Diakonie: Altersarmut in Österreich verringern! 53.000 Menschen betroffen.

Mittwoch, 18. Februar 2015
Symbolbild einer Geldbörse, die zeigt, dass alleinstehende Frauen in der Pension besonders armutsgefährdet sind. Jede Vierte Frau ist in Österreich von Altersarmut bedroht.
Besonders armutsgefährdet sind alleinstehende Frauen in der Pension. Jede Vierte Frau ist in Österreich von Altersarmut bedroht.

Eine von vier alleinstehenden Frauen im Alter ist von Armut bedroht.

„Armutsbetroffene Menschen sind im Alter öfter krank und pflegebedürftig als Ältere mit hohen Pensionen. Aber sie haben gleichzeitig weniger Geld zur Bezahlung sozialer Dienstleistungen zur Verfügung“, macht Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, anlässlich der nächste Woche stattfinden Armutskonferenz auf einen wenig diskutierten Aspekt von Armut aufmerksam.

Besonders armutsgefährdet sind alleinstehende Frauen in der Pension. „Hier ist in Österreich jede vierte von Altersarmut bedroht. Und was die Armut im höheren Alter besonders schwierig macht, ist der Umstand, dass Armut die Menschen krank macht und sie im Alter schneller pflegebedürftig werden“, betont Michael Chalupka. Denn besonders Menschen unterer Einkommensschichten sind im Durchschnitt gesundheitlich so sehr eingeschränkt, dass sie in ihren lebensnotwendigen Tätigkeiten auf fremde Hilfe angewiesen sind. 226.000 - das sind 12% aller Menschen über 65 Jahre - in Österreich sind von Einkommensarmut betroffen. Davon sind 53.000 (4%) manifest arm. Sie leiden besonders unter der schlechten Wohnsituation, dem mangelnden finanziellen Spielraum, sozialer Isolation und einem erhöhten Risiko zu erkranken.

Österreich liegt mit der Altersarmut unter dem OECD-Schnitt. Das weist auf die präventive Wirkung des Sozialstaats hin. Neue Entwicklungen dürfen aber nicht übersehen werden. Prekäre Lebensverhältnisse nehmen zu. Und die demographischen Veränderungen stellen uns vor neue Herausforderungen. Für alte Menschen mit geringem Einkommen ist die Finanzierung guter, wohnortnaher und vertrauter Pflegebetreuung die zentrale Frage. Die Kosten dafür müssen daher auch solidarisch finanziert werden. Sonst haben wir die gute Pflege für Reiche und die schlechte für Arme.

Ein Pflegenetz, das trägt

Ein Pflegenetz, das über die Familie hinaus reicht, wirkt entlastend und reduziert soziale Ungleichheiten. Wir brauchen ein Pflegenetz, das trägt. An Modellen mangelt es dabei nicht, die Palette an Möglichkeiten reicht von Besuchsdiensten über Kurzzeitaufenthalte und Teilzeitbetreuung bis zur Übergangspflege, Tageszentren und betreutem Wohnen etc. Ab 65 Jahren wächst die Bedeutung des Pflegegeldes für die Betroffenen. „Pflegegeld kann helfen den finanziellen Mehraufwand für Pflege abzufangen und damit ein Stück weit die Einkommensarmut mindern“, so Chalupka. „Allerdings ist in den 20 Jahren seines Bestehens das Pflegegeld bereits um ein Viertel in seinem Wert gesunken, weil es nicht entsprechend valorisiert wird. Hier erspart sich der Staat Österreich jedes Jahr Hunderte Millionen Euro auf dem Rücken von alten und behinderten Menschen,“ so Diakonie Direktor Chalupka weiter.

Selbstbestimmtheit alt werden

Die Diakonie fordert deshalb eine Valorisierung des Pflegegeldes, denn, „in der Familie mit Pflegebedürftigkeit konfrontiert zu werden, kann jeder und jedem passieren“, so Chalupka. Wichtig ist auch, dass für alte Menschen sozialräumliche Bedingungen geschaffen werden, die es ihnen erlauben, sich ihre Selbstbestimmung erhalten zu können. „Besonders alleinstehende ältere Frauen profitieren von guter Gemeinwesenarbeit in ihrer Wohnraumumgebung. Wichtig sind ambulante medizinische und pflegerische Versorgung, sowie Angebote für Geselligkeit und Teilhabe“, betont Chalupka abschließend.