauhe Haus in Hamburg war eine der ersten Einrichtungen der Diakonie.

Rettungsanstalt im Rauhen Haus

Sein pädagogisches Konzept war auch für heutige Maßstäbe modern: Nicht Zucht und Ordnung waren die obersten Prinzipien, sondern Wertschätzung und Ausbildung. In kleinen Häusern inmitten von Gärten und Freiflächen sollten Kinder so geborgen wie in einer Familie heranwachsen. Hier sollte gemeinsam gelebt, gelernt und gearbeitet werden. Im November 1833 war es dann endlich soweit.

Im sogenannten „Rauhen Haus“, einem kleinen Bauernhaus, das für diesen Zweck gestiftet worden war, zog Wichern mit seiner Mutter und den ersten zwölf Burschen ein. Er schrieb damals über das Haus als eines, „in dem Christi Wort und Liebe regieren“.

Das „Rauhe Haus“ wuchs schnell und erhielt weitere Gebäude. Jede Gruppe wurde von einem Erzieher geleitet, der den Kindern „wie ein großer Bruder“ zur Seite stand. Ende 1835 zog die erste Mädchengruppe in das Rauhe Haus ein. Amanda Wichern übernahm die Verantwortung für diese Mädchen, nachdem sie Johann Hinrich geheiratet hatte. Gemeinsam sollte das Paar noch neun eigene Kinder bekommen!

Um einen gleichmäßigen Adventkranz zu erhalten, müssen Sie zu allererst die Tannenzweige in Form bringen. Die Länge der Zweige hängt von der Größe des Strohrings ab: Je länger die Zweige sind, desto buschiger und dicker wird der Kranz.
Im Laufe der Zeit übernahmen Pfarrgemeinden und Familien diesen Brauch, und so hat sich der Adventkranz zu der uns heute bekannten Form entwickelt.

Vom Wagenrad zum Adventkranz

Im Jahr 1839 verfügte das Gelände bereits über einen eigenen Betsaal. Und hier entstand auch die Idee zum ersten Adventkranz. Da die Kinder im Advent ständig fragten, wie lange es denn noch bis Weihnachten sei, stellte Wichern bei den abendlichen Versammlungen ein großes Wagenrad auf und bestückte es mit Kerzen. Jeden Abend entzündete er beim Geschichtenerzählen eine weitere Kerze.

Im Laufe der Zeit gab es für Adventsonntage vier dickere Kerzen und das Rad wurde mit Tannenreisig geschmückt. Im Laufe der Zeit übernahmen Pfarrgemeinden und Familien diesen Brauch, und so hat sich der Adventkranz zu der uns heute bekannten Form entwickelt.

Wichern verändert die Kirche

Wichern hat mit seiner Arbeit die evangelische Kirche verändert (und es ist anzunehmen, dass ihn seine Frau Amanda dabei tatkräftig unterstützt hat). Auf seine Initiative hin wurde die „Innere Mission“ – Vorläuferin der heutigen Diakonie – als soziale Arbeit der evangelischen Kirchen gegründet.

Die Diakonie ist heute in Österreich eine der größten Hilfsorganisationen. Mit über 200 Einrichtungen, rund 6.000 MitarbeiterInnen und vielen ehrenamtlich engagierten Menschen. Auch das „Rauhe Haus“ in Hamburg gibt es noch. Es hat sich zu einer wichtigen sozialen Institution entwickelt, wo Menschen mit Behinderungen, pflegebedürftige und kranke Menschen betreut werden.

Kindergruppe vor dem Riesenadventkranz im Hoffnungsträger-T-Shirt mit Sprechblase
Schulkinder fordern: Ein gemeinsames Schulessen täglich für alle Kinder

Hoffnungsträgerin Diakonie

Zerlumpte Proletarierkinder prägen nicht mehr das Straßenbild unserer Städte. Trotzdem hat die Diakonie genug zu tun. So sind in Österreich 30.000 Kinder auf Unterstützung der Jugendwohlfahrt angewiesen, und viele überforderte Familien benötigen Unterstützung bei der Erziehung.

10.000 Jugendliche verlassen jährlich die Schule ohne einen Abschluss. Oft sind es Kinder mit Behinderungen oder Lernschwächen, Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus sozial schwachen Familien, die besondere Unterstützung brauchen.

2.200 Kinder und Jugendliche werden zur Zeit von der Diakonie betreut und erhalten Hilfe beim Lernen, Unterstützung bei Problemen mit den Eltern oder Unterkunft, wenn ein Leben in der eigenen Familie nicht möglich ist, oder sich Kinder allein auf der Flucht aus ihrem Heimatland befinden.

Der Adventkranz wurde für die Kampagne 2013 der Diakonie neu interpretiert – Träger der Kerzen ist ein Rettungsring – als Hoffnungsträger für benachteiligte Kinder und Jugendliche, für die sich die Diakonie, damals wie heute, einsetzt.