Diakonie zu Pflegereform: Hospiz und Palliativversorgung muss sichergestellt werden

Donnerstag, 29. Oktober 2020
"Das Sterben ist die letzte große Herausforderung, der wir uns im Leben stellen müssen, vielleicht sogar die größte." (Foto: Gerhard Maurer)
"Das Sterben ist die letzte große Herausforderung, der wir uns im Leben stellen müssen, vielleicht sogar die größte." (Foto: Gerhard Maurer)
Menschen in der letzten Phase des Lebens nicht allein lassen
"Das Sterben ist die letzte große Herausforderung, der wir uns im Leben stellen müssen, vielleicht sogar die größte." (Foto: Gerhard Maurer)

„Das Sterben ist die letzte große Herausforderung, der wir uns im Leben stellen müssen, vielleicht sogar die größte. Hospiz und Palliativversorgung unterstützen Menschen dabei, dass sie diese Herausforderung gut bewältigen können. Gut, das heißt: ganzheitlich begleitet, ohne Schmerzen, möglichst in vertrauter Umgebung“, sagt die Direktorin der Diakonie Österreich, Maria Katharina Moser, anlässlich von Allerheiligen und Allerseelen.  

Obwohl die Parlamentarische Enquete „Würde am Ende des Lebens“ 2015 einen verbindlichen Stufenplan für den flächendeckenden Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung bis zum Jahr 2020 empfohlen habe, gebe es immer noch „viele Lücken“. Hier erwartet sich die Diakonie von der Pflegereform entscheidende Schritte: „Palliativ und Hospizversorgung müssen, wie auch im Regierungsprogramm vorgesehen, in die Regelfinanzierung überführt werden.“

Ein konsequenter Hospiz-Palliativ-Ausbau würde auch die Sterbehilfedebatte in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Moser zieht auch eine Verbindungslinie zur Debatte rund um den aktuell beim VfGH anhängigen Antrag auf Prüfung der Verfassungsgemäßheit des Verbots der Beihilfe zur Selbsttötung sowie der Tötung auf Verlangen.

„In dieser Diskussion wird immer wieder Bezug genommen auf das Recht, in Würde zu sterben. Die einen sehen das Recht auf Sterben in Würde verwirklicht, wenn aktive Sterbehilfe strikt verboten bleibt, die anderen, wenn aktive Sterbehilfe erlaubt wird. Sterben in Würde hängt aber wesentlich von sozialen Rahmenbedingungen ab. Es ist ein Unding, über Verbote oder Liberalisierung zu diskutieren, solange die Versorgungslandschaft in Palliativmedizin, Schmerztherapie und Sterbebegleitung nicht so ausgebaut ist, dass sich Mensch in der letzten Lebensphase darauf verlassen können, gut behandelt und begleitet zu werden“, erklärt die Diakonie-Direktorin.

„Gesellschaft und Staat stehen in der Verantwortung, durch gute flächendeckende Palliativversorgung und Suizidprävention Bedingungen zu schaffen, die Menschen wirkliche Optionen eröffnen und sie nicht in Sterbewünsche drängen. Echte Selbstbestimmung braucht nicht nur den Freiheitsraum, sterben zu dürfen, sondern auch den Freiheitsraum, leben zu können“, so Moser abschließend.