Diakonie: „Better Start“ für Schwangere und junge Mütter ohne Krankenversicherung

Mittwoch, 29. Juni 2016
Pressetermin Projekt "Better Start" von AmberMed ©Diakonie Flüchtlingsdienst
Pressetermin Projekt "Better Start" von AmberMed ©Diakonie Flüchtlingsdienst

Frauen mit Migrationshintergrund vom Gesundheitssystem schlecht erreicht

Die Erfahrung von AmberMed, einer medizinischen Ambulanz für Unversicherte von Diakonie und Rotem Kreuz, zeigt, dass schwangere Frauen und junge Mütter mit Migrationshintergrund vom Gesundheitssystem nicht oder nur unvollständig erreicht werden.

„Viele unserer Patientinnen müssen zahlreiche  Hürden überwinden, um  zumindest eine Basisversorgung zu erhalten: Sprachbarrieren, Informationsmangel, fehlende Aufenthaltserlaubnis, fehlende Krankenversicherung etc. Viele haben kein regelmäßiges Einkommen und  leben unterhalb der Armutsgrenze. Oft leiden sie auch unter Fluchterfahrung, familiärer Mehrfachbelastung oder Gewalt“, betont Carina Spak, Leiterin der Diakonie Ambulanz.

„Better Start“ ist ein Projekt von AmberMed, das noch bis Ende Juni läuft und anschließend in den Regelbetrieb übergeht. Seit Anfang 2015 werden Schwangere und junge Mütter gezielt unterstützt. Sie sind eingeladen sich aktiv zu beteiligen und die Projektinhalte mitzugestalten. AmberMed stellt dabei den Rahmen für die Bildung und das Empowerment von Frauengruppen zur Verfügung. Ein Expertinnen-Netzwerk aus Hebammen, Stillberaterinnen, Psychologinnen und Gesundheitscoaches, sowie Dolmetscherinnen in Bulgarisch, Russisch, BKS-Sprachen, Rumänisch, Chinesisch und Englisch begleitet die Frauen.

Dr. Monika Matal, Gynäkologin und ärztliche Leiterin von AmberMed ist überzeugt: „Es ist entscheidend, Krankheiten früh zu erkennen und zu behandeln. Das vermeidet Komplikationen in der Zukunft. Schwangerenbetreuung fördert das Gesundheitsbewusstsein nicht nur für Mutter und Kind, es profitiert die ganze Familie.“

Ergebnisse, Lernerfahrungen und Empfehlungen

Im Projektzeitraum nahmen  ca. 150  Frauen und ihre Neugeborenen die Angebote von „Better Start“ in Anspruch.  Insgesamt wurden Teilnehmerinnen aus 30 Nationen im Alter von 16 – 46 Jahren verzeichnet. „Die Erfahrung zeigt, dass oft gravierende soziale Probleme das Leben der Frauen dominieren“, berichtet Carina Spak von der Diakonie. Dies betrifft auch viele Frauen, die als Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind. Auch für Sie steht das Angebot offen und vor allem die intensive Hebammenberatung wird in Wiener Asylwerber-Häusern sehr geschätzt.

„Wichtig ist aber, dass alle Frauen bei „Better Start“ das Thema Mutterschaft verbindet. Deshalb fühlen sie sich jetzt durch den Erfahrungsaustausch und die Vernetzung innerhalb der Gruppen gestärkt. Der Kontakt zu den Expertinnen vermindert außerdem Ängste und schafft ein positives Lebensgefühl. Wir können wirklich sagen, dass sie damit einen „Better Start“ für Mutter und Kind haben“, betont Spak.

Informationsmaterial in mehreren Sprachen

„Better Start“ verbreitet außerdem eine Broschüre in mehreren Sprachen, die über weitere kostenlose und niederschwellige, oft auch mehrsprachige Wiener Angebote für Schwangere und junge Mütter informiert, die auch für Unversicherte zugänglich sind (Download unter www.amber-med.at). Zur Sensibilisierung für das Thema und zur Information wurde der Folder an über 1.000 niedergelassene GynäkologInnen, Hebammen und Geburtshilfestationen in Wien, NÖ und Bgld versandt.

„Wir sind froh, dass das Projektangebot von „Better Start“  ab 30. Juni dank vieler KooperationspartnerInnen in den Regelbetrieb von AmberMed übergehen kann“, bedanken sich die AmberMed-Träger Diakonie und Rotes Kreuz bei allen UnterstützerInnen. „Nur durch die Hilfe   von vielen ehrenamtlich Tätigen  sowie Organisationen wie die „Wiener Tafel“, „Hunger auf Kunst und Kultur“ können wir das Angebot für die Frauen weiterhin garantieren“, so Carina Spak abschließend.