Flüchtlingssituation in ganz Griechenland katastrophal

Montag, 21. Dezember 2020
Griechenland_KaraTepe
Griechenland_KaraTepe
Aufnahme von Flüchtlingen besser heute als morgen. Österreich hat Platz. Viele Gemeinden haben Hilfe angeboten

Derzeit richtet sich der Blick der Öffentlichkeit auf die unhaltbare Situation im Lager Kara Tepe auf Lesbos. Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser macht aufmerksam auf die Lage auf den anderen Inseln, denn „insbesondere auch auf Samos und Chios leben Schutzsuchende unter völlig unzumutbaren Bedingungen“, so Moser.

Inzwischen befinden sich in den Flüchtlingslagern auch viele Menschen, die bereits einen offiziellen Schutzstatus erhalten haben. Sie haben keinen Zugang mehr zu staatlicher Unterstützung, können aber auch die Inseln nicht verlassen.

Auf dem griechischen Festland bieten die meisten Flüchtlingslager zwar eine bessere Versorgung, als auf den Inseln. „Die Situation für Flüchtlinge mit offiziellem Schutzstatus ist jedoch auch dort katastrophal. Sie finden meist keinen Zugang zu Sozialleistungen. Tausende leben in Athen und Thessaloniki ohne Unterkunft und sind auf die Versorgung durch karitative Organisationen angewiesen“, so Moser.

Die Diakonie Katastrophenhilfe betreibt über ihre Partner Organisation EMT (Ecological Movement of Thessaloniki) ein Tages- und Gemeinschaftszentrum für Flüchtlinge in Thessaloniki im Nordosten Griechenlands. Rund 100 Personen werden hier täglich mit warmen Mahlzeiten und Hygiene-Artikeln versorgt. Es gibt Waschmaschinen und Waschräume, zudem eine Kleiderkammer mit Kleiderausgabe. „Wichtig ist in unseren Projekten immer, dass die Angebote auch bedürftigen Griechen offen stehen“, betont Moser. „Damit kann die Integration und das soziale Miteinander unterstützt werden“.

Österreich lehnt Aufnahme von Flüchtlingen bisher ab. Im Gegenteil.

Die österreichische Bundesregierung hat die Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland bisher abgelehnt. Im Gegenteil: Aus der Rechtsberatung der Diakonie wurde in diesen Wochen ein besonderer Fall berichtet.

Der 16 jähriger Abbas konnte im Herbst 2019 aus dem Lager Moria fliehen und hat sich bis nach Österreich durchgeschlagen. Nun hat Österreich rechtskräftig entschieden, dass er nach Griechenland zurückgeschoben werden soll. Was Abbas nicht wusste: Griechenland hatte ihm einen Flüchtlingsschutz zuerkannt. „In seinem Fall bedeutet das, dass er sich wohl in Kürze in Athen oder Thessaloniki ebenfalls in die Schlange der Obdachlosen vor der Essensausgabe einreihen wird müssen“, befürchtet die Diakonie.

„Aus der Sicht der Diakonie ist es völlig unvorstellbar in dieser Situation auch noch Menschen nach Griechenland zurückzuschicken“, betont Diakonie Direktorin, Maria Katharina Moser und appelliert an den Innenminister, Abbas in Österreich Schutz zu gewähren. „Die Bundesregierung muss ihre ablehnende Haltung zur solidarischen Aufnahme von Schutzsuchenden aus Griechenland überdenken, bevor in den Lagern Menschen erfrieren“.

"Es gibt in Österreich eine breite Welle von Hilfsangeboten, die offenbar von der Regierung noch nicht in genügendem Maße zur Kenntnis genommen wurden. Der Umsetzung darf sich niemand mehr in den Weg stellen“, so die Diakonie Direktorin abschließend.

Helfen helfen!

Für das Tageszentrum in Thessaloniki sammelt die Diakonie Katastrophenhilfe weiterhin Spenden. Alle Infos dazu gibt es hier.

Spendenkonto 
IBAN: AT07 2011 1800 8048 8500
Kennwort: Flüchtlingshilfe Griechenland