Diakonie in Sorge um Kindergesundheit: Corona-Krise kränkt die Kinderseele.

Montag, 8. Februar 2021
Kinder brauchen Hilfe, wenn sie mit ihrem Alltag und mit sich selbst nicht mehr zu Recht kommen (© Stock.adobe.com - Tatyana Gladskih).
Kinder brauchen Hilfe, wenn sie mit ihrem Alltag und mit sich selbst nicht mehr zu Recht kommen (© Stock.adobe.com - Tatyana Gladskih).
Psychische Probleme wie Kopfschmerzen, Einschlafschwierigkeiten, Niedergeschlagenheit und Essstörungen nehmen zu. Gerade jetzt brauchen Kinder Unterstützung und Begleitung.
Kinder brauchen Hilfe, wenn sie mit ihrem Alltag und mit sich selbst nicht mehr zu Recht kommen (© Stock.adobe.com - Tatyana Gladskih).
Kinder brauchen Hilfe, wenn sie mit ihrem Alltag und mit sich selbst nicht mehr zu Recht kommen (© Stock.adobe.com - Tatyana Gladskih).

"Die Corona-Krise führt zu schweren Belastungen und bringt Kinder und Jugendliche massiv unter Druck", warnt die Diakonie angesichts aktueller Erfahrungen aus ihrer Kinder- und Jugendarbeit. "Die Folgen der Corona-Krise kränken die Kinderseele". Auch die verfügbaren Daten sprechen eine klare Sprache: "Einschlafprobleme, Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit, und Bauchschmerzen nehmen zu. 34% der Kinder leiden unter Niedergeschlagenheit, 40% äußern Kopfschmerzen, 44% haben Schlafprobleme.", zitiert die Diakonie die Ergebnisse der Copsy-Studie.

Die Anzeichen einer Angststörung stiegen von 15 auf 24 Prozent, hinsichtlich depressiver Symptome gaben 58 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, dass sie an einzelnen Tagen keine Freude oder Interesse haben, etwas zu tun. Das Risiko für psychische Auffälligkeiten insgesamt kletterte von rund 18 Prozent während der Corona-Krise auf 30 Prozent. "Verschärft wird die Situation der Kinder durch beengtes Wohnen und geringes Einkommen im Haushalt", warnt die Diakonie vor einer Verschlechterung der Kindergesundheit in Österreich. (siehe Grafik - Corona kränkt Kinderseele - Zahlen (COPSY Studie 2020)

Therapeutisch antworten - Sozial antworten

"Kinder brauchen Hilfe, wenn sie mit ihrem Alltag und mit sich selbst nicht mehr zu Recht kommen". Die Diakonie antwortet "therapeutisch mit dem Angebot heilender Beziehungen, mit der Erfahrung wertschätzender und sicherer Bindung". Und wir müssen "sozial antworten“ mit dem „Einsatz für finanzielle Existenzsicherung, Zukunftschancen für alle Kinder und gesellschaftlicher Teilhabe", so die Diakonie Direktorin Maria Katharina Moser.

Beengtes Wohnen, Existenzsorgen, Versagensängste oder unsichere Beziehungen in der Familie lösen großen, schlechten Stress aus. Die Corona-Situation greift auf vielen wichtigen Ebenen die Basis an, die für eine gesunde Entwicklung wichtig ist. Kinder werden in ihrem natürlichen Neugierverhalten gebremst; körperliche und soziale Nähe ist eingeschränkt, die Eltern sind belastet. Auch Großeltern oder andere ausgleichende Personen im Umfeld stehen nicht mehr zur Verfügung. Zusätzlich machen finanzielle Sorgen und drohende Armut Druck.

Mir fehlen meine Freunde. Ich halte das Alleinsein nicht mehr aus. Wenn das noch lang so weitergeht, dreh ich durch
Paul (15), möchte eine Lehre machen

Paul ist 15 Jahre und möchte eine Lehre als Elektriker machen. Jetzt ist er im letzten Schuljahr. Die Familienberatung der Diakonie in Linz steht ihm zur Seite. Mit dem Alleinsein und dem Homeschooling kommt er nicht gut zurecht. "Ich bin den ganzen Tag lang allein in meinem Zimmer. Es ist nicht leicht, mich zu motivieren. Meine Eltern können mir auch nicht helfen und ich will das auch nicht. Aber ich komm nicht mehr mit beim Unterricht. Deshalb will ich auch nicht mehr in die Schule gehen. Mir fehlen meine Freunde. Ich halte das Alleinsein nicht mehr aus. Wenn das noch lang so weitergeht, dreh ich durch."

Depressive Symptome und Essstörungen

„Depressive Symptome treten jetzt bei etwa 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung auf“, zitiert die Diakonie aktuelle Erhebungen der Donau-Universität Krems. Vor der Corona-Pandemie lag dieser Wert noch bei vier Prozent. Auch Angstsymptome oder Schlafstörungen sind auf dem Höchststand von 16 Prozent. Besonders stark davon betroffen sind junge Leute, Frauen, Alleinlebende und Menschen ohne Erwerbsarbeit. Untersuchungen weisen weiters darauf hin, dass in der Pandemie Essstörungen zunehmen. Bei PatientInnen verstärkt sich der Drang und die Perioden der Essattacken.

So hilft die Diakonie

Diakonie Wohngruppe „Kaya“ für junge Menschen mit Essstörungen in Linz

Diakonie Familienberatung (OÖ)

Therapiezentrum forKIDS der Diakonie in Kitzbühel

Wohngruppen der Diakonie für Kinder und Jugendliche in Kärnten

Zitierte Quellen:

  • COPSY-Studie (2020).
  • Comparing Mental Health during COVID-19 Lockdown and Six Months Later in Austria: A Longitudinal Study (2020), Donau-Universität.
  • Early Impact of COVID-19 on individuals with self reported eating disorders (2020).