Welt-Alzheimer Tag: 130.000 Menschen in Österreich leben mit Demenz - Unterstützung ausbauen

Donnerstag, 19. September 2019
Großmutter bekommt Besuch von der Enkelin
Für ein gutes Leben mit Demenz (Foto: Nadja Meister)
Die Kraft der pflegenden Angehörigen ist nicht grenzenlos. Für ein gutes Leben mit Demenz
Großmutter bekommt Besuch von der Enkelin
Für ein gutes Leben mit Demenz (Foto: Nadja Meister)

Die Direktorin der Diakonie Österreich, Maria Katharina Moser, zeigt sich erfreut, dass Pflege und besonders die Situation pflegender Angehöriger Wahlkampfthema geworden sind. „In der weiteren Diskussion – nicht zuletzt im Zuge von Koalitionsverhandlungen – darf ein Aspekt des Pflegethemas, der viele Menschen bewegt, nicht übersehen werden: Demenz“, erinnert Moser anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September.

130.000 Menschen leben mit einer demenziellen Erkrankung, 2050 werden es Prognosen zufolge doppelt so viele sein. Demenz stelle pflegende Angehörige vor besondere Herausforderungen, so Moser. „Sie sind oft sehr verunsichert: Was passiert da? Wie soll ich mit Herausforderungen wie Aggressivität, Depression, Tag-Nacht-Umkehr oder der Tendenz, sich auf den Weg zu machen, zurechtkommen? Wie können wir die Betreuung zu Hause schaffen?“

Angehörige sind „der größte Pflegedienstleister“

Moser weist darauf hin, dass Angehörige „der größte Pflegedienstleister“ sind: „Sie leisten Großartiges – aber ihre Kraft ist nicht grenzenlos. Wir müssen sehen, dass pflegende Angehörige einerseits selbst bereits älter sind, und andererseits oft alleine gelassen werden. Daher müssen Reformen in der Pflege Hand in Hand gehen mit guten und leistbaren Unterstützungsangeboten für zu Hause.“

Die Vorschläge der wahlwerbenden Parteien wie Pflege-daheim-Bonus oder Erhöhung des Pflegegeldes ab Stufe 3 um 50% seien nicht ausreichend. „Diese Vorschläge gleichen den Wertverlust des Pflegegeldes seit seiner Einführung 1993 zumindest teilweise aus – übrigens eine alte Forderung der Sozialorganisationen. Natürlich bringt mehr Geld zunächst Erleichterung für Pflegebedürftige und Angehörige. Aber langfristig braucht es ein tragfähiges Gesamtkonzept, in dessen Zentrum die Frage stehen muss: Welche Unterstützung brauchen pflegende Angehörige? Es gibt viele tolle Möglichkeiten, aber nicht flächendeckend. Mehr Geld hilft Pflegebedürftigen und Angehörigen nur begrenzt, wenn es vor Ort keine Unterstützungsangebote gibt, die sie für dieses Geld bekommen.“

Was Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen hilft

Aus ihrer konkreten Erfahrung weiß die Diakonie, was Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen hilft und was nötig wäre, nämlich:

  • der Ausbau niederschwelliger Informations- und Beratungsangebote besonders in der Zeit rund um die Diagnose;
  • leistbare stundenweise Betreuung für zu Hause, österreichweit und öffentlich gefördert,
  • leistbare Tageszentren, die nicht nur die Belastung für Angehörige spürbar senken, sondern auch wichtig sind für die Lebensqualität von Menschen mit Demenz.

Eine Befragung des Market Institut in den Tageszentren der Diakonie zeigt: Knapp 80 % der Angehörigen fühlen sich entlastet, wenn ein Tageszentrum in Anspruch genommen wird. Und: knapp jeder Zweite gibt an, durch die entlastende Wirkung der Tageszentren wieder mehr Geduld im Umgang mit den pflegebedürftigen Personen zu Hause zu haben. Derzeit nehmen allerdings nur knapp 8.000 Personen tageweise ein Tageszentrum in Anspruch, während 130.000 Personen in Österreich mit Demenz leben.

Demenzstrategie umsetzen

2015 wurde eine österreichweite Demenzstrategie unter Beteiligung von vielen ExpertInnen und BeamtInnen ausgearbeitet, aber sie harrt der Umsetzung. „Gute Konzepte liegen auf dem Tisch. Oder scheinen in der Schublade verschwunden zu sein. Für die kommende Regierung heißt das: Raus aus der Schublade und umsetzen!“ so die Diakonie-Direktorin abschließend.