Ostafrika ++ Die größte Katastrophe ist das Vergessen

Sujet 2017 - Vergessene Katastrophen ++ Ostafrika
Mit der Aktion rückt die Diakonie Katastrophenhilfe jedes Jahr Krisen und Katastrophen in den Vordergrund, die wenig bis gar keine Beachtung in der Öffentlichkeit und den Medien finden. In 2017 blicken wir auf die Menschen in Ostafrika. Es droht die größte humanitäre Katastrophe seit der Gründung der Vereinten Nationen.

Hunger in Ostafrika - Dürre, Krieg und Flucht
«Rund 20 Millionen Menschen in den vier Krisenstaaten Nigeria, Südsudan, Jemen und Somalia droht der Hungertod.» Diese eindringliche Warnung brachte Uno-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien im Frühjahr vor die internationale Gemeinschaft. Obwohl es die größte humanitäre Katastrophe seit Gründung der Vereinten Nationen ist, nimmt die Öffentlichkeit davon nur am Rande Notiz. Wie so oft, trifft es die Ärmsten der Armen besonders hart: die Kranken, die Alten und die Kinder. Zudem erschweren militärische Konflikte die Hilfe und verschärfen zusätzlich die Situation der notleidenden Menschen. 

  • Äthiopien Rund 5,6 Millionen Menschen sind hier von der Dürre betroffen und bedürfen akuter Hilfe. Weitere 7,6 Millionen werden permanent vom Staat unterstützt. Zudem beherbergt Äthiopien über 800.000 Flüchtlinge aus den Nachbarländern, vor allem aus Somalia und dem Südsudan.
  • Kenia Die Regierung hat im Februar dieses Jahres den Notstand erklärt. Tausende von Tieren sind bereits verendet, 2,7 Millionen Menschen leiden an Hunger, mehr als 357.000 Kinder sind stark unterernährt und drohen zu verhungern.
  • Somalia 6,2 Millionen Somalis sind aktuell auf Überlebenshilfe angewiesen. Über 360.000 Kinder sind mangelernährt und vom Hungertod bedroht. Über eine Million Somalis wurden bislang von der Dürre und dem Krieg im Land vertrieben.
  • Südsudan 5,5 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, davon leiden etwa eine Million extremen Hunger. Der Bürgerkrieg im Land hat rund 1,7 Millionen im Innern zu Flüchtlingen gemacht, 1,9 Millionen Südsudanesen sind in die Nachbarländer geflohen.

So können Sie helfen
Wir sichern das Überleben vieler Menschen in der Krisenregion gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen. Wir können extrem viel tun. Mit einfachen Mitteln kann Überleben gesichert werden. Wir leisten Soforthilfe mit lebensnotwendigen Dingen wie Lebensmitteln, Trinkwasser, Haushalts- und Hygieneartikel. Wir führen aber auch Projekte zur Katastrophenvorsorge durch: Wir unterstützen in der Landwirtschaft, damit diese trotz der schwierigen klimatischen Bedingungen möglich ist, oder geben Vertriebenen Starthilfen wie Berufsausbildungen oder Saatgut.
Es ist aber noch viel mehr Hilfe für die unzähligen Betroffenen notwendig. Dafür brauchen war IHRE Unterstützung.

Um auf die Situation und unsere Arbeit aufmerksam zu machen, bieten wir Ihnen verschiedene Materialien an, die Sie sich auf unseren Internet-Seite herunterladen können. 
Spenden für die Aktion unter dem Kennwort „Afrika Hungerhilfe“ werden dringend gebraucht und kommen rasch und sicher jenen Menschen zugute, die auf unsere Solidarität angewiesen sind.

Trinkwasserversorgung trotz Dürre in Somalia

Mit Wassertanks und einem solarbetriebenem Pumpsystem können Haushalte und das Nutzvieh trotz der Dürre versorgt werden. ©CPD
Um die Trinkwassersituation für die Region nachhaltig zu verbessern, baut die Diakonie Katastrophenhilfe zusammen mit der Partnerorganisation Centre for Peace and Democracy (CPD) in Seego einen Vorratstank für 120 Kubikmeter Wasser. Daran sind zwei Tröge für Tiere und vier Wasserhähne für die Bevölkerung angeschlossen. Außerdem werden die Menschen zum Thema  Hygiene geschult. Zusammen mit den umliegenden Gemeinden werden 84 unbenutzte Flachbrunnen zugeschüttet, um das Ausbreiten von Infektionskrankheiten einzudämmen, so dass sich die Gesundheit der Frauen verbessern kann. Durch den neuen Vorratstank verkürzt sich die Wartezeit am Bohrloch erheblich.

Schulausspeisungen im Südsudan

Die Schülerinnen und Schüler der "Mayath Boys and Girls Primary School" freuen sich über die warme Mahlzeit, die aus einem nährstoffreichen Soja-Mais-Gemisch besteht. ©Christoph Püschner
Seit Anfang 2014 gibt es ein Schulspeisungsprogramm für mangelernährte Kinder. Mehr als 15.000 Schulkinder zwischen sieben und 15 Jahren erhalten dort in 45 Schulen an fünf Tagen die Woche eine sättigende Mahlzeit. So ermöglichen wir einen guten Start in den Tag.

Nachhaltige Bildung für Kinder in der Region Banadir, Somalia

In einfach eingerichteten Schulräumen finden Kinder wieder eine sicheres Umfeld, um lernen zu können. ©DBG
3.000 Mädchen und Jungen bekommen in 30 temporären Schulen Unterricht.  Es wurden Klassenzimmer für Kinder aus Familien, die im eigenen Land auf der Flucht sind, errichtet, Schulen renoviert, Toliettanlagen in den Schulen instand gesetzt sowie Schreibtische, Lernmaterial und Büromöbel bereitgestellt. Da unter den Vertriebenen auch Lehrer sind, erhalten 150 von ihnen auf diese Weise ein Einkommen.

Grundversorgung von Vertriebenen in Banadir

Verteilung von Nothilfekits für neuankommende Vertriebene. Die begünstigten Familien erhalten Gutscheine, die sie gegen Hilfsgüter eintauschen können.

Gemeinsam mit der Partnerorganisation DBG (Daryeel Bulsho Guud) hat die Diakonie Katastrophenhilfe im April 2016 ein Hilfsprojekt gestartet, dass die Grundversorgung der Menschen sichert und die hygienische Situation in den Camps verbessert.  Im Rahmen des Projekts werden provisorische Lernstätten errichtet, denn die wenigsten Kinder haben eine Chance auf Bildung.

Zudem werden mehr als 3.600 neuankommende Familien mit einem Nothilfe-Schutz-Paket versorgt, mit dem sie sich eine Behelfsunterkunft bauen können. Die begünstigten Familien erhalten dazu Gutscheine, auf denen vermerkt ist, welche Hilfsgüter ihnen zustehen. Das Schutz-Paket beinhaltet beispielsweise Holzlatten, Planen, Nägel, Drahtseile oder auch Kochgeschirr.

Voucher-Programm und Nothilfe im Südsudan

Mit Essengutscheinen und Bargeld können sich Familien mit Getreide, Bohnen und Mais versorgen. ©Paul Jeffrey/ACT
Seit Dezember 2013 wird der Südsudan von einem bewaffneten Konflikt erschüttert. Die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen haben das Land weit zurückgeworfen und eine schwere humanitäre Krise ausgelöst. Krieg und Dürre haben unzählige Menschen im Land vertrieben. Viele können ihre grundlegendsten Bedürfnisse nicht befriedigen. Seit Beginn des Konflikts mussten mehr als 3,8 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen. Sie sind zu Vertriebenen im eigenen Land geworden oder haben sich in Nachbarstaaten geflüchtet. Im Südsudan wurde für Februar dieses Jahres für 100.000 Menschen die Hungersnot ausgerufen. Die Vereinten Nationen melden, dass im Südsudan 6 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind.

Auch Bedarfserhebungen haben gezeigt, dass Nahrungsmittel zu dem am dringendsten benötigten Gütern gehören. Durch dieses Projekt versorgen die Diakonie Katastrophenhilfe und Nachbar in Not 6.360 Personen in Terekeka und Jubek im Südsudan für vier Monate mit Nahrungsmittel. Die Begünstigten erhalten dabei Bargeldauszahlungen oder Gutscheine, je nach lokaler Möglichkeit. Von dem Projekt profitieren sowohl die lokale Bevölkerung als auch intern Vertriebene. Besonders berücksichtigt werden dabei Haushalte die von Kindern oder Frauen geführt werden, in denen Menschen mit Behinderungen, alte Menschen oder HIV positive Menschen leben.
Was sind Vergessene Katastrophen?
Es sind vor allem die lang anhaltenden, gewaltsam ausgetragenen Konflikte auf der ganzen Welt, die so gut wie gar nicht wahrgenommen werden. Sie finden in den Medien kaum Erwähnung und aufgrund der fehlenden Berichterstattung geraten sie weltweit in Vergessenheit. 
Die Folgen dieser Konflikte sind jedoch verheerend: Viele Millionen Unschuldige werden aus Ihrer Heimat vertrieben, geraten zwischen Fronten, verlieren all ihr Hab und Gut, Angehörige, ihre Lebensgrundlage. Wenn sie Glück haben, finden sie Aufnahme bei anderen Menschen im eigenen Land oder gar im Ausland – einige schaffen es in ein Flüchtlingslager, andere – und das ist die Mehrheit - sind jedoch völlig auf sich allein gestellt. Viele von ihnen, mussten über die Jahre bereits mehrmals fliehen. Die Betroffenen sind jung und alt, Frauen und Männer, Kinder und Kranke. In diesem Jahr blickt die Diakonie Katastrophenhilfe auf die Menschen in Ostafrika.