Community Nurses können Pflegelücken schließen helfen

Dienstag, 27. April 2021
alte frau mit kleinem Hund
Gut leben mit Demenz. Bild: Christian Göltl/Diakonie)
Hilft auch jetzt in der Krise: Wohnortnahe Unterstützung für Menschen im Alter dringend gefragt

Im Aufbauplan der Regierung werden 50 Millionen Euro für Community Nurses veranschlagt. Die Diakonie sieht die Community Nurses als wichtigen Bestandteil der Pflegereform und ist erfreut, dass Bewegung in die Sache kommt. "Nun geht es darum,  das Konzept so auszugestalten, dass sie den größtmöglichen Nutzen für Menschen mit Pflegebedarf und pflegende Angehörige bringt", meint Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser.

Hilfe für Alte Menschen und ihre pflegenden Angehörigen

Eine Community Nurse ist zentrale Ansprechperson in einer Gemeinde, die SeniorInnen und pflegende Angehörige zu Pflege- und Unterstützungsangeboten berät. „Die Pflegelandschaft ist für SeniorInnen und deren Angehörigen oft unübersichtlich. Die Community Nurse hat einen ganzheitlichen Überblick über alle medizinischen, sozialen und ehrenamtlichen Angebote im Sozialraum. Sie bezieht die persönlichen und familiären Ressourcen mit ein und unterstützt so SeniorInnen und Angehörige dabei, den richtigen Angebotsmix zu finden“, wie die Diakonie ausführt. Die Community Nurse soll aber nicht erst ab Eintreten der Pflegebedürftigkeit aktiv werden. Ein wichtiger Aspekt ist die Förderung der Gesundheitskompetenz durch präventive Hausbesuche. „Der Wunsch vieler SeniorInnen ist es, so lange wie möglich autonom zu bleiben. Gesundheitsvorsorge erhöht das Wohlbefinden und führt zu mehr Selbständigkeit. Nicht zuletzt ermöglicht dies einen längeren Verbleib in den eigenen vier Wänden“, so Moser.

Neben der Beratung und Prävention soll die Community Nurse auch eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung von Angeboten haben. „Im Moment erfolgt die Planung der Pflegeangebote auf Ebene des jeweiligen Bundeslandes. Das ist zu weit weg von den Menschen und nicht ausreichend an ihren Bedürfnissen orientiert. Die Folge ist, dass Lücken im Pflegeangebot in der Wohnumgebung nicht erkannt und daher nicht abgedeckt werden.“ Moser weiter: „Die Community Nurse soll hier Abhilfe schaffen. Sie sammelt die konkreten Bedarfe im Sozialraum und ermöglicht so den Ausbau von passgenauen Dienstleistungen“.

Community Nurses bei erfahrenen Sozialorganisationen vor Ort ansiedeln

Im Moment ist noch offen, wo die Community Nurse angesiedelt werden soll. Für die Diakonie liegt die Antwort auf der Hand: „Die Community Nurse sollte von den erfahrenen Sozialorganisationen gestellt werden. Diese genießen großes Vertrauen und kennen die Menschen vor Ort. Das sind Faktoren, die für eine hohe Akzeptanz der Community Nurse wichtig sind. Außerdem haben die Organisationen ein breites Wissen über die Angebote und AkteurInnen im Sozialraum. Bestehende Strukturen können genutzt werden und Zweigleisigkeit wird vermieden“, erklärt Diakonie-Direktorin Moser.

Auch aus organisatorischen Gründen ist es sinnvoll, die Community Nurse bei den Trägern der Pflege-Angebote anzusiedeln. In der Praxis stellt sich auch die Frage nach Urlaubsvertretung oder Ersatz bei Krankheitsfällen. Die Träger haben einen Pool an kompetentem Pflegepersonal und können schnell auf Ausfälle reagieren.

Bedarfsgerechte Pflege in der Wohnumgebung

Die geplante Implementierung von Community Nurses zeigt, dass das Bewusstsein über die Bedeutung der Wohnumgebung für die Pflege wächst. Die Diakonie beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit der wohnortnahen und niederschwelligen Betreuung und Pflege von SeniorInnen und hat mit „SING – Seniorenarbeit innovativ gestalten“ ein entsprechendes Reformkonzept für die Pflege vorgelegt. SING verbindet den Ausbau von bedarfsgerechten Dienstleistungen mit einer neuen Finanzierungslogik. So werde „nicht nur die Autonomie der Pflegebedürftigen erhöht, auch die zu erwartende Steigerung der Kosten für die Pflege kann abgeflacht werden“, unterstreicht Moser.

Das Besondere am Konzept SING ist, dass PflegegeldbezieherInnen einen Teil ihres Pflegegeldes in einen sachleistungsbezogenen „Autonomiebeitrag“ umwandeln und damit Dienstleistungen beziehen können, die ihnen ermöglichen, weiterhin zu Hause zu leben. - Der andere Teil des Pflegegeldes bleibt zur persönlichen Verfügung. Währenddessen überlegen sogenannte PflegelotsInnen gemeinsam mit den Betroffenen, wie sie leben wollen, welche Unterstützung sie dafür brauchen und welche Dienstleistungen es gibt. „Das Konzept ermöglicht, dass nicht mehr zentral normierte Angebote Jahre im Voraus geplant werden, sondern soziale Dienstleistungen bedürfnisgerecht entwickelt werden können. Und dies eng vernetzt mit Angehörigen und freiwillig Engagierten“, ergänzt Moser abschließend.