Care Day: Recht auf Hilfe für Jugendliche auch über 18 Jahren!

Donnerstag, 18. Februar 2021
Diakonie-Appell an Jugendministerin Raab: Kein Kind allein lassen. Gute österreichweite Standards für alle. Begleitung wirkt stark präventiv und beugt Abstürzen vor.

„Für eine gute Jugendhilfe braucht es gleiche Standards vom Neusiedlersee bis zum Bodensee“, appelliert die Diakonie anlässlich des morgigen „internationalen Care Day“ an Jugendministerin Raab. Gerade Jugendliche mit schwieriger Lebensgeschichte brauchen Begleitung und Betreuung über das 18. Lebensjahr hinaus. In Österreich macht es einen Unterschied, wo ein Kind oder Jugendliche/r lebt. Die Hilfen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland und oft von Bezirk zu Bezirk. 

Care-Leaver: 18 Plus

Jugendliche, die niemanden haben, der für sie sorgt, müssen dieselben Chancen erhalten wie jene Kinder, die in Familien aufwachsen dürfen. „Deshalb setzen wir uns massiv dafür ein, dass junge Menschen auch über den 18. Geburtstag hinaus noch einen Rechtsanspruch auf Kinder- und Jugendhilfe haben“, so Diakonie Direktorin Maria Katharina Moser.

Auch in einer Familie endet die Sorge und Unterstützung nicht einfach mit dem 18. Geburtstag. Und hier geht’s um Jugendliche mit schwierigsten Lebensgeschichten. „Diese Begleitung wirkt stark präventiv und beugt Abstürzen vor, wie wir aus anderen europäischen Ländern wissen“.

Die Diskriminierung der sogenannten Care-Leaver ist nicht nur ein österreich-spezifisches Problem, doch in anderen Ländern hat man bereits reagiert: In Norwegen geht die staatliche Unterstützung bis zum Alter von 24 Jahren. In Deutschland können die Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe bis 26 verlängert werden, bis 21 kann man neu in eine Unterstützung hineinkommen. In Großbritannien muss zwei Jahre nach Beendigung der Maßnahme der/die Jugendliche aktiv kontaktiert werden, um zu sehen, ob Unterstützungsbedarf besteht.

Investitionen: Mangelnde Hilfe erzeugt Kosten anderswo

Unterstützung und Hilfen sollen nicht nur im äußersten Krisenfall einsetzen, sondern vor allem vorher greifen und besonderen familiären Belastungen vorbeugen. Es geht hier nicht nur um Kosten, sondern um Investitionen. „Man kann aus Menschenliebe oder Gerechtigkeitsvorstellungen für eine gescheite Jugendhilfe sein. Man kann aber auch rein ökonomische Argumente anführen“, so Moser: Mangelnde Hilfe erzeugt Kosten anderswo, wenn die Jugendlichen keinen Job finden, in schwierige Verhältnisse oder Kriminalität abdriften oder ein höheres Krankheitsrisiko entsteht, so die Diakonie abschließend.

#KinderunterDruck