Ergebnisbericht Taskforce Pflege: „63 Punkte müssen zu einem grundlegenden Umbau des Systems Pflege führen“

Dienstag, 16. Februar 2021
Pflegereform
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Moser: Es genügt nicht, einzelne Lücken zu stopfen

„Der Ergebnisbericht des Task Force Pflege zeigt, wie umfassend der Reformbedarf ist. Was es jetzt braucht, ist ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Pflegereform“, betont die Diakonie Direktorin Maria Katharina Moser. Der Bericht sei, wie sein Name schon sagt, ein Ergebnisbericht, der viele Maßnahmenpakete nebeneinander stellt. In diesem Sinne spiegle der Bericht auch das Grundproblem, das er selbst benennt: „Österreich weist ein sehr heterogenes System in der Pflegevorsorge auf, insbesondere in Bezug auf Zuständigkeiten für Finanzierung, Planung und Umsetzung.“

„Jetzt geht es darum, nicht an einzelnen Baustellen das eine oder andere zu sanieren, sondern eine vernünftige Gesamtarchitektur für die Pflegereform zu erarbeiten“, fordert Moser. Die Maßnahmen in den verschiedenen Bereichen – Personal, bedarfsgerechte Angebote, Unterstützung pflegender Angehöriger und Finanzierung – „müssen sinnvoll ineinandergreifen“.

Reformmodell muss Menschen gerecht werden und gleichzeitig wirtschaftlich sein

„Das künftige Pflegesystem muss den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden und dabei auch wirtschaftlich sein“, so Moser. Das aktuelle System basiere auf den beiden Säulen Pflegeheim oder mobile Pflege. Weil das Angebot dem Bedarf und den Bedürfnissen der Betroffenen nicht gerecht werde, bleibe oft nur das Heim als Lösung. Das sei „oft viel zu früh und diejenige Lösung, welche die Betroffenen nicht wollen und die volkswirtschaftlich die teuerste ist."

Als einen Lösungsweg schlägt die Diakonie mit „SING – Seniorenarbeit innovativ gestalten“ ein Reformmodell vor, das den Ausbau von bedarfsgerechten Dienstleistungen mit einer neuen Finanzierungslogik verbindet. So werde „nicht nur die Autonomie der Pflegebedürftigen erhöht, auch die zu erwartende Steigerung der Kosten für die Pflege kann abgeflacht werden“, unterstreicht  Moser.

Das Besondere am Konzept SING ist, dass PflegegeldbezieherInnen einen Teil ihres Pflegegeldes in einen sachleistungsbezogenen „Autonomiebeitrag“ umwandeln und damit Dienstleistungen beziehen können, die ihnen ermöglichen, weiterhin zu Hause zu leben. - Der andere Teil des Pflegegeldes bleibt zur persönlichen Verfügung. Währenddessen überlegen sogenannte PflegelotsInnen gemeinsam mit den Betroffenen, wie sie leben wollen, welche Unterstützung sie dafür brauchen und welche Dienstleistungen es gibt.

„Das Konzept ermöglicht, dass nicht mehr zentral normierte Angebote Jahre im Voraus geplant werden, sondern soziale Dienstleistungen bedürfnisgerecht entwickelt werden können. Und dies eng vernetzt mit Angehörigen und freiwillig Engagierten“, ergänzt Diakonie-Expertin und SING-Erfinderin Daniela Palk.