Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung: Digitale Teilhabe und Zugang zur Arbeitswelt muss ein Recht für alle sein

Montag, 3. Mai 2021
Lukas Binder arbeitet in der Datenerfassung. Er benutzt eine Augensteuerung (Foto: privat)
Lukas Binder arbeitet in der Datenerfassung. Er benutzt eine Augensteuerung (Foto: privat)
Deutschland macht es vor: Rechtsanspruch auf Kommunikationshilfen ist gelebte Praxis
Lukas Binder arbeitet in der Datenerfassung. Er benutzt eine Augensteuerung (Foto: privat)
Lukas Binder arbeitet in der Datenerfassung. Er benutzt eine Augensteuerung (Foto: privat)

Anlässlich des „Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ am 5. Mai startet die Diakonie in Kooperation mit VERBUND und LIFEtool erneut die Aktion #RechtAufKommunikation rund um die Themen unterstützte Kommunikation und technische Hilfsmittel für Menschen, die in ihrer Kommunikation eingeschränkt sind. Viele der rund 63.000 Betroffenen teilen sich mittels einer digitalen Kommunikationshilfe mit, z.B. einer Mund-Maus oder einer Augensteuerung für den PC. Für manche von ihnen ist ihr technisches Hilfsmittel auch der Weg, zu einem Arbeitsplatz zu kommen, und dort ihren Teil beizutragen.

„Digitale Hilfsmittel eröffnen Menschen mit Sprachbehinderung auch den Zugang zur Arbeitswelt, ohne den der Inklusionsgedanke nicht verwirklichbar ist“, unterstreicht Diakonie Direktorin Maria Katharina Moser.

Und Lukas B., der selbst mit mehrfachen Einschränkungen lebt sagt: „Ich lebe schon immer mit schweren Spasmen. Trotzdem gehe ich ganz normal arbeiten. Schon seit mehr als zehn Jahren arbeite ich in einem Krankenhaus in der Datenerfassung. Möglich ist das, weil ich statt einer herkömmlichen Maus eine Augensteuerung habe, mit der ich den Computer bediene. Durch den Blickkontakt steuere ich die Buchstaben in Millisekunden an. Damit schreibe ich flotter als manche Kollegen und Kolleginnen mit den Fingern“, erzählt Lukas B., und er ergänzt: „Ich wünsche mir, dass alle Menschen in Österreich Zugang zu solchen Technologien bekommen, die sie brauchen. So wie ich selbst.“

Digitale Teilhabe muss ein Recht für alle sein

Bis heute gibt es weder einen Rechtsanspruch auf Assistierende Technologien, noch eine Stelle, an die sich Betroffene wenden können. Gleichzeitig sind die bürokratischen Hürden enorm.

 „Digitale Teilhabe muss endlich ein Recht für alle sein. Es ist hoch an der Zeit, den Rechtsanspruch auf technische Hilfsmittel für Menschen mit Sprachbehinderung umzusetzen“, fordert Diakonie Direktorin Moser.  „Am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung wollen wir einmal mehr darauf aufmerksam machen: Geben wir Menschen mit Schwierigkeiten bei der Lautsprache eine Stimme, anstatt sie sprachlos zurück zu lassen. Die Technologie dafür gibt es, sie muss zugänglich gemacht werden“, so Moser.

Deutschland macht es vor

Österreich sollte sich in Sachen Hilfsmittel und Unterstützte Kommunikation an Deutschland orientieren, empfiehlt die Diakonie. „In Deutschland gibt es – anders als in Österreich – laut Sozialgesetzbuch einen Anspruch auf assistierende Technologien und Kommunikationsgeräte“, erklärt Moser.

Die Befürchtung, dass das eine Kostenexplosion für die Kassen darstellt, bewahrheitet sich nicht: Die Ausgaben für Unterstützte Kommunikation liegen in Deutschland im Promill-Bereich, genau gesagt machen sie 0,026% der Gesamtgesundheitsausgaben aus. „Die Unterstützung von Menschen mit Kommunikationseinschränkungen ist leistbar und sprengt keine Budgets“, so Moser. 

Seit über 10 Jahren bietet die Diakonie mit „LIFEtool“ Menschen mit Behinderung Beratung zu Assistierenden Technologien und Unterstützter Kommunikation sowie zu ihrer Finanzierung. Unterstützt wird das Beratungsnetzwerk von VERBUND, mit dessen Hilfe auch ein Soforthilfefond für Betroffene eingerichtet werden konnte. Gemeinsam fordern VERBUND und Diakonie den Rechtsanspruch auf Assistierende Technologien.

„Ziel der Diakonie auch in der Kooperation mit VERBUND ist weiterhin, in Österreich endlich das umzusetzen, was in Deutschland schon gelebte Praxis ist: einen geregelten Verfahrensablauf und einen Anspruch auf Kommunikationshilfen“, unterstreicht auch Michael Strugl, stellvertretender Vorstandsvorsitzender VERBUND.