Niemand ist sprachlos! 26.Oktober = 6 Jahre UN-Konvention Menschen mit Behinderung

Dienstag, 28. Oktober 2014
Betroffene fordern ihr Recht auf Kommunikation und assistierende Technologien ein, Diakonie, Verbund und LIFEtool unterstützen sie dabei.
Betroffene fordern ihr Recht auf Kommunikation und assistierende Technologien ein, Diakonie, Verbund und LIFEtool unterstützen sie dabei.

Diakonie fordert Recht auf Kommunikation für Menschen mit Behinderungen

„Menschen mit Behinderungen sind nicht sprachlos. Sie werden aber sprachlos gemacht, weil die Finanzierung von Kommunikationsgeräten einem bürokratischen Hürdenlauf durch verschiedene öffentliche Stellen entspricht, der extrem schwierig zu organisieren ist,“ erinnert Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, heute vor dem Parlament an den 6. Geburtstag der ‚UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen‘. „Die Konvention macht klar – selbstbestimmtes Leben ist nur möglich, wenn man sich selbst ausdrücken kann, sei es durch Sprache, Gebärden oder elektronische Hilfsmittel.“

Diese Geräte sind aber in Österreich nicht so leicht zu bekommen. Einerseits sind viele verschiedene Behörden zuständig, und Organisations- bzw. Finanzierungswege daher sehr langwierig. Andererseits sind elektronische Geräte im Hilfsmittelkatalog der Sozialversicherungen schlicht nicht abgebildet, und daher oft nicht verfügbar.

Romana Malzer, Mutter einer Tochter mit Sprachbehinderung, bestätigt diese Problematik: „Um den richtigen Sprachcomputer für meine Tochter Isabella zu bekommen, musste ich nicht nur bei verschiedenen Behörden anklopfen, sondern auch viel Überzeugungsarbeit leisten, dass genau dieser Computer für sie richtig ist.“

Isabella, heute 11 Jahre alt, kommuniziert mit Hilfe eines Sprachausgabegerätes. Wie sie haben mehr als 60.000 Menschen in Österreich Beeinträchtigungen der Lautsprache, und sind so oft auf ihre Angehörigen angewiesen. Die Diakonie fordert daher rasche Maßnahmen, wie bereits im Regierungsprogramm und auch im Nationalen Aktionsplan Behinderung festgeschrieben.

„Die Regierung hat das Problem erkannt, und zum Beispiel bis 2016 eine zentrale Anlaufstelle für Hilfsmittel versprochen. Bislang konnten wir aber keine Aktivitäten dahingehend wahrnehmen. Die Regierung und das Parlament müssen endlich ihrer Verantwortung nachkommen,“ so Chalupka.

Um aber auch sofort helfen zu können, setzt sich der Stromanbieter Verbund für die Finanzierung von Geräten ein. Seit mittlerweile 5 Jahren ermöglicht der Verbund Empowerment Fund der Diakonie Menschen mit Behinderungen rasche und unbürokratische Hilfe, und finanziert Geräte und Beratung immer dort, wo die öffentliche Hand Lücken hinterlässt. In den Jahren 2009 bis 2014 konnten mithilfe des Einsatzes von 1,155 Millionen Euro Hilfsmittel und assistierende Technologien für rund 1.650 Menschen angeschafft werden. Zusätzlich konnten 7.350 Menschen zu dieser Problemlage beraten werden. Bei der heutigen Aktion vor dem Parlament waren auch MitarbeiterInnen des Verbund aus dem Facebook-Netzwerk „Freunde bei Verbund“ anwesend.