Hoffnung braucht ein Ja

  • Sofia ist mit 10 Jahren mit ihren Eltern und dem kleinen Bruder nach Österreich gekommen. Sie ist eine starke junge Frau, die ihre Ziele nicht aus den Augen verliert. Auch wenn sie im Alltag oft mit Diskriminierung zu tun hat, gibt sie nicht auf.
    Sofia ist mit 10 Jahren mit ihren Eltern und dem kleinen Bruder nach Österreich gekommen. Sie ist eine starke junge Frau, die ihre Ziele nicht aus den Augen verliert. Auch wenn sie im Alltag oft mit Diskriminierung zu tun hat, gibt sie nicht auf.
  • Noah ist erst 3, und chronisch krank. Seine Mama Eveline kämpft dafür, dass er trotz seiner Einschränkungen gemeinsam mit anderen Kindern glücklich groß werden kann.
    Noah ist erst drei Jahre alt und chronisch krank. Seine Mama Eveline kämpft dafür, dass er trotz seiner Einschränkungen gemeinsam mit anderen Kindern glücklich groß werden kann.
  • Ute Kolck-Thudt nimmt ihre Kraft für die ehrenamtliche Arbeit aus dem gemeinsamen Nachvorneschauen und lässt sich von Zweiflern nicht stoppen.
    Ute schöpft ihre Kraft für die ehrenamtliche Arbeit aus dem gemeinsamen Nachvorneschauen und lässt sich von Zweiflern nicht stoppen.
Die Diakonie startet ihre neue Kampagne unter dem Motto „Hoffnung braucht ein Ja“.

Suchen und finden, geben und nehmen, zutrauen und ermöglichen. Das alles macht Hoffnung.

Die Diakonie-Kampagne gibt Hoffnungsträgerinnen und Hoffnungsträgern ein Gesicht. Menschen, die es nicht immer leicht haben, erzählen ihre ganz persönliche Geschichte. So zum Beispiel die Geschichte von Liam, der mit Hilfe eines Tablet-Computers seine Augensignale in gesprochene Worte umsetzen kann. Oder die Geschichte von Eveline und Noah, die endlich eine Kindergruppe gefunden haben, in der sich der Dreijährige gut aufgehoben fühlt.

Damit wollen wir Mut machen für eine Gesellschaft, in der alle spüren können: Jeder Mensch ist wertvoll und alle Menschen sind gleich viel wert.
Diakonie Direktorin Maria Katharina Moser
Mit Plakaten, Inseraten und Social Media Aktionen macht die Diakonie zwischen November und Dezember 2018 auf Menschen und Projekte aufmerksam, die Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und Solidarität fördern und weiterentwickeln.

Johann: „Immer in den Süden“

Herr Panholzer ist 95 Jahre alt

Herr Panholzer ist 95 Jahre alt und lebt seit einem dreiviertel Jahr mit seiner Frau im Haus für Senioren des Diakoniewerks in Linz. Das Ehepaar ist seit über siebzig Jahren verheiratet und hat, vor allem seit der Pensionierung, viele Reisen gemeinsam unternommen.

Mein Name ist Johann Panholzer, Senior. Warum? Mein Sohn, der eine von beiden, heißt genau so wie ich! Ich bin 1923 geboren. Wollen Sie sehen, dass ich keinen Schmäh mach? Moment, hier ist kein Foto drauf, aber hier: das ist die Freikarte von der Linz AG. Da habe ich gearbeitet. Lebenslang. In Pension, da hat man ja überall Freikarten. Haben Sie bei der Linz AG gearbeitet? Nein? Na, da hätten Sie umplanen müssen. Da hat ein jeder, der in Pension ist, eine Freikarte für alle Linien, die es gibt in Linz. Das ist toll.

Ich habe gleich im 45er Jahr bei der Linz AG angefangen. Im Mai war der Krieg aus, und da hab ich schon gesagt: Ich will als Fahrer aufgenommen werden. Alle Fahrzeuge bin ich dann gefahren, Obus (Oberleitungsbusse), Autobus, Überlandbus.

Im Krieg war ich auch Fahrer. Ich war Lastfahren. In der Versorgung. Munition und … Lebensmittel. War nicht schön. Aber, über siebzig Jahre bin ich jetzt verheiratet, und nach dem Krieg habe ich noch viele Dinge unternommen, war in Südamerika, war in Afrika! Zum Badeurlaub, in die Türkei, immer in den Süden.

Über mein Leben habe ich dann ein Buch geschrieben, das ist so dick. Nicht über die Reisen. Über meine Erlebnisse. Über Sachen, die ganz … ganz arg sind. Und unheimlich. Ja. ich bin zwar nicht verwundet worden, das ist ein Glück! Aber eigentlich kann ich mir immer noch nicht vorstellen, dass wir das überlebt haben. In Russland war ich fünf Jahre, habe auch Russisch gesprochen. Dann bin ich da herausgekommen und war in Italien. Und jetzt hab ich das Buch halt daheim liegen.

Ich lebe jetzt mit meiner Frau im Haus für Senioren, das ist von der Diakonie. Meine Frau ist immer kränker geworden, und dann hat sie nicht mehr kochen können, da sind wir dann  ins Heim gekommen. Es gefällt uns sehr gut dort. Wir haben Zeit, wir können ausgehen wann wir wollen. Meine Frau hätte gerne ein bisserl mehr Freiheit, aber ich sage ihr, was willst du denn da machen, wenn du nicht gehen kannst. Deswegen ist sie auch heute nicht mitgekommen.

Um acht, halb neun gibt es Frühstück, ein Semmerl, und da sitzen wir beieinander und reden. Auf jedem Stock sind 12 bis 15 Personen, eine Köchin ist da abgestellt, das ist fast wie im Hotel. Ja mei, ich bin in Verhältnissen aufgewachsen, die waren nicht sehr fein. Meine Eltern waren vom Bauernstand. Hier bei Ihnen gefällt es mir auch, vor allem bei der Jugend.

Ich bin auch Schilehrer. Beim ÖSV, das ist der Österreichische Skiverband. Das letzte Mal bin ich vor einigen Jahren in Hinterstoder gefahren. Früher habe ich im Betrieb Urlaub genommen, das war alles freiwillig, und Gruppen unterrichtet. Wir sind nur gefahren, wenn es schön war. Eine Woche im März, eine Woche im Februar. Dann bin ich mit dem Autobus gefahren, nach Südtirol, wir waren drei, vier Schilehrer und haben vier Gruppen gehabt.

In Hinterstoder war ich nur einen Tag. Das ging tadellos. Mein Freund, der ebenfalls ein Schilehrer ist, der hat mich animiert dazu, und dann haben wir eine Filmaufnahme gemacht, er ist hinter mir gefahren, ich vor ihm, wie der Blitz, das ging tadellos. Ich hätte sogar ein Video, wir haben einen ganzen Film gemacht. Mit Besuch im Gasthaus, wie wir dann zusammen gesungen haben: ‚Schiii-foahn …“ (singt), und zwar oben in einer Hütte, auf der Abfahrt. Angefangen habe ich mit Fassldauben, in der Mitte Bänder drauf, das ist gut gegangen!

Ich kann jetzt nicht mehr fahren. Geht nimmer. Im Heim (Haus für Senioren der Diakonie) machen wir auch Ausflüge oder wir sitzen beieinander und reden. Und im Hof haben wir einen recht großen Garten, da kann man spazieren gehen. Es gibt auch Tiere, drei Hasen sind im Garten, und Krähen. Die können wegfliegen

Liam: „Das ist ein hundert mal mehr Ich-Bild.“

Liam und seine Mutter Kerstin

Liam ist in der dritten Klasse und ein Einser-Schüler. In seinen ersten Lebensjahren schien das kaum vorstellbar, Liam hat Athetose. Er bewegt sich oft unwillkürlich und artikuliert so, dass für Gesprächspartner Verstehen und Raten dicht beieinander liegen, er hat eine Sprachbehinderung. Heute benutzt er einen Rollstuhl und kommuniziert mit Hilfe eines Tablet-Computers, der seine Augensignale in gesprochene Worte umsetzen kann.

„Für die Fotos will ich eine gute Frisur. So wie mein Cousin sie hat, das gefällt mir, seitlich kurz und oben lang. Ich bin noch nicht zufrieden. Ich war gestern beim Friseur, da waren die Haare besser. Rechts stimmt es noch nicht.

Ich sehe ich mich nicht ganz, bitte den Computer runter. (Die Mutter, Kerstin, richtet den Computer ein, Liam sieht sich in der Selfie-Einstellung der Kamera und ist zufrieden): Das ist ein hundert mal mehr Ich-Bild.“

Meine Freundin im Hort kenne ich auch vom Move-Training. Sie spielt gerne am Handy. Ich möchte am allerliebsten Polizei- und Feuerwehr- und Krankenwagenfahrer werden. Sie fahren so schnell und dürfen immer als erste vorbei. Du glaubst, ich bin schon zehn Jahre alt? (Lacht ausgelassen). Jetzt bin ich acht Jahre alt, mein Geburtstag ist am 26. Juni. Ich habe ein großes Auto mit großen starken Reifen geschenkt bekommen, einen Geländewagen in Schwarz und Orange. Ich kann ihn mit meinem Computer steuern und überall hin fahren lassen.

Jetzt gehe ich in die dritte Klasse. Meine Lehrerin ist im Sommer in Pension gegangen und jetzt habe ich eine Lehrerin, bei der das Lernen leichter ist. Ich kann viel einfacher Kopfrechnen. Meine Hausaufgaben mache ich im Hort, am Wochenende auch zu Hause. Gestern haben wir im Hort Geburtstag gefeiert, von einem Freund. Der Felix hat Geburtstag gehabt. Es gab Kuchen und es gab Kerzen. Ameisenkuchen, und ich habe etwas nach Hause mitgenommen, ich habe ein halbes Stück Kuchen zu Hause. Ich mag Schokolade, und überhaupt Süßigkeiten.

Schnitzel mag ich nicht so sehr. Wegen der Panier, das bröselt. Spaghetti esse ich schon lieber, am liebsten die orange gefärbten Nudeln. Ich glaube, die sind mit Karotten gefärbt. Die Nudeln esse ich ohne Soße und ohne Butter, nur so.

Mein Hund ist ein Weibchen und heißt Mia. Heute ist sie nicht dabei, sie wartet bei der Oma auf mich. Sie geht mir so (zeigt es) etwa bis zu meiner Hand und hat ein dunkelbraunes Fell. Wenn ich mit Mia draußen bin, passt sie auf, dass keine fremden Hunde in meine Nähe kommen. Sie verteidigt mich sofort, obwohl sie sonst andere Hunde mag.

Autofahren ist so eine Sache. Ohne Computer macht es mir keinen Spaß. Nicht schon wieder ohne Computer im Auto! Ich muss ihn aber ausschalten. Ich bin jetzt müde und kann nicht im Rollstuhl bleiben. Ich fahre im Autositz. Da ist die Kopfstütze besser. Zeichnen kann ich auch mit dem Computer. Ich kann Dir aber kein Bild zeigen. Alles schon im Müll.“

Liams Mutter Kerstin will das nicht glauben, sie beugt sich zu ihm und durchsucht den ganzen Computer. Hast Du wirklich alle gelöscht? Ernsthaft. Die ganzen Bilder hast Du gelöscht. Schade um die Bilder. Aber ziemlich cool, wenn man seine Entschlüsse auch einfach in die Tat umsetzen kann.

Liam hat seit seinem dritten Lebensjahr einen Computer mit Augensteuerung, gerade noch rechtzeitig, um so gut sprechen lernen zu können. Seine Mutter hat lange bei den verschiedensten Kostenträgern wie Krankenkasse, Bundessozialamt, Landesfonds, Gemeinde, Sonderfonds … darum gekämpft und bei LIFEtool, einer Kooperation der Diakonie mit dem VERBUND, Unterstützung gefunden. LIFEtool bietet nicht nur hoch qualifizierte Beratung und Training, sondern nach Möglichkeit auch Soforthilfe, wenn es um die Beschaffung/Finanzierung geeigneter Computer und Zusatzgeräte geht.

Sofia: „In ein paar Jahren werde ich eine erfolgreiche Geschäftsfrau sein“

Sofia ist mit 10 Jahren mit ihren Eltern und dem kleinen Bruder nach Österreich gekommen.

Sofia ist mit 10 Jahren mit ihren Eltern und dem kleinen Bruder nach Österreich gekommen. Sie ist eine starke junge Frau, die ihre Ziele nicht aus den Augen verliert. Auch wenn sie im Alltag oft mit Diskriminierung zu tun hat, gibt sie nicht auf, und weiß, dass sie in wenigen Jahren eine erfolgreiche Geschäftsfrau sein wird.

„Ich komme aus dem Iran, bin seit 6 Jahren in Österreich, wohne in St. Pölten. Gehe zurzeit in die HAK, IT-Zweig. Mein Bruder ist 11 Jahre jünger. Er geht jetzt schon in die Vorschule.

Wie ich meine Zeit verbringe

Ich habe momentan keine Zeit für andere Dinge als für die Schule, die dauert immer lang und verlangt viel von mir. Und am Wochenende arbeite ich und habe wenig Zeit für Hobbies.

Wenn ich Zeit habe, treffe ich gerne Freunde oder geh fort. Am liebsten ins Warehouse, das ist ein Club für meine Altersklasse. Da gibt’s Schulveranstaltungen. Und da gibt’s Musik zum Tanzen. Und ich geh auch auf Bälle. Dieses Jahr kann ich auch an einem Tanzkurs in der Schule teilnehmen.

Meine Schulzeit war nicht einfach, aber ich komme an mein Ziel

Vor der HAK war ich in der neuen Mittelschule in St.Pölten. Das war eine schwere Zeit. Ich bin mit den Kindern und den Lehrern nicht gut zurechtgekommen. Wir haben uns nicht verstanden. Ich glaube wir hatten eine andere Logik oder so. Es gibt keinen wirklichen Grund. Wir haben uns einfach nicht verstanden. Und wenn sich Lehrer mit Kindern nicht versehen, gibt es schlechte Noten.

Ich hatte Fünfer und hab aber alle ausgebessert. In allen Nebenfächern hatte ich Einser und Zweier. Nur in Deutsch, Mathe und Englisch hatte ich Vierer. - Leider haben mich alle nicht so gemocht. Aber nicht alle müssen mich mögen… ich kann damit umgehen.

Ich muss immer vierfach lernen

Ich musste mit dem Sport jetzt aufhören, weil ich im Sommer Vollzeit gearbeitet habe, und jetzt wusste ich schon, dass ich viel lernen werde müssen. Ich habe es einfach nicht so leicht, wie österreichische Kinder. Ich muss immer vierfach lernen. Die müssen gar nicht so viel lernen. Es werden einfach Unterschiede gemacht. – Deshalb musste ich mit meinem Sport, dem Cheerleaden aufhören. Jetzt mache ich keinen Sport mehr, und muss aufpassen was ich esse. Das ist nicht so cool.

Wie es ist, wenn man anders ist

In der NMS waren viele, die nicht ÖsterreicherInnen sind. Aber ich und ein anderer Junge waren die einzigen, die nicht hier geboren sind. Der andere Junge war aus Ungarn und konnte das Alphabet.

Mein Start war schon schwieriger. Es gab Situationen, da hat die ganze Klasse und auch die Lehrerin über mich gelacht. Und dann wurden meine Noten ich immer schlechter.

Vielleicht passiert so etwas nicht nur Ausländern. Vielleicht passiert es auch Österreichern. Aber ich denke, das kommt eher selten vor. Zb, wenn es ein Kind gibt, wo sich die Eltern nicht kümmern, das viel auf der Straße ist, das nicht so gut aufgehoben ist, da kann das auch passieren. Aber mit normalen Kindern wird das nie passieren. Oder auch mit solchen, die schon länger da sind, wird das sicher nicht passieren.

Ich werde mein Ziel erreichen

Aber ja, auch wenn ich es nicht ganz leicht habe. Ich hab ein Ziel, und ich werde es schaffen.

Ich habe einen Nachteil, aber ich komm gut zurecht, weil ich weiß, wer ich bin und weil ich weiß, dass ich es schaffe. - Eigentlich hab ich ein super Lehrerteam, und die Klasse ist... es gibt nicht so viele Ausländer. Es sind viele Österreicher drin.

Ich weiß wer ich bin. Das ist das Wichtige. - Egal was die sagen, ich weiß was ich schaffe und wenn´s die anderen nicht glauben, dann glauben sie es nicht.

Wer mir hilft

Meine Eltern haben mich die ganzen Jahre unterstützt. Sie haben gesagt, das mit den schlechten Noten ist nicht deine Schuld. Wenn es meine Schuld wäre, würden sie sagen, ich muss mich verbessern. Aber wenn es nicht meine Schuld ist, dann holen sie mich raus.

Und auch wenn wir kein Geld haben, wenn ich was für die Schule brauche gebe sie mir immer Geld. Ich liebe meine Eltern! - Und dann haben wir noch unsere Buddies, die Leni und der Stefan, die hab ich von der Diakonie bekommen. Leni hat immer mit mir gelernt, und ich konnte immer mit ihr reden.

Für mein Leben habe ich auch schon einen Plan

Ich will ab der 3. Klasse meine eigene Firma gründen. Mit 20 will ich erfolgreiche Geschäftsfrau sein, und mit anderen Ländern handeln. Oder ich werde noch eine andere Idee haben. Aber mit 20 muss es so weit sein!

In der Arbeit habe ich ältere Leute um mich. Da lerne ich wie ich mit denen tun muss, und in der schule mit den jungen Leuten.

Ich arbeite bei McDonalds

Im Sommer hab ich Vollzeit bei McDonalds gearbeitet. Jetzt bin ich noch immer geringfügig angestellt. Und arbeite am Wochenende, alle Samstage, und jeder 2. Sonntag. Immer 8 stunden.

Manchmal ist es anstrengend, aber ich freu mich, ich brauche das Geld eigentlich nicht, die Eltern würden schon zahlen, aber ich möchte es schon selber machen, weil ich es kann.

Ute: „Hoffnung ist eine starke Kraft. Wenn Gleichgesinnte eine Hoffnung teilen, ist (fast) alles möglich.“

Ute Kolck-Thudt nimmt ihre Kraft für die ehrenamtliche Arbeit aus dem gemeinsamen Nachvorneschauen und lässt sich von Zweiflern nicht stoppen.

Ute Kolck-Thudt nimmt ihre Kraft für die ehrenamtliche Arbeit aus dem gemeinsamen Nachvorneschauen und lässt sich von Zweiflern nicht stoppen.

„Ich bin verheiratet (mit einem Pfarrer) und wir haben zwei erwachsene Töchter. Vor fast 30 Jahren sind wir nach Österreich gekommen, davor habe ich in Klausenburg /Rumänien  Biologie studiert.  Als unsere Kinder  in die Schule kamen, habe ich begonnen,  im Weltladen Amstetten zu arbeiten. Das ist mittlerweile 20 Jahre her und ich bin noch immer im Fairen Handel tätig - im Verkauf, aber auch  in der Bildungs- und Kampagnenarbeit.

Wenn man im Pfarrhaus wohnt, gibt es immer einen Kontakt zur Diakonie. Auch als Multiplikatorin für Brot für Hungernde / Brot für die Welt in der Evangelischen Frauenarbeit konnte ich diesen Arbeitszweig unserer  Kirche kennenlernen. Seit 5 Jahren bin ich als Religionslehrerin in der Pfarrgemeinde  Amstetten-Waidhofen/Ybbs unterwegs. Ehrenamtlich bin ich Gemeindevertreterin, seit 2004 Vorsitzende der Evangelischen Frauenarbeit Niederösterreich und 2017 wurde ich zur Vorsitzenden der EFA in Österreich gewählt.

Was mir wichtig ist

Das Wichtigste, was ich im Fairen Handel gelernt habe ist, dass unser Handel(n) Auswirkungen auf andere Menschen hat, vor allem im globalen Süden.  Deshalb setze mich überall ein, wo ich mithelfen kann, dass es möglichst vielen Menschen auf der Welt gut geht.

Warum ich mich im Fairen Handel engagiere?

Was mich an der Weltladenbewegung fasziniert hat, waren die Geschichten hinter den Produkten. Bei ProduzentInnen - Besuchen im Weltladen habe ich verschiedene Lebensperspektiven und interessante  Menschen kennengelernt – z. B. Kaffeebauern aus Mexiko, Spielzeugherstellerinnen aus Sri Lanka. Auch für sie ist es wichtig zu sehen, wie wir leben  - und dass ihre Erzeugnisse wertgeschätzt werden.

Ich habe Hoffnung!

Ich selber kann nur aus einer Hoffnung und Begeisterung heraus arbeiten. Wenn Gleichgesinnte eine Hoffnung teilen, ist (fast) alles möglich. Hoffnung ist eine starke Kraft.

Ein konkretes Beispiel

Vor 13 Jahren hatten wir (sechs Frauen) die Idee, auch in Waidhofen/Ybbs einen Weltladen zu gründen. Es gab anfangs große Schwierigkeiten, viele haben uns davon abgeraten. Aber wir haben in der Stadt nach Leuten gesucht, denen das auch ein Anliegen ist - und es ist gewachsen. Nach einem halben Jahr und vielen! ehrenamtlichen Arbeitsstunden haben wir den Laden eröffnet. Auch zwei geförderte Arbeitsplätze konnten wir schaffen. Ich bin zwar nicht lange in Waidhofen geblieben, aber ich freue mich, dass es den Weltladen immer noch gibt!

Ich habe die Diakonie sehr unmittelbar kennengelernt

Vor fast 30 Jahren habe ich Gallneukirchen zum ersten Mal besucht. Wir waren eine Gruppe von siebenbürgische Studenten. Ein Lehrer-Ehepaar aus Oberösterreich hat mit uns eine Reihe von Einrichtungen besucht, darunter auch das Diakoniewerk Gallneukirchen. Wir wurden auf unserem Rundgang von mehreren (behinderten) Jugendlichen begleitet. Mich hat beeindruckt, wie kompetent sie über ihr Leben sprechen konnten. Und ich dachte mir: das hat ihnen jemand beigebracht, das haben sie hier gelernt! Sie leben da, weil sie sich nicht ganz alleine in unserer Gesellschaft durchschlagen können. Aber bei der Diakonie haben sie gelernt, über ihre Schwächen (oder was in unserer Gesellschaft als Schwäche gesehen wird) so zu sprechen, dass es fast schon eine Stärke ist. Das hat mich beeindruckt - dass sie so leicht über Dinge sprechen, die sie gut können. Das war sehr schön für mich - dieses  Selbstvertrauen zu sehen, diese  ansteckende Lebensfreude.

Wir wurden von einem jungen Mann begleitet, es wurde Kaffee serviert. Jemand hat nach Milch verlangt, also ging er zum Kühlschrank und nahm zwei Milchkannen heraus. Eine hat er auf den Tisch gestellt und eine hat er selber gleich ausgetrunken. Ich war sehr froh, dass ich keine Milch genommen hatte, die andere war nämlich sauer! – und er hatte das gewusst und hat seinen Spaß gehabt, weil er uns alle reingelegt hatte!

Was ich glaube

Ich glaube, dass alles zusammenhängt. Dass alles was wir tun (und auch was wir nicht tun) Auswirkungen auf alle hat. Deshalb sollten wir versuchen, den Menschen in unserer Umgebung das Leben leichter und nicht schwerer zu machen.

Unter anderem hat uns in den Weltläden auch die Flüchtlingsproblematik beschäftigt. Eines ist klar: hier geht es nicht nur ums Überleben.  So wie in der Diakonie. Es geht um den Wert des Lebens. Jeder Mensch möchte sich entwickeln und weiter wachsen und ein gutes Leben haben.“

Irene: „Ich bin froh, dass ich selbständig lebe."

Ich bin froh, dass ich selbständig lebe  Irene Friedel wohnt selbständig in einer kleinen Wohnung in der „Lebendigen Nachbarschaft“ der Diakonie in Linz.

Irene Friedel wohnt selbständig in einer kleinen Wohnung in der „Lebendigen Nachbarschaft“ der Diakonie in Engerwitzdorf. Selbständig zu leben macht sie froh, und für die kleinen Schwierigkeiten im Alltag bekommt sie die Unterstützung, die sie braucht.

„Ich bin gerade 40 geworden. Geboren bin ich in Japan, weil mein Papa Dolmetscher für Japanisch und Englisch war. Aber ich bin dann schon bald nach Österreich gekommen und mit 11 oder 12 bin ich zu meinen Pflegeeltern gekommen. Wir sind unseren Eltern von der Fürsorge abgenommen worden. Seit dem war ich in der Pflegefamilie, sie leben auf einem Bauernhof. Ich habe 4 Geschwister, die eigene Kinder von den Pflegeeltern sind, und wir haben alle noch immer viel Kontakt.

In die Volksschule bin ich in Gallneukirchen gegangen. Dann war ich in Linz, und dann war ich in St. Elisabeth, bevor ich dann ins Diakoniewerk gekommen bin, vor 10 Jahren.

Meine Arbeit

Ich arbeite schon lang im Kulinarium. Zuerst in Gallneukirchen, jetzt in Linz. Und bald müssen wir dann nach Engerwitzdorf übersiedeln ins ServiceCenter. Ich mache oft belegte Brote. Ich werd eingeteilt und arbeite immer von 8 – 16 Uhr. Es gibt viel Abwechslung und ich mach das sehr gern.

Meine Freizeit und der Urlaub

In meiner Freizeit geh ich gern in den Streichelzoo vom Diakoniewerk, und manchmal geh ich ins Freibad schwimmen. Im Sommer war ich mit „Betreute Reisen“ auf Urlaub am Klopeiner See. Aber so ein Urlaub kann auch anstrengend und zu wenig gemütlich sein. Weil man da bei den Ausflügen immer weit mit dem Bus fahren muss. Besser wäre, wenn die Ausflüge nicht so weit sind. Die kleineren Ausflüge zum Wörthersee oder nach Minimundus gefallen mir besser.

Ich wohne selbständig

Wohnen tu ich jetzt selbständig. Zuerst habe ich in einer FrauenWG gewohnt mit 2 weiteren Damen. Jetzt wohne ich in einer eigenen Wohnung in LeNa, das ist die „Lebendige Nachbarschaft“, die gehört zur Diakonie. Weil ich selbständig lebe, muss ich jetzt auch mit allerhand Sachen zurande kommen. Manchmal gibt’s Schwierigkeiten mit den Nachbarn. Jetzt ist mein Keller schmutzig, weil die Nachbarn Hasen haben, aber die Nachbarn wollen nix dagegen tun. Der Müllplatz ist auch oft schmutzig, das schaut nicht schön aus. Ist zwar nicht meine Sache, aber trotzdem.

Jedenfalls bin ich trotzdem jetzt froh, dass ich selbständig lebe. Ich krieg öfter Besuch in meiner Wohnung von meiner leiblichen Mutter, von den Pflegeeltern. Besonders schön ist beim selbständig leben, dass man seine Ruh hat, wenn man heimkommt.

Es gibt auch Räume, wo wir gemeinsam feiern können. Aber meinen 40er habe ich in der Werkstatt im Diakoniewerk gefeiert. Was ich gut kann ist Becherguglhupf backen. Ich bin nur mit der Herz-Tortenform ein bisschen hilflos. Weil ich nicht weiß, wieviel Teig hinein muss. Und mit Muffins tu ich mir auch schwer. Und einmal wollte ich mir Honigmilch machen, und dann hab ich übersehen, dass ich beim Herd bleiben muss. Und dann hatte ich richtig Panik. Da brauch ich dann Hilfe.

Wer mir hilft

Ich hab auch eine Assistentin, die mir hilft mit Banksachen, mit Arztsachen, und beim Gewand einkaufen und so.

Wenn ich Schwierigkeiten hab, dann hilft mir in der Arbeit oft die Psychologin. Und da, wo ich wohne, gibt es zwei Frauen, die auch helfen, wenn´s was gibt. Ich kann mit ihnen reden, wenn ich mit den Nachbarn nicht ganz zusammenkomm. Dann reden die auch mit den Nachbarn.

Einkaufen und die Sache mit dem Geld

Mein Alltag ist so, dass ich Montag bis Freitag Mittagessen krieg. Samstag und Sonntag mach ich mir selber was. Und am Abend auch. Ich geh einkaufen. Aber ich muss mit 40 Euro auskommen. Das ist eher schwierig bei mir, da muss ich mir mit der Hausleiterin gemeinsam was überlegen. Weil ich komm damit einfach nicht aus. Ich muss sie fragen. Ich hab´s ihr noch nicht gesagt. Vielleicht soll ich vorschlagen, dass ich mit 50 Euro vielleicht besser auskomme. - Wenn ich was Größeres brauch, Friseur, Fußpflege, Gewand, Schuhe geh ich immer mit dem Sparbuch.

Die schöne Umgebung

Was mich sehr freut, ist die wunderbare Wiese vor meinen Fenstern, da kommen ganz viele Rehe aus dem Wald. Das sind meine Haustiere. Die machen mir viel Freude.

Aber es ist so, dass da gebaut werden wird. Und ich kann mich dagegen nicht wehren. Ich hab schon bei den Grünen gefragt, und bei meinem Bürgermeister war ich auch. Aber man kann nix machen. Das ist sehr ärgerlich. Weil es so schön ist jetzt.

Eveline: „Mehr Unterstützung für chronisch kranke Kinder ist dringend gefragt."

Noah ist erst 3, und chronisch krank. Seine Mama Eveline kämpft dafür, dass er trotz seiner Einschränkungen gemeinsam mit anderen Kindern glücklich groß werden kann.

Eveline und Noah sind ein unternehmungslustiges Gespann. Und das, obwohl sie es nicht leicht haben. Denn Noah ist erst 3, und chronisch krank. Seine Mama Eveline kämpft dafür, dass er trotz seiner Einschränkungen gemeinsam mit anderen Kindern glücklich groß werden kann. Mehr Unterstützung für chronisch kranke Kinder ist dringend gefragt. Nur dann können ihre Eltern aufatmen.

„Noah wird im April 4, er ist an der unheilbaren Stoffwechsel Erkrankung Mukoviszidose erkrankt. Durch zähen Schleim, werden seine Atemwege verstopft. Auch andere Organe sind betroffen.

Noah muss täglich mehrmals inhalieren, nimmt Medikamente und macht täglich Atemtherapie. Das sein ganzes Leben lang.

Ich bin eine Kämpferin

Ich selber schaue von außen gesehen stark aus, aber ich habe einen sehr weichen Kern. Ich bin eine Kämpferin. Und ich bin vor allem eine stolze Mama. Auch wenn es eine Herausforderung ist, mit einem erkrankten Kind zu leben. Wir machen aus unserer Situation das Beste und genießen das Leben.

Ein normaler Tag beginnt schon sehr stressig. Wir stehen auf, als erstes inhaliert er, nimmt seine Medikamente und danach wird Atemtherapie gemacht.

Er soll essen um zuzunehmen, er braucht viel mehr Kalorien als ein gesundes Kind, was er gar nicht mag.

Danach gehen wir in den Kindergarten im Diakonie Zentrum Spattstraße. Schon zu Mittag muss ich ihn wieder abholen. Zuhause wird dann wieder inhaliert, Therapie gemacht. Am Nachmittag sorge ich dafür, dass er viel Bewegung macht, dass er am Trampolin springt, oder ähnliches, damit er aktiv atmet und den Schleim leichter loswird. Am Abend muss ich wieder dafür sorgen, dass er inhaliert und Atemtherapie macht. Oft müssen wir auch in der Nacht inhalieren, weil er so stark hustet.

Das ist der tägliche Ablauf. Aber dazwischen machen wir viele Dinge, die wir gerne machen. Wir treffen Freunde, bekommen Besuch, sind viel unterwegs, auch an der frischen Luft, das tut ihm auch gut. Im Sommer machen wir Urlaub am Meer wenn es möglich ist. Die Meeresluft ist sehr fördernt für seine Lunge. Wir sind sehr unternehmungslustig.

Der Kindergarten ist wichtig für uns

Auch der Kindergarten im Diakonie Zentrum Spattstraße ist sehr wichtig für uns beide. Für Noah natürlich wegen der Kinder, er geht sehr gerne in den Kindergarten. Und der Abstand tut uns beiden gut.

Um Noah vor Keimen zu schützen, muss aber auch im Kindergarten ständig auf viele Details geachtet werden. Eigentlich wäre auch dort eine eigene Betreuungsperson nötig. Zumindest bräuchten sie aber eine Stützkraft, nur dann wäre für Noah eine Ganztagsbetreuung möglich. Anscheinend können aber diese Stützkräfte nur für Kinder mit Behinderung beantragt werden. Für die Betreuung chronisch kranker Kinder ist keine Stützkraft vorgesehen. Das hat man mir in der Diakonie erklärt. Also muss ich froh sein, dass er halbtags dort sein kann. Andere Krabbelstuben haben es abgelehnt, Noah aufzunehmen.

Arbeit zu finden ist schwierig, weil die Akzeptanz fehlt

Der andere Grund, warum ich nur einen Halbtagsplatz habe ist, weil ich nicht berufstätig bin. Und ich bin nicht berufstätig, obwohl ich das sehr gern wäre, weil mir kein Arbeitgeber eine Chance geben will. Sobald ich sage, ich habe ein chronisch krankes Kind, werde ich sofort abgelehnt. Ich bin froh, dass meine AMS Beraterin sehr verständnisvoll ist. Sie sieht ja, dass ich X Bewerbungen schreibe, und immer abgelehnt werde. Sie sieht auch, dass ich arbeiten möchte, und dass mich niemand will. Es ist sehr schwierig als Alleinerziehende eines chronisch kranken Kindes eine Arbeit zu bekommen. Es gibt einfach keine Akzeptanz für diese Last, die ich trage.

Ich habe meine Familie und meine Freunde, die immer für mich da sind, sie geben mir Halt, sind da, wenn ich jemanden zum Reden brauche. Das ist sehr wichtig.

Was für mich ärgerlich ist, ist die Erkrankung. Ich könnte sie verfluchen. Man denkt sich, „warum gerade wir? Warum muss er so leiden?“. Er ist sehr lebensfroh, aber er fragt oft „warum muss ich inhalieren und Medikamente nehmen?" - Ich erkläre ihm warum.

Ich hab mich hinein gelebt in das Ganze. Es ist aber trotzdem schwer. Muss immer schauen, dass er sich nicht ansteckt. Muss aufpassen wegen der Keime und Bakterien, es gibt viel Risiko.

Das Schöne ist, dass es Noah gibt. Ich möchte nicht ohne ihn sein, auch wenn es schwierig ist.

Johann: „Ich drehe täglich meine Runden."

Herr Watzl ist vor 1,5 Jahren ins Haus für Senioren der Diakonie in Wels gezogen, weil es zuhause immer schwieriger wurde. Er braucht viel Unterstützung im Alltag, aber die kleinen Freiheiten, die Besuche seiner Frau und den schönen Garten genießt er sehr.

Ich bin geborener Innviertler. Bin in Schärding geboren, weil mein Vater dort Lehrer war. Mit drei Jahren bin ich nach Linz gezogen, wo ich meine Pflichtschulzeit verbracht habe und Zahntechnik gelernt habe. Dann bin ich nach Wien gegangen, wo ich am Lehrinstitut für Dentisten drei Semester Ausbildung genossen habe. Danach war ich viele Jahre auf der Kinderstation der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse in Wels als Dentist tätig. Seit 27 Jahren bin ich in Pension, und seit 1,5 Jahren bin ich im Haus für Senioren in Wels.

Als ich noch zuhause war

Jetzt bin ich 88. - Als ich noch zuhause war und fit war, haben wir viel gemacht. Viele Reisen. Vorwiegend Fachreisen für Opern auf der ganzen Welt. Und Sport in jeder Beziehung, aber nicht Leistungssport, sondern zur Erholung, für die Gesundheit. Auch viele wunderbare Wanderurlaube. Ein Berggipfel ist einfach was Wunderbares. Das waren Höhepunkte für mich.

Schwierig ist die Umstellung

Das Schwierigste war für mich das Umstellen vom aktiven Leben auf ein passives. Das ist jetzt schon ein bissl besser. Das hat mir aber am Anfang große Schwierigkeiten gemacht. Ich hatte dabei am Anfang eine sehr gute Unterstützung. Nur ist sie leider schon verstorben.

Sonst gibt’s nix weltbewegendes in meinem Leben. Keine besonderen Erfolge. Alles nur im Durchschnitt.

Jetzt habe ich viel Unterstützung

Wichtig ist, dass ich jetzt im Haus für Senioren der Diakonie in Wels eine gute Unterstützung hab. Nur ist es so, trotzdem ich Bewegungstherapie mache, kann ich immer noch nicht allein aus dem Bett.

Gut ist, dass ich im Haus kann ich meinen Rhythmus leben kann, der mir angenehm ist. Ich bin Frühaufsteher, geh nicht so spät ins Bett. Ich kann alleine im Zimmer essen, das war mir wichtig. Ich kriege Zimmerservice. Weil ich einfach beim Essen behindert bin. Das ist nicht attraktiv mit allen gemeinsam zu sein, wenn man mit der Hand zittert beim Essen. Da ist es mir lieber für mich zu sein.

Mein Erinnerungsvermögen ist jetzt auch nicht mehr so gut. Ich verwechsle oft meine Lebensaufenthalte in Linz und in Wels. Da sind schon gewaltige Gedankensprünge. Aber Ich bin sicher einer der aktivsten in der Hausgemeinschaft. Das ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Es gibt MitbewohnerInnen, mit denen man nicht mehr sprechen kann.

Die kleinen Freiheiten genieße ich sehr

Ich bekomme tägliche Besuche von meiner Frau. Ich liebe den Garten und gehe bei jedem Wetter hinaus, drehe meine Runden.

Im Haus der Diakonie gibt es auch einen Elektro-Rollstuhl. Mit dem kann ich unterwegs sein. Ich suche mir Wege, die möglichst glatt asphaltiert sind, weil mir die Erschütterung sonst im Rücken wehtun. Ich habe mir schon eine Route zurechtgelegt, wo ich mit einer einzigen Kreuzung am Bach entlang fahren kann. Das ist wunderbar. Das genieße ich sehr.“

Investieren wir gemeinsam in Menschen!

Die Diakonie macht sich dafür stark, dass in Angebote investiert wird, die Menschen helfen, egal ob mit Behinderung, Migrationshintergrund, Lernschwierigkeiten oder aus zerrütteten Familien. Denn jeder Euro, der in investiert wird, zahlt sich mehrfach aus.

  • Irene Friedel wohnt selbständig in einer kleinen Wohnung in der „Lebendigen Nachbarschaft“ der Diakonie in Linz. Selbständig zu leben macht sie froh, und für die kleinen Schwierigkeiten im Alltag bekommt sie die Unterstützung, die sie braucht.
    Irene wohnt selbstständig in einer kleinen Wohnung in der „Lebendigen Nachbarschaft“ der Diakonie in Linz. Für die kleinen Schwierigkeiten im Alltag bekommt sie die Unterstützung, die sie braucht.
  • Liam ist in der dritten Klasse und ein Einser-Schüler. In seinen ersten Lebensjahren schien das kaum vorstellbar, Liam hat Athetose. Heute benutzt er einen Rollstuhl und kommuniziert mit Hilfe eines Tablet-Computers.
    Liam ist in der dritten Klasse und ein Einser-Schüler. In seinen ersten Lebensjahren schien das kaum vorstellbar, Liam hat Athetose. Heute benutzt er einen Rollstuhl und kommuniziert mit Hilfe eines Tablet-Computers.
  • Herr Panholzer ist 95 Jahre alt und lebt seit einem dreiviertel Jahr mit seiner Frau im Haus für Senioren des Diakoniewerks in Linz. Das Ehepaar ist seit über siebzig Jahren verheiratet und hat, vor allem seit der Pensionierung, viele Reisen unterwegs.
    Herr Panholzer ist 95 Jahre alt und lebt seit einem dreiviertel Jahr mit seiner Frau im Haus für Senioren des Diakoniewerks in Linz. Das Ehepaar ist seit über siebzig Jahren verheiratet und hat viele Reisen unterwegs.
Mit 24 Vorschlägen fordert die Diakonie auf zu handeln. Gegen Schwarz-Sehen, Krankjammern und Hoffnungslosigkeit: Wir können etwas tun.

1. Sozialer Ausgleich ist eine gute Medizin!

Investitionen in die Gesundheitsförderung und in eine gesunde Umwelt helfen Krankheiten präventiv zu verhindern.

2. Mehr Chancen für benachteiligte Schulstandorte!

Schulen in sozial benachteiligten Bezirken sollen besonders gut ausgestattet werden, damit sie keine Kinder zurücklassen und für alle attraktiv bleiben. Europäische Beispiele zeigen – es funktioniert!

3. Schulen und offene Jugendarbeit zusammenbringen!

Es braucht einen Aktionsplan, der die Schnittstellen zwischen Schule, sozialer Arbeit und Ausbildung verbindet. Außerdem soll die Schulsozialarbeit fl ächendeckend ausgebaut werden.

4. Jugendhilfe bis zum 21. Lebensjahr!

Jugendliche mit schwieriger Lebensgeschichte brauchen Begleitung über das 18. Lebensjahr hinaus. Wir wissen aus anderen europäischen Ländern, dass diese Begleitung stark präventiv wirkt und Abstürzen vorbeugt.

5. Schule für alle, auch für Kinder mit Behinderungen!

Gemeinsamer Unterricht von Kindern ohne und mit Behinderung hilft allen. Der schrittweise Rückbau von Sonderschulen muss mit mehr PädagogInnen für inklusive Klassen einhergehen.

6. Kinderbetreuung auch für Kinder mit Behinderungen!

Oft endet Integration um 13:00 Uhr, weil es zu wenig Geld für inklusive Betreuung gibt. Außerdem dürfen Kinder mit Behinderungen nicht vom verpfl ichtenden Kindergartenjahr ausgenommen sein.

7. Alltag und Wohnen ins Zentrum rücken!

Es braucht neue Wohnkonzepte für Menschen mit hohem Pfl egebedarf: Wohnen, das ins Gemeinwesen integriert, das alltagsund bürgernah ist.

8. Demenzstrategie umsetzen!

Mehr als 130.000 Menschen sind von Demenz betroffen. Sie brauchen fl exible Wohn- und Betreuungsangebote sowie umfassend geschultes Personal. Die Umsetzung der Demenzstrategie muss vorangetrieben und langfristig fi nanziert werden.

9. Unterstützung für pflegende Angehörige!

950.000 Menschen sind in die Pflege ihrer Angehörigen involviert, teils unter hohen psychischen und körperlichen Belastungen. Darum braucht es mehr Pflegedienste, wie Tageszentren, Kurzzeitpflege oder mobile Dienste.

10. Kinder sind keine Pflegekräfte!

43.000 Kinder und Jugendliche pflegen und betreuen zu Hause ihre kranken Eltern. Durch diese Verantwortung können sie oft nicht unbeschwert Kind sein. Professionelle Hilfe, v.a. mobile Pflege, stärkt die ganze Familie.

11. Flüchtlingskinder sind keine halben Kinder!

Sie brauchen die gleiche Aufmerksamkeit wie alle anderen Kinder, die ohne Eltern aufwachsen. Deshalb: Raus aus der Mangelverwaltung der Grundversorgung und Obsorge durch die Jugendämter ab dem 1. Tag.

12. Psychosoziale Notdienste ausbauen!

Der Zugang zu Psychotherapie muss erleichtert, Therapie- und Beratungseinrichtungen und psychosoziale Notdienste außerhalb der Ballungszentren sollen ausgebaut werden.

13. Hospiz- und Palliativpflege stärken

Es fehlen professionelle Palliativangebote, und der ehrenamtliche Hospizsektor muss besser finanziert werden. Auch Kinder und Menschen mit Behinderungen sollen in ihrer letzten Lebensphase unterstützt werden.

14. Gesundheitsverträglichkeitsprüfung einführen!

Die Abschätzung gesundheitlicher Wirkungen (Health Impact Assessment) von politischen Maßnahmen könnte uns viel an möglichen negativen Folgen ersparen.

15. Niemand ist sprachlos!

63.000 Menschen benötigen aufgrund ihrer sprachlichen Beeinträchtigung Gelder für Hilfsmittel. Es braucht daher einen Rechtsanspruch auf Assistierende Technologien und Unterstützte  Kommunikation. Damit niemand sprachlos gemacht wird!

16. Gut für alle: Gemeinnützigkeit stärken!

Gemeinnützige Organisationen bringen Vorteile für alle: durch Freiwilligenarbeit oder Re-Investition der Gewinne. Gestärkt werden muss auch die Einbindung der Zivilgesellschaft in politische Prozesse.

17. Frühförderung in ganz Österreich!

Die ersten Monate des Lebens rund um und nach der Geburt sind ungeheuer wichtig für die Entwicklung eines Kindes. Besonders für Familien mit weniger Einkommen müssen wir eine gute Begleitung und „frühe Hilfen“ sicherstellen.

18. Soziale Investitionen helfen allen!

Investitionen in soziale Dienstleistungen wirken positiv auf die Konjunktur und helfen Menschen in ihrem alltäglichen Leben. Österreich nutzt diese Möglichkeiten noch zu wenig.

19. Mindestsicherung: Armut bekämpfen, Armut vermeiden!

Mehr Prävention, Unterstützung bei Behinderung, mehr Soforthilfe, besserer Vollzug, Hilfe bei Krankheit, leistbares Wohnen. Wir müssen die Armut bekämpfen – nicht die Armen.

20. Mitbestimmung für die Zivilgesellschaft

Das Wissen von gemeinnützigen Organisationen muss besser genützt werden. Außerdem sollten Menschen mit Behinderungen oder von Armut Betroffene stärker in politische Prozesse eingebunden werden.

21. Integration braucht individuelle Unterstützung!

Flüchtlinge brauchen Unterstützung bei Spracherwerb, Arbeitsmarktintegration und Wohnungssuche. Die Kürzungen bei Deutschkursen und Arbeitsmarktintegration sind extrem integrationshemmend und sollen zurückgenommen werden.

22. Zugang zu leistbarem Wohnraum!

Mieten sind für viele kaum mehr leistbar – besonders in den Großstädten. Investitionen in den sozialen Wohnbau helfen allen, die bezahlbaren Wohnraum suchen. Der Zugang zu leistbarem Wohnraum ist der Schlüssel dafür, dass Menschen ein selbstständiges Leben führen können.

23. Menschenleben retten und Flüchtlinge solidarisch schützen!

Flüchtlingsschutz kann nur im europäischen Einklang gelingen. Die Rettung von Menschenleben muss höchste Priorität haben. Faire Asylverfahren können nur auf europäischem Boden stattfinden. Dafür müssen alle Staaten gemeinsam und solidarisch handeln und Flüchtlingen legale Einreisemöglichkeiten nach Europa eröffnen.

24. Menschen in Entwicklungsländern brauchen Zukunftsperspektiven!

Die Regierung muss ihrer Verpflichtung nachkommen, die Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7% des BIP zu erhöhen. Nur so können langfristig wirkende Programme ermöglicht werden