Dialogforum Sterbehilfe: Diakonie fordert Rechtsanspruch auf Hospiz- und Palliativversorgung

Freitag, 30. April 2021
Moser: nicht nur den Freiheitsraum, sterben zu dürfen, sondern auch den Freiheitsraum, leben zu können

"Man kann nicht über eine rechtliche Regelung des assistierten Suizids reden, ohne gleichzeitig über einen Rechtsanspruch auf Palliativ- und Hospizversorgung zu sprechen", betont Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser anlässlich des Abschlusses des "Dialogforums Sterbehilfe", das diese Woche im Justizministerium stattgefunden hat. Moser hebt positiv hervor, dass Verfügbarkeit und Ausbau der Palliativversorgung als wichtiger Punkt auf der Tagesordnung des Dialogforums standen. Jetzt müssten den Beratungen konkrete Maßnahmen zum Ausbau folgen.

Im Dezember hatte der Verfassungsgerichtshof das ausnahmslose Verbot des assistierten Suizids als verfassungswidrig aufgehoben. Der Gesetzgeber ist nun gefordert, bis Jahresende eine verfassungskonforme rechtliche Regelung zu finden. Im Zentrum der Beratungen seien unter anderem das Recht auf Selbstbestimmung und die Absicherung der freien Willensentscheidung der Betroffenen gegen Druck und Missbrauch gestanden, so die Diakonie-Direktorin. "Selbstbestimmung und freie Willensbildung sind voraussetzungsvoll", so Moser, "sie bedürfen nicht nur der umfassenden Information, sondern vor allem auch signifikanter Optionen, um tatsächlich eine Wahl zu haben. Eine Wahl aber haben Menschen nur, wenn sie sich darauf verlassen können, in der letzten Lebensphase gut behandelt und begleitet zu werden. Das muss durch einen Rechtsanspruch auf Hospiz- und Palliativversorgung sichergestellt werden."

Regelfinanzierung statt Spenden

Obwohl die Parlamentarische Enquete „Würde am Ende des Lebens“ 2015 einen verbindlichen Stufenplan für den flächendeckenden Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung bis zum Jahr 2020 empfohlen habe, gebe es immer noch „viele Lücken“. "Und das wo wir wissen, dass Schmerztherapie, Symptomlinderung und umfassende Hospizbegleitung das wirksamste Mittel zur Suizidprävention sind", kritisiert Moser. Sie sieht das Problem vor allem in der Finanzierung: „Die Diakonie fordert bereits seit Jahren die Überführung der Hospiz- und Palliativversorgung in die Regelfinanzierung“, so Moser. „Als Diakonie legen wir in unseren Einrichtungen größten Wert darauf, Menschen in ihrer letzten Lebensphase gut zu begleiten. Es kann nicht sein, dass wir für diese wichtige Arbeit auf Spenden angewiesen sind“, appelliert Moser.

Hospiz- Palliativversorgung - flächendeckende Weiterbildungen finanzieren

Entscheidend ist für die Diakonie, dass Palliativ- und Hospizversorgung leicht und niederschwellig zugänglich ist. Daher müsse der Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung insbesondere HausärztInnen sowie Alten- und Pflegeheime in den Bick nehmen, fordert die Diakonie. 80 bis 90 Prozent der Hospiz- und Palliativversorgung erfolgt durch die Grundversorgung, das heißt durch Hausärzte und -ärztinnen, mobile Dienste, Langzeitpflegeeinrichtungen und Krankenhäuser. Nur in den restlichen Fällen ist eine spezialisierte Hospiz- und Palliativversorgung erforderlich. „Hausärzte und -ärztinnen sind die Schnittstelle zwischen Patient*innen und Angeboten der Hospiz- und Palliativversorgung“, erklärt Moser. „Hier braucht es Schulungen und Weiterbildungen.“ Ein wichtiger Bereich dabei sei die Behandlung von Schmerzen. „Unsicherheiten beim Schmerzmanagement führen dazu, dass Patient*innen mitunter keine ausreichende Schmerztherapie erhalten."

Für die Alten- und Pflegeheime wünscht sich die Diakonie-Direktorin Unterstützung durch die öffentliche Hand: "Wir haben in unseren Häusern Palliative Care und Hospizkultur etabliert und schulen dazu unser Personal von der Reinigungskraft über die Pflegekräfte bis zu Hausleitung. Die Kosten für diese Fortbildung müssen wir aber selbst tragen."

„Gesellschaft und Staat stehen in der Verantwortung, durch gute flächendeckende Hospiz- und Palliativversorgung Bedingungen zu schaffen, die Menschen wirkliche Optionen eröffnen und sie nicht in Sterbewünsche drängen. Echte Selbstbestimmung braucht nicht nur den Freiheitsraum, sterben zu dürfen, sondern auch den Freiheitsraum, leben zu können“, so Moser abschließend.

Wir bitten Sie um Spenden

Damit wir beispielsweise für unsere Ehrenamtlichen gratis Weiterbildung im Bereich Hospizbegleitung anbieten können, bitten wir Sie um Spenden: 
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