Regierung für Pflege gesucht!

Dienstag, 5. November 2013

„Wenn Pflege auch in Zukunft funktionieren soll, müssen jetzt die Weichen gestellt werden!“

Die Aufgaben in der Betreuung und Pflege wachsen kontinuierlich, ebenso wie die Anzahl der Menschen mit Pflegebedarf. Die fünf Organisationen der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) – Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe – wünschen sich von der kommenden Bundesregierung einen von allen Beteiligten mitgetragenen Plan für die anstehenden Herausforderungen in Sachen Pflege.

In der Finanzierungsfrage, die spätestens 2016 wieder schlagend wird. Denn dann enden die vorhandenen Vereinbarungen mit dem Finanzausgleich. „Die Sicherstellung der mittelfristigen Finanzierung der Pflege ist daher eine der vordringlichsten Aufgaben der neuen Bundesregierung“, so der Bundesgeschäftsführer des Hilfswerks Walter Marschitz. Insgesamt werden von 2014 bis 2020 im Pflegebereich zusätzliche Mittel in der Höhe von 4,2 Milliarden Euro notwendig sein.

Ebenso relevant ist eine bessere Abstimmung bei der Betreuung und Pflege in Österreich, denn aktuell ist die Situation von zahlreichen AkteurInnen und unterschiedlichen Regelungen hinsichtlich Kosten, Verfügbarkeit und Qualität geprägt. Um Pflegeleistungen in Zukunft besser steuern zu können, fordert Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe Österreich, dass Maßnahmen wie das Care Managment gestärkt und Trägerorganisationen in die Bedarfserhebung besser eingebunden werden. „Unser Pflegesystem gleicht einem ‚Fleckerlteppich‘. Es wird Zeit, dass sich die Politik an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Die Menschen müssen das System steuern und nicht das System die Menschen“, macht Fenninger deutlich.

Nicht vollständig beantwortet ist die Frage, wie pflegende Angehörige wirksam entlastet und unterstützt werden sollen. Ein Ansatz dafür ist die Einführung von leistbaren mehrstündigen Angeboten in der Alltagsbetreuung bzw. -begleitung. So werden pflegende Angehörige mehrere Stunden am Tag freigespielt, damit sie Erledigungen, wie Arztbesuche machen können und auch Erholung von ihrem pflichtenreichen Alltag finden. „Nicht zu vergessen sind dabei Beratungen für pflegenden Angehörige zu praktischen Dingen, wie Unterstützung, Finanzierung und Pflegetipps sowie psychosoziale Begleitung, um mit den psychischen Herausforderungen klar zu kommen“, erläutert der stellvertretende Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, Michael Opriesnig.

In dieselbe Kerbe schlägt auch Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich: „Die kommende Regierung muss die Pflegelücke schließen, und einerseits gute soziale Dienstleistungen wie Tageszentren und Notpflegedienste ausbauen, sowie andererseits das Pflegegeld regelmäßig erhöhen. Nur so ist sichergestellt, dass Menschen befähigt werden, selbst zu entscheiden wie sie betreut werden möchten.“

Um das zu bewältigen, braucht es eine ausreichende Anzahl von gut qualifizierten MitarbeiterInnen in der Betreuung und Pflege. „Wenn wir ‚warm-satt-sauber‘-Pflege ohne menschliche Beziehungsqualität nicht ausreichend finden, müssen wir alle vorhandenen Qualifikationen nutzen“, argumentiert Bernd Wachter, Generalsekretär der Caritas Österreich. Er fordert daher, dass in den Personalvorgaben und Leistungsentgelten aller Bundesländer sowohl SozialbetreuerInnen als auch Diplompflegepersonen mit Zusatzausbildungen (z.B. Wundmanagement, Demenz) gleichermaßen in Bezug auf ihre Qualifikation und ihr Gehalt berücksichtigt werden. Um Pflegeberufe attraktiver zu machen, muss die Politik auch die entsprechende Durchlässigkeit zwischen Pflege- und Sozialbetreuungsberufen sicherstellen, damit interessante berufliche Entwicklungen möglich werden. 

Gemeinsam wünschen sich die fünf BAG-Organisationen eine „Pflegekonferenz“, an der alle Beteiligten gemeinsam und mit frischem Wind an einer guten Zukunft für die Menschen mit Betreuungs- und Pflegebedarf arbeiten.