UN-Autismus Tag: Kinder sehen die Welt anders

Donnerstag, 28. März 2019
Zwei stilisierte Augen auf weißem Hintergrund
Was siehst du?
Diakonie unterstützt und stärkt Kinder im Autismus Spektrum: Inklusive Schule, Frühförderung, Wohnen, Beratung
Zwei stilisierte Augen auf weißem Hintergrund

 „Die Welt verstehen lernen“ das ist das Motto für uns alle im Vorfeld des UN-Tags zur Unterstützung von Menschen mit Autismus.

Dieser Tag ist ein Weckruf für Respekt und Achtsamkeit gegenüber einfachen Bildern und falschen Diagnosen“, so Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich. „Die Welt verstehen lernen, gilt in alle Richtungen: an Medizin, Politik, Schule oder Medien. Dasein, unterstützen, stärken, das sind die drei wirksamsten Mittel, um den Bedürfnissen von Menschen mit Autismus zu begegnen“, betont Moser.

Registrieren andere dieselben Dinge wie ich? Ist das Gelb, das ich sehe, auch das Gelb, das Du siehst? - „Wir gehen davon aus, dass wir die Welt so wahrnehmen, wie es die meisten Menschen tun“, so Moser. Aber was, wenn gerade ich zu jenen Menschen gehöre, die anders sehen, spüren, riechen oder hören? Wenn ich zwar Einzelteile sehe, nicht aber das Gesamte? Wenn ich zwar gut schreiben kann aber nicht sprechen? Wenn ich einen freundlichen Blick sehe, aber nicht als solchen deuten kann?

Viele Menschen im Autismus Spektrum sind Vorurteilen und Stigmatisierung ausgesetzt - Schätzungen sprechen von 80.000 Betroffenen in Österreich.

Theresa hatte extreme Angst vor Geräuschen

Doris und Matthias Pöll erzählen von ihrer Tochter Theresa und ihren Erfahrungen in der Spielgruppe: „Auffällig war, dass Theresa extreme Angst vor Geräuschen hatte. Nicht nur auf den Staubsauger reagierte sie panisch sondern auch auf die Spieluhr. Außerdem hatte sie Angst vor anderen Kindern. Sehr bald hat Theresa bestimmte Routinen eingefordert, z.B. wollte sie immer denselben Weg gehen.“ Über eineinhalb Jahre hat die Familie die Diagnose gewartet. Viele Eltern warten dann auch noch lange auf die entsprechende Therapie.

„Was aussieht wie ein Spiel ist für die Kinder harte Arbeit. Die Kindergartengruppe und die Eltern sind einbezogen und arbeiten mit. Die Mutter kommt einmal pro Woche in die Psychomotorik-Gruppe, wo Theresa mit zwei anderen Kindern spielerisch lernt“, erklärt Theresa's Therapeutin vom Diakoniezentrum Spattstraße, das Diakoniezentrum Spattstraße begleitet Kinder und Eltern - von Anfang an.

Unterschiedlich und einzigartig

„AutistInnen brauchen ein Gegenüber, das sensibel dafür ist, dass sie ihre Umwelt anders wahrnehmen und soziale Prozesse und Begegnungen anders verarbeiten“, sagt Christiane Dobernig von der Diakonie de la Tour. „Kinder und Jugendliche im Autismus-Spektrum sind alle unterschiedlich und einzigartig. Sobald man dies verstanden hat, ist bereits ein großer Schritt getan“, so Dobernig. In der Diakonie de La Tour in Kärnten leben und arbeiten Menschen im Autismus Spektrum. Der Alltag ist speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt.

Außerdem hat die Diakonie de La Tour 2018 in Klagenfurt eine Beratungsstelle eröffnet, wo kostenlose Beratung für Menschen im Autismus-Spektrum, deren Familienangehörige und Professionisten/-innen angeboten wird, die in der Begleitung von Menschen im Autismus-Spektrum tätig sind.

Das Diakoniewerk in Oberösterreich hat einen Schwerpunkt auf Wohnen und Arbeiten für Menschen im Autismus Spektrum gelegt. In Altenberg und in Pregarten sind 2018 zwei Vorzeigeprojekte entstanden, bei denen der Fokus auf ruhiger Wohnumgebung mit wenigen Sinnesreizen, sowie auf zahlreichen bewährten Beschäftigungsangeboten liegt.

Linz und Klagenfurt: Straßen-Aktion „Was siehst Du?“

»Was siehst du?« lautet dieses Jahr die Frage, mit der PassantInnen am 2. April, dem Welt-Autismus-Tag, in Klagenfurt und Linz aufgefordert werden, ihre eigene Wahrnehmung genauer zu betrachten.

Mit dieser Straßenaktion möchte die Diakonie auf die Bedürfnisse von Menschen im Autismus-Spektrum und notwendige Unterstützungsmaßnahmen hinweisen. Vorbeikommende haben die Möglichkeit, sich vor Ort mit den Expertinnen und Experten auszutauschen, um mehr über die Wahrnehmungswelt von Menschen im Autismus-Spektrum, aber auch über vorhandene Potenziale zu erfahren.