Schulstart: Chancenindex - Diakonie für flächendeckendes Angebot ab sofort

Montag, 6. September 2021
Pilotversuch in 100 Schulen reicht nicht aus. Bedarf ist klar. Umsetzung überfällig
Malkreiden mit einem Kind im Hintergrund
Ein Schulpaket für den Schulanfang ist nicht billig. Foto: pixabay

Für rund 100 Schulen in Österreich bringt das neue Schuljahr endlich eine grundsätzlich positive Veränderung, die die Diakonie schon seit langem für ganz Österreich fordert: den Chancenindex. Das bedeutet: Benachteiligte Schulstandorte bekommen mehr Geld, um den besonderen Herausforderungen, vor denen sie stehen, zu begegnen. 
Leider ist die Neuerung aber nur als zeitlich begrenztes Pilotprojekt gedacht. „Damit aber alle Kinder in der Schule gut aufgehoben sind und gut lernen können, braucht es mehr“, kritisiert die Diakonie. Und es sei außerdem so, dass es „diese Testphase in Form eines Piloten nicht braucht. Denn Erkenntnisse zur positiven Wirkung eines Chancenindex auf die Bildungschancen unserer Kinder gibt es längst genug“, so Diakonie Direktorin Maria Katharina Moser. „Die Erfolgsfaktoren sind bekannt. Man braucht nur nach Hamburg, die Niederlande oder nach Kanada zu schauen.“ 

Dass die Politik hier glaubt, mit einem Projekt zusätzliche Zeit kaufen zu müssen, ist bedauerlich. „Hier verschwendet die Regierung wertvolle Zeit. Die Ergebnisse liegen auf dem Tisch. Es braucht ein flächendeckendes Angebot des Chancenindex auf ganz Österreich bereits ab dem nächsten Schuljahr.“

Chancenindex heißt: zusätzliche Mittel

Ganz wichtig ist: Ein Chancenindex bedeutet, dass benachteiligte Schulstandorte zusätzliche Mittel erhalten. Bei der Einführung des "Wiener Mini-Chancenindex" am Ende des vergangenen Schuljahres hat die Stadt etwas falsch verstanden und Mittel auf Kosten mancher Standorte umverteilt. „Damit nimmt man Schulen Mittel weg, die es durch ihre Ausstattung bisher geschafft haben, präventiv zu arbeiten und Herausforderungen gut zu begegnen. Das war ein Schnellschuss“, so Moser. Wie sich das mittelfristig auswirken wird, wird man sehen. Denn ob die Schulen auch nach den Kürzungen noch genauso gut arbeiten können, ist fraglich.

Qualitativ hochwertige Schulentwicklung braucht Zeit

Kritisch sieht die Diakonie auch, dass die benachteiligten Standorte die zusätzliche Förderung nur für drei Semester bekommen: „Schulentwicklung als zentraler Bestandteil des Chancenindex braucht Zeit. Veränderungen in der Haltung, im System kommen erst mit der Zeit zum Tragen. Und Standorte, die zwischenzeitlich Aufwind bekommen, dann gleich wieder alleine zu lassen, ist nicht nachhaltig“, kritisiert Moser.

Sonderpädagogische Förderung für Kinder mit Lernbehinderung erhöhen

Die Einführung des Chancenindex ist auch für den Bereich der sonderpädagogischen Förderung zu begrüßen. Durch eine bessere Grundausstattung der Schulen profitieren alle Kinder. Dadurch könne einzelnen Schulkindern der Stempel 'sonderpädagogischer Förderbedarf' erspart werden.

„Die gesamte Lerngruppe braucht Ressourcen zur Inklusion. Das hilft jedem Kind. Für Kinder mit Behinderungen, die darüber hinaus Förderbedarf haben und zum Beispiel Schulassistenz oder Gebärdensprach-Dolmetsch benötigen, muss es aber mehr Geld geben“, so Moser abschließend.