1 Jahr Lockdown: mehr Besuche ermöglichen

Freitag, 12. März 2021
Sonderregeln_angleichen
Sonderregeln_angleichen
Diakonie fordert, Regelungen für PflegeheimbewohnerInnen jenen der Gesamtbevölkerung anzugleichen.

Die Sonderregelungen für BewohnerInnen von Alten- und Pflegeheimen müssen jenen Regelungen angeglichen werden, die für alle gelten, appelliert Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser anlässlich des Lockdown-Starts vor einem Jahr. Am 16. März 2020 wurde Österreich in den ersten Corona-Lockdown geschickt. "Für BewohnerInnen in Alten- und Pflegeheimen begann damit ein Jahr, das von massiven Isolationsmaßnahmen bestimmt war. Zu ihrem besonderen Schutz wurden strengere Kontakteinschränkungen erlassen als für den Rest der Bevölkerung. Nun ist es dringend an der Zeit, die Maßnahmen jenen anzugleichen, die für die Gesamtbevölkerung gelten, vor allem, was den Eingriff ins Privatleben betrifft. Wir müssen bedenken: Das Pflegeheim ist das Zuhause, der Privatraum der BewohnerInnen", so die Diakonie-Direktorin.

Die Zahl der Neuinfektionen in Alten- und Pflegeheimen in Österreich ist von Dezember bis Februar massiv gesunken. In den Häusern der Diakonie haben mittlerweile rund 90 Prozent der BewohnerInnen eine Corona-Schutzimpfung bekommen. "Dennoch dürfen BewohnerInnen nur zwei Mal pro Woche Besuch bekommen", stellt Moser fest. "Sie fragen sich jetzt: Ich bin geimpft - warum dürfen mich mein Ehemann/meine Ehefrau, meine Kinder trotzdem nicht öfter besuchen? Sie haben sich impfen lassen in der Erwartung, wieder mehr Kontakte haben zu können, diese Erwartung wird jetzt enttäuscht."

Besuchseinschränkungen: Schaden für die Seele

"Isolation schützt und schadet gleichzeitig", betont die Direktorin der Diakonie. "Deswegen müssen wir immer sorgfältig abwägen." In der einen Waagschale liegt die Gesundheit durch Infektionsschutz, in der anderen liegen Gesundheit und Wohlbefinden in einem ganzheitlichen Sinn. Dazu gehören auch seelische Gesundheit und das Gut der Familie und des Privatlebens. Durch die Impfung in Kombination mit anderen Schutz- und Hygienemaßnahmen wie Tests und FFP2-Masken liegt aus Sicht der Diakonie mittlerweile deutlich mehr Gewicht in der Schale ganzheitliche Gesundheit. Gleichzeitig zeigt sich der Schaden durch Isolation immer deutlicher. Die stark eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten bedeuten eine große psychische Belastung für BewohnerInnen und Angehörige. "In der Praxis sehen wir, wie BewohnerInnen physisch und psychisch abbauen. Anhaltende Isolation und Einsamkeit führen dazu, dass sie zunehmend ihren Lebenswillen verlieren", berichtet Moser. "Das alles spricht dafür, mehr Besuche zuzulassen." Freilich sollten sich BesucherInnen weiterhin vorab testen lassen, FFP2-Masken tragen und Abstand halten.

Rücknahme der Sonderbelastungen für MitarbeiterInnen

Die Diakonie erwartet auch eine Rücknahme der Sonderbelastungen für MitarbeiterInnen. "Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen ist der Alltag seit einem Jahr extrem herausfordernd", so Maria Katharina Moser. Mehrmaliges Testen pro Woche ist auf Dauer belastend und kostet Zeit, die bei anderen Tätigkeiten fehlt. Die Diakonie fordert, für MitarbeiterInnen in der Pflege flächendeckend schonendere Testmethoden wie Gurgeltests zur Verfügung zu stellen. Geimpfte MitarbeiterInnen sollen nur bei Symptomen getestet werden. "Das Pflegepersonal hat sich mit der Aussicht impfen lassen, dass wieder ein Arbeitsalltag mit weniger Sonderbelastungen möglich wird, auch ihre Erwartung wird jetzt enttäuscht", so die Diakonie-Direktorin abschließend.