Tag der älteren Menschen: Selbstbestimmung im Alter ermöglichen

Mittwoch, 29. September 2021
Ausbau von Betreuungs- und Pflegeangeboten ist unumgänglich

Wenn Alter und Pflegebedürftigkeit beginnen den Alltag zu bestimmen, sind für viele Menschen die Wahlmöglichkeiten, die sie bisher im Leben hatten, eingeschränkt. „Wir dürfen nicht akzeptieren, dass die zentralen gesellschaftlichen Werte Selbstbestimmung und Autonomie für Menschen im Alter nicht mehr gelten“, betont Diakonie Direktorin Maria Katharina Moser anlässlich des `Tages der älteren Menschen´ am 1. Oktober.

„Das Ziel der Pflegereform muss deshalb sein, ein gutes Leben für Menschen im Alter sicherzustellen – und zwar nach deren Vorstellungen“.

„Wie ich im Alter lebe, bestimmt momentan vor allem das Angebot in meiner Wohnortnähe“, meint Moser. Gerade in ländlichen Regionen gebe es große Lücken. „Doch selbst wenn Angebote vorhanden sind, sind diese häufig nicht leistbar“.

Die Angst zur Last zu fallen

Aufgrund des Mangels an leistbaren Angeboten übernehmen Angehörige den Großteil der Pflege und Betreuung. In Österreich werden mehr als 175.000 Menschen mit Pflegebedarf ausschließlich durch Angehörige gepflegt. Etwa 150.000 Pflegegeldbezieher:innen erhalten zusätzlich Unterstützung durch mobile Dienste. Im Schnitt handelt es sich dabei aber nur um 2,3 Stunden pro Woche.

„Pflegende Angehörige werden im aktuellen System mit der Pflege alleine gelassen“, kritisiert Moser. Dies belaste nicht nur die Angehörigen, sondern auch die Pflegebedürftigen. „Viele haben Angst davor, im Alter ihrer Familie zur Last zu fallen. Kein Mensch sollte sich als Belastung fühlen müssen“, meint Diakonie-Direktorin Moser.  

Nur Ausbau von Betreuungs- und Pflegeangeboten kann Selbstbestimmung im Alter garantieren

„Seit Jahren sagen wir: Um Lebensqualität für Menschen mit Pflegebedarf und deren Angehörigen sicherzustellen, braucht es einen Ausbau und die Finanzierung von Betreuungs- und Pflegeangeboten“, so die Diakonie. „Darum schlagen wir als einen Lösungsweg mit „SING – Seniorenarbeit innovativ gestalten“ ein Reformmodell vor, das den Ausbau von bedarfsgerechten Dienstleistungen mit einer neuen Finanzierungslogik verbindet“, so Moser. 

Das Besondere am Konzept SING ist, dass Pflegegeldbezieher:innen einen Teil ihres Pflegegeldes in einen sachleistungsbezogenen „Autonomiebeitrag“ umwandeln und damit Dienstleistungen beziehen können, die ihnen ermöglichen, weiterhin zu Hause zu leben. - Der andere Teil des Pflegegeldes bleibt zur persönlichen Verfügung. Währenddessen überlegen sogenannte PflegelotsInnen gemeinsam mit den Betroffenen, wie sie leben wollen, welche Unterstützung sie dafür brauchen und welche Dienstleistungen es gibt.

„Das Konzept ermöglicht, dass nicht mehr zentral normierte Angebote Jahre im Voraus geplant werden, sondern soziale Dienstleistungen bedürfnisgerecht entwickelt werden können. Und dies eng vernetzt mit Angehörigen und freiwillig Engagierten“, so Moser abschließend.