Diakonie: 43000 Kinder, die ihre Eltern pflegen, brauchen Unterstützung.

Donnerstag, 12. April 2018
Buchautorin Maja Roedenbeck „Kindheit im Schatten“ heute in Wien / Neues Patenprojekt der Diakonie
Buch Kindheit im Schatten
Maja Roedenbeck, Kindheit im Schatten, Ch. Links Verlag

Menschen, die als Kind einen kranken Elternteil hatten – körperlich, psychisch oder suchtkrank –, machen ihre schwierige Kindheit oft erst im Erwachsenenalter zum Thema.

Maja Roedenbeck, Buchautorin und Mitarbeiterin der Diakonie Deutschland, erzählt die berührende Geschichte ihrer Familie und versammelt zahlreiche Stimmen von Betroffenen sowie Ratschläge von ExpertInnen. Ihr Buch hilft, die Schatten der Kindheit anzunehmen und macht Mut, das eigene Leben zu leben. Wir stellen es heute Abend in Wien vor.

„43.000 Kindern und Jugendliche erledigen tagtäglich pflegerische Aufgaben, für die sie weder psychisch noch körperlich in der Lage sind. Es ist nicht hinzunehmen, dass die Pflege in Österreich derzeit nur unter Mithilfe dieser jungen Menschen aufrechterhalten werden kann“, kritisiert Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie Österreich. Das Durchschnittsalter der Kinder liegt bei 12 Jahren, 70 % sind Mädchen.

Die Kinder helfen im Haushalt, beim Waschen, beim Kochen, gehen einkaufen, spazieren oder unterstützen bei behördlichen Wegen. Sie helfen bei der Körperpflege und bei Medikamenten. Manche sind einfach nur öfter zu Hause, für den Fall, dass etwas passiert und Hilfe benötigt wird. Häufig stehen sie mit den Erfahrungen, die sie täglich machen, alleine da und wissen nicht, wie sie mit belastenden Situationen umgehen sollen.

trauriges mädchen mit teddy
Kinder psychisch belasteter Eltern haben es schwer (Bild: DmitriMaruta/getty images)

Kinder psychisch belasteter Eltern – neues Patenprojekt der Diakonie

Die psychische Belastung oder Erkrankung eines Elternteils kann auch das Kind vor große Herausforderungen stellen. Manchmal leidet es unter Ängsten und Schuldgefühlen, fühlt sich allein gelassen oder übernimmt viel Verantwortung. Zudem steigt das Risiko, später selbst zu erkranken.

Das Patenfamilienprojekt von Miteinander leben in Kooperation mit der Diakonie de La Tour möchte die gesunde Entwicklung der betroffenen Kinder fördern, indem sie neue Erfahrungen in einem unbelasteten und stabilen Umfeld machen können. Patin oder Pate verbringen mit Ihrem Patenkind einmal wöchentlich Zeit und haben die Bereitschaft, das Kind bei einem notwendigen stationären Aufenthalt des Elternteils vorübergehend bei sich aufzunehmen. Die Kinder erleben dadurch Schutz und Sicherheit, ohne zu fürchten, von den leiblichen Eltern getrennt zu werden. Sowohl Herkunftsfamilien als auch Patenfamilien werden zusätzlich durch ein Netzwerk von Experten begleitet.

Das Kind erlebt Bindungsstabilität und Sicherheit und lernt einen offenen Umgang mit der Erkrankung der Eltern. Für die Eltern sinkt die Sorge, wo das Kind in schwierigen Zeiten betreut werden kann und führt zu einer Entlastung im schwierigen Alltag.

Mehr Informationen zum Patenprojekt.

Superhands Flashmob
Flashmob des Projekts Superhands

Superhands - Hilfe für Young Carers

Superhands bietet Hilfe und Rat für Kinder und Jugendliche, die sich um kranke Angehörige kümmern. Unter www.superhands.at finden sie Wissenswertes über Krankheiten, Pflege und Hilfsangebote aber auch Tipps für das eigene Wohlbefinden. Unter der Hotline 0800 87 87 können Young Carers ihre Ängste und Sorgen loswerden und kostenlose Beratung in Anspruch nehmen. Ziel von superhands ist es, Young Carers und ihre Familien zu entlasten. superhands ist ein Hilfsangebot der Johanniter und wird durch Spenden finanziert.