Diakonie zu Regierungsklausur: Soziale Investitionen zahlen sich aus - Großes Wachstumspotenzial

Donnerstag, 25. September 2014
Lernbetreuung bei INTO Wien, Diakonie Flüchtlingsdienst. © Regina Hügli/ Diakonie FD
Lernbetreuung bei INTO Wien, Diakonie Flüchtlingsdienst. © Regina Hügli/ Diakonie FD
Diakonie erinnert an Regierungsprogramm / Pflege, Kinder, Bildung als Motor von Beschäftigung & Konjunktur

„Anlässlich der morgen beginnenden Regierungsklausur fordert die Diakonie Sozial- und Wirtschaftsminister auf, die Potenziale für uns alle bei Pflege, Kinderbetreuung, Bildung und sozialen Hilfen nicht zu übersehen. Denn die letzten Jahre haben gezeigt: die Sozialwirtschaft ist Motor für Beschäftigung und Konjunktur in Europa,“  betont Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie Österreich. „Soziale Investitionen zahlen sich aus. Insgesamt entstehen bei Kinderbetreuung und Pflege Win-Win-Situationen zwischen Familieneinkommen, Arbeitsplätzen, Stärkung strukturschwacher Regionen, Frühförderung von Kindern und Entlastung Angehöriger. Österreich liegt mit seinen Sozialdienstleistungen unter dem EU-Durchschnitt. Hier gibt es viel ungenütztes Potential, das wir nicht brach liegen lassen sollten“, so Schenk.

Erinnerung an Regierungsprogramm: Jugend, Frühe Hilfen, Gemeinnützigkeit

Im Regierungsprogramm wird im Kapitel „Wachstum und Beschäftigung“ besonders auf Jugendprojekte, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die großen Lücken sozialer Dienste im ländlichen Raum verwiesen. Im Kapitel „Österreich fit für die Zukunft machen“ sind Gesundheitsförderung für Kinder, die Stärkung von frühen Hilfen und der Ausbau außerschulischer Jugendarbeit angeführt. Weiters haben sich die Regierungspartner auf eine Verbesserung der Pflege, und im Kapitel „Staatsreform und Demokratie“ auf eine Stärkung der Gemeinnützigkeit und der Bürgermitbestimmung verpflichtet.

Ein Viertel des gesamten Beschäftigungszuwachses in Europa

Laut Europäischer Kommission ist die Beschäftigung im Gesundheits- und Sozialbereich stärker gewachsen als in anderen Bereichen der Wirtschaft. Seit 2000 stieg die Zahl der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialsektor in Europa um 4,2 Millionen Menschen, das ist ein Viertel des gesamten Beschäftigungszuwachses in der europäischen Wirtschaft. Dieser Wirtschaftssektor generiert zudem etwa 5 % der gesamten wirtschaftlichen Leistung in Europa.
Das hat jetzt auch die EU-Kommission aktiviert. In einer eigenen Empfehlung für ein „social investment package“ fordert sie die Mitgliedsstaaten auf, in soziale Dienstleistungen zu investieren.

„Die Hilfen für die Pflege der Oma, die Assistenz für Menschen mit Behinderungen oder die Betreuung unserer Kinder sorgen für Wachstum, stabilisieren die Wirtschaft und stiften sozialen Ausgleich“, so Sozialexperte Schenk. „Sie haben Wachstumsfunktion bei Beschäftigung. Sie haben stabilisierende Funktion, weil sie Teilhabe sichern und Nachfrage über den Konjunkturzyklus bereitstellen. Sie wirken als „automatische“ Stabilisatoren: während Industrieproduktion, Exporte und Investitionen in Folge der Finanzkrise in Österreich stark gesunken sind, ist einzig der Konsum der privaten Haushalte stabil geblieben. Und sie erfüllen die Funktion des sozialen Ausgleichs. Besonders Pflege, Kinderbetreuung und Bildung reduzieren das Armutsrisiko und helfen den Schwächeren“, so Schenk abschließend.