Internationaler Kindertag: 190.000 chronisch kranke Kinder in Österreich brauchen Unterstützung!

Freitag, 1. Juni 2018
Kindergesundheit: Damit alle gute Entwicklungsmöglichkeiten bekommen, müssen wir die Benachteiligung dieser Kinder in Kindergarten und Schule beenden
Kleines Kind schaut in den Spiegel
„In Österreich leben mehr als 190.000 Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, Allergien, Diabetes, Rheuma oder Stoffwechselstörungen“, so Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie, anlässlich des morgigen Weltkindertags. Diese krankheitsbedingten Veränderungen im Kindesalter stellen nicht nur das Kind und die Familie vor große Herausforderungen, sie verändern das gesamte Alltagsleben. „Damit alle Kinder gute Entwicklungsmöglichkeiten bekommen, müssen wir die Benachteiligung dieser Kinder in Bezug auf StützlehrerInnen und Assistenz beenden. Wir brauchen für eine gute Entwicklung gut ausgestattete Krabbelstuben und Kindergärten, Stützkräfte und Schulassistenz“, so Schenk.

Noah braucht mehr Betreuung als gesunde Kinder

Für Frau Seiser beispielsweise war es nicht leicht, einen Krabbelstubenplatz für ihren 2 ½ jährigen Sohn Noah zu finden. Denn Noah braucht mehr Betreuung als gesunde Kinder. Er leidet an einer chronischen Stoffwechselerkrankung. Nur mit gesicherter Betreuung kann Noah auch über Mittag in der Krabbelstube bleiben. Frau Seiser wäre dann nicht länger zur Halbtagsarbeit gezwungen. Als alleinerziehende Mutter mit einem kranken Kind ist es finanziell sehr eng.

Noah ist ein aufgeweckter Junge. Gemeinsam mit sieben anderen Kindern wird er halbtags in der Krabbelstube NIDO im Diakonie Zentrum Spattstraße in Linz betreut. Am liebsten spielt er mit den bunten Autos und dem Baukran. „Seit seiner Geburt leidet Noah an der Stoffwechselerkrankung Cystische Fibrose (CF). Bakterien und Keime, die für Gesunde keine Rolle spielen, können Noahs Lunge schädigen. Hygiene ist daher das Um und Auf“, erzählt Noahs Mama.

Mit Wasser herumspritzen oder in Pfützen springen soll Noah nicht. Das ist zu gefährlich wegen der Keime. Hygienemaßnahmen wie z.B. Händewaschen vor und nach dem Essen, nach dem Gartenbesuch oder nach der Toilette sind leicht zu beachten. Alle Spielsachen werden regelmäßig desinfiziert.

Kindergartenleiterin Claudia Narovnigg von der Diakonie-Spattstrasse beschreibt den Alltag mit Noah: „Jedes Kind hat seinen eigenen Teller, eigenes Besteck und einen eigenen Trinkbecher. Doch manchmal ist einfach das am reizvollsten, was am Teller eines anderen Kindes liegt. Noah soll nicht vom Teller oder mit dem Besteck eines anderen Kindes essen. Und weil sein Kalorienbedarf aufgrund der Erkrankung höher ist als bei anderen Kindern, ist es wichtig, ihn zum Essen zu motivieren.“

„Um Noah vor Keimen zu schützen, ist auf viele Details zu achten, sodass eine eigene Betreuungsperson nötig wäre. Schon mit Hilfe einer Stützkraft wäre eine Ganztagsbetreuung möglich. Stützkräfte können aber nur für Kinder mit Behinderung beantragt werden. Für die Betreuung chronisch kranker Kinder ist keine Stützkraft vorgesehen,“ erklärt Claudia Narovnigg. Andere Krabbelstuben haben es abgelehnt, Noah aufzunehmen.

Es gibt Aufgaben wie das regelmäßige Inhalieren mit Noah, die ohne Stützkraft nicht durchgeführt werden können. So muss Frau Seiser ihren Sohn mittags immer abholen. „Ich würde Noah gerne länger in der Krabbelstube lassen, weil er dort wirklich gut aufgehoben ist und sich wohlfühlt, aber dafür wäre eine Stützkraft nötig.“ Dann könnte sie auch endlich wieder arbeiten gehen. „Ich habe Verkäuferin gelernt und bin alleinerziehend. Da ich maximal 25 Stunden arbeiten kann, finde ich einfach keine Stelle. Für mich ist das ein Teufelskreis. In Deutschland ist das anders. Da ist die Betreuung nicht nur für Kinder mit Behinderung sondern auch für chronisch kranke Kinder gesichert“.

Medizinische Indikationen, die eine zusätzliche Betreuung erfordern (Beispiele):

  • Mukoviszidose / Cystischer Fibrose
  • Aids
  • Multiple Sklerose
  • Inkontinenz
  • Diabetes Mellitus
  • Morbus Crohn
  • Asthma
  • alle Arten von Krebs