Demenz: Diakonie warnt - Betroffenenzahlen steigen stetig an

Donnerstag, 17. April 2014
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Demenzzahlen steigen rapide an
Prognose: 130.000 Menschen bis 2020 – Diakonie fordert umfassende Demenzstrategie für Österreich

„Demenz bedeutet vergessen. Menschen mit Demenz dürfen aber nicht vergessen werden“, appelliert Diakonie Direktor Michael Chalupka am Gründonnerstag an die gesamte Bundesregierung. „Wenn der G8 Gipfel die Wichtigkeit des Themas wegen seiner demographischen und ökonomischen Brisanz erkennt, ist es höchste Zeit, dass auch die österreichische Bundesregierung gemeinsam daran arbeitet. Demenz geht uns alle an. Schon im Jahr 2020 werden 130.000 Menschen in Österreich direkt von Demenz betroffen sein“, so Chalupka.

Dabei ist es der Diakonie wichtig darauf hinzuweisen, dass „Demenzbetroffene nicht die zentralen Aspekte des Menschseins verlieren“, betont Alexander Aschenbrenner, Gerontopsychologe aus der Diakonie in Salzburg. „Was die Menschen brauchen ist Begleitung, die vor allem die vorhandenen Stärken des Demenzbetroffenen erkennt. Dann ist auch mit der Diagnose Demenz weiterhin ein gutes Leben möglich.“

Die Bundesregierung wird bis Ende 2014 eine Demenzstrategie erarbeiten. Die Diakonie hat dazu ihre Forderungen bereits eingebracht. Dabei sind v.a. drei Punkte wichtig:

1. Die öffentliche Bewusstseinsbildung:

„Dass Menschen heute älter werden heißt auch, dass wir länger leben“, betont Psychologe Aschenbrenner, und da sei es wichtig, dass wir im Alter neue Freiheiten erlangen können.

Dazu braucht es Information und Schulungen für alle Menschen, die mit Älteren im Alltag zu tun haben. „Das betrifft zum Beispiel MitarbeiterInnen im Supermarkt oder auch die Polizei“, so Aschenbrenner. Hier könne man sich auch an Beispielen aus Deutschland orientieren, denn „es sind vor allem die alltäglichen Lebenssituationen, die wir gut gestalten müssen“, so der Psychologe.

2. Die Entlastung von Angehörigen

Frau Beilner ist Tochter einer von Demenz betroffenen Mutter. Davor hat sie auch schon andere Familienmitglieder mit Demenz betreut. „Ohne Unterstützung ist jeder Tag eine Herausforderung. Man ist ständig auf Abruf, es kann immer etwas passieren. Irgendwann kann man die Situation nicht mehr alleine meistern. Und was man gar nicht mehr hat, ist Zeit für sich selbst“, erzählt Frau Beilner. „Ich hätte gerne manchmal so etwas wie „Kurzzeitpflege“ in Anspruch genommen, um einmal im Jahr ein paar Tage „Urlaub“ von der Betreuung zu nehmen“, aber leider gibt’s das kaum“.

„Wie wir sehen, reicht es auch manchmal, wenn jemand zum Sprechen da ist“, ergänzt Alexander Aschenbrenner. Und er weist auf die Alzheimer Cafés der Diakonie z.B. in Wels hin, wo sich Angehörige treffen und sich austauschen können.

„Menschen die betroffen sind, können bestätigen, dass mehr Dienstleistungen notwendig sind, dass mehr Beratung gebraucht wird, und dass die Angehörigen mehr entlastet werden müssen“, so Chalupka.

3. Eine gute und flächendeckende Versorgung mit sozialen Dienstleistungen

Unverzichtbar ist eine Reihe unterschiedlicher Dienstleistungen, aus denen Betroffene auswählen können. „Genauso unterschiedlich wie die Menschen, genauso unterschiedlich muss auch das Angebot sein“, betont Chalupka. „Zu Hause unterstützt mit mobilen Diensten, im Pflegeheim oder im betreuten Wohnen; ein Tageszentrum wo nur tagsüber Unterstützung geboten wird – vieles soll möglich sein. Derzeit fehlen diese Leistungen oft noch, oder sind schlichtweg nicht leistbar“, so Chalupka.

Denn: „Die Prognose ist, dass im Jahr 2020 130.000 Menschen direkt von Demenz betroffen sein werden. Pro Person kann man 3 Angehörige dazu denken. Das macht eine halbe Million Menschen, die das Thema täglich bewegen wird. Für sie muss eine umfassende Demenzstrategie angegangen werden“, so Michael Chalupka abschließend.