(Lebens-)Qualität bei Pflege und Betreuung sichern!

Montag, 20. November 2017
alte frau mit kleinem Hund
Gut leben mit Demenz. Bild: Christian Göltl/Diakonie)
Leben und Wohnen ins Zentrum rücken / Finanzierung sichern/ Pflegesystem umbauen
Bewohnerin einer Hausgemeinschaft der Diakonie mit ihrer Katze
Frau Urban lebt in einer Hausgemeinschaft der Diakonie in Graz (Foto: Rauch)

„Qualität in der Pflege für Alle“ - dafür plädiert Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich anlässlich der heutigen Präsentation des Berichts der Volksanwaltschaft zur 24h Pflege. Alte und pflegebedürftige Menschen dürfen nicht weiter buchstäblich am Rand bleiben. „Sie gehören in die Mitte der Gesellschaft. Deshalb müssen wir uns dringend gesellschaftspolitisch darüber unterhalten, wie wir die Gesellschaft des langen Lebens gut gestalten wollen – und wie wir ein Altern in Würde sichern“, so der Diakonie-Direktor.

Absicherung der Qualität in der Pflege: Wohnen ins Zentrum rücken

Unsere Gesellschaft ist individueller und heterogener, bunter und vielfältiger geworden. Diese Entwicklung trifft selbstverständlich auch auf Menschen im Alter zu. Für diese neuen Herausforderungen braucht es  dringend neue passende Antworten – und die sozialpolitischen Rahmenbedingungen dazu. „Internationale Beispiele gibt es dazu bereits zahlreich: Quartiersentwicklung, sozialräumliche Herangehensweisen, ambulant betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz, Community Care und vieles mehr. Betreuungen stundenweise am Abend und in der Nacht ist im mobilen Setting ein Gebot der Stunde. Die Anpassung der arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen ist dafür nötig“, erklärt Chalupka.

Deswegen ist die Kernfrage, bevor wir über Pflege reden: Wie kann ich Grätzel, Sozialraum und Wohnformen etablieren, damit ältere Menschen auch mit Behinderung oder Demenz dort leben können? Die Pflege, die dazu nötig ist, ist eine zusätzliche Dienstleistung.

Pflegesystem umbauen und Finanzierung sichern!

Ein Umbau des Pflegesystems und seiner Finanzierung sind notwendig, um zukünftig leistbare und gute Pflege möglich zu machen. Neben Geldleistungen braucht es Investitionen in ein breiteres und größeres Dienstleistungsangebot, um die Pflegelücke tatsächlich zu schließen. Pflege lohnt sich: 70% der Ausgaben in der Pflege fließen via Steuern und Sozialversicherung an die öffentliche Hand zurück (Wifo). Österreich investiert aber nur zögerlich in soziale Dienstleistungen.

Wohnen ist zentral - auch mit Demenz mitten im Leben

„Rücken wir das Wohnen wieder ins Zentrum, in den Alltag und überlegen wir, wie wir die Pflege und Betreuung zusätzlich organisieren.“ Deshalb sind neue Konzepte für individuelle Bedürfnisse pflegebedürftiger Menschen notwendig, betont die Diakonie, und nennt als Beispiele für neue Konzepte: „Es braucht Wohnräume, die Pflege alltagsnah ermöglichen und echte Wahlfreiheit für alle von Pflege Betroffenen schafft. Es ist an der Zeit, neue Perspektiven für die Pflege zu schaffen, die auch eine solidarische Absicherung des Pflegerisikos beinhalten.“