Diakonie Sonntag 2019

Die Diakonie und die Evangelischen Kirchen haben 2013 den Diakonie-Sonntag ins Leben gerufen. Seitdem wird der Diakonie-Sonntag österreichweit jedes Jahr am zweiten Sonntag nach Ostern gefeiert. Er fällt 2019 auf den 5. Mai.

Vieles schwindet.


Aber nicht die Fähigkeit, das Leben zu genießen.


Für ein gutes Leben mit Demenz


Unter diesem Motto führen Evangelische Kirchen und Diakonie Österreich 2019 eine Kampagne durch, die über das Thema Demenz informieren und das negative Bild aufbrechen will, das wir uns von Demenz und den Menschen, die mit ihr leben, machen.

In diesen Rahmen wollen wir auch den diesjährigen Diakoniesonntag stellen, der am 5. Mai gefeiert wird.

Es gilt, Bewusstsein zu schaffen für Lebensqualität in der Demenz und das, was bleibt, herauszustellen – ohne zu ignorieren oder zu verdrängen, dass durch eine Demenz-Erkrankung auch vieles verloren geht.
Diakonie Direktorin, Maria Katharina Moser

Für ein gutes Leben mit Demenz

Es ist schmerzhaft, die Symptome einer Demenz an sich selbst oder an nahen Menschen zu erleben. Vieles schwindet. Ein Mensch verändert sich. Das Zusammenleben verändert sich. Dazu kommt die Scham. Denn unsere Gesellschaft hat ein negatives Bild von Demenz und von den Menschen, die mit dieser Krankheit leben. Das zeigt schon das Wort: De-menz heißt Verlust der mens – Seele, Geist, Verstand, Charakter.

Doch Menschen mit Demenz sind mehr als ihre Krankheit. Viel mehr. Sie haben Emotionen und Bedürfnisse. Sie haben Ängste und ringen mit den Umständen, unter denen sie leben. Sie erleben schöne Momente und genießen das Leben. Wie jeder Mensch.

In Beziehung treten. Zuhören, ihre Wünsche und Bedürfnisse verstehen. Sich auf ihre Fähigkeiten konzentrieren. Emotionale Zuwendung. Das fördert Lebensqualität in der Lebensphase Demenz.

Vorschläge für die Gottesdienstgestaltung

Diakoniesonntag 2019
Am 5. Mai 2019 feiern wir den Diakoniesonntag!
Inklusiver, demenzfreundlicher Gottesdienst

Kurz, mit reduzierter Liturgie und in einfacher Sprache. Ein inklusiver, demenzfreundlicher Gottesdienst will langfristig geplant sein.
Menschen mit Demenz müssen extra eingeladen, ihre Angehörigen gezielt angesprochen und gegebenenfalls Abholdienste organisiert werden.

Gottesdienstvorlage für Jes. 43, 1

Gottesdienst mit Themenschwerpunkt Demenz

Hörerinnen und Hörer des Themengottesdienstes sollen spüren und verstehen, dass Menschen mit Demenz mehr sind als ihre Krankheit. Zentrum ist eine Predigt, die sich dieses Ziel setzt. Sie kann stärker seelsorglich oder stärker gesellschaftskritisch angelegt sein. Mit Hilfe der zur Verfügung gestellten Predigtbausteine bzw. einem ausgearbeiteten Lesegottesdienst werden Impulse für die Gestaltung gegeben.

Erfahrungen und Geschichten

"Und dann kam Herr Alzheimer und hat alles um- und dummgewirbelt"

Wissen Sie, das Leben, das war dies und das, von jedem ’was, nicht wahr? Und dann kam Herr Alzheimer und hat alles um- und dummgewirbelt. Und ich habe vergessen – uh, was habe ich alles vergessen. Furchtbar, furchtbar, furchtbar. ... Und dann ... dann kam so ein Tag, ... und dann habe ich auch noch den Kopf verloren. Wie weg, alles blank. Irgendwie, leben muss ich ja irgendwie mit diesem Herrn Alzheimer, auch wenn ich ihn nicht eingeladen habe. Nun ist der da und basta. Ja. Was ich sagen wollte ... Meine Handtasche, also die, ... meine Handtasche, wenn ich sie verliere, die Schwester sagt mir dann, wo sie ist, wenn ich sie suche. Aber dann war auf einmal Gott weg, ja, das mit Gott und so, ... also ich konnte das alles gar nicht mehr begreifen, ... und da habe ich sie halt gefragt, die Schwester, meine ich. ‚Schwester’, habe ich gefragt, ‚wo habe ich denn Gott hingelegt? Der hat sich versteckt wie meine Handtasche.’ ‚Nee’, sagt die Schwester, ‚nee, weiß ich nicht, wo du Gott hingelegt hast.’ Na, dann ist er wohl weg, was? Mit Handtasche weg, da kannst leben. Mit Kopf weg, na ja, irgendwie auch. Aber mit Gott weg?

(82jährige Bewohnerin eines Pflegeheims zit. n. Fröchtling.)

"Haben Sie Angst, Sie könnten Gott vergessen?"

Eine ältere Dame, die an Demenz litt, ging im Pflegeheim ruhelos die Gänge auf und ab – immer und immer wieder wiederholte sie nur ein Wort. Die PflegerInnen machten sich Sorgen, aber niemand wusste, wie sie zu beruhigen wäre. Sie verstanden nicht, was der Grund für ihr Leiden war. Das Wort, das sie wieder und wieder wiederholte, war „Gott“ – und das war alles, was sie sagte. Eines Tages gesellte sich eine Pflegerin zu ihr und ging mit ihr auf und ab. Einer Eingebung folgend fragte die Pflegerin: „Haben Sie Angst, Sie könnten Gott vergessen?“- Ja, ja“, antwortete die Dame mit Nachdruck. Und die Pflegerin konnte ihr sagen: „Wissen Sie, sogar wenn Sie Gott vergessen sollten, er wird Sie nie vergessen. Das hat er versprochen.“ Für die Dame, die schon vieles vergessen hatte und der das bewusst war, war diese Versicherung das, was sie gebraucht hatte. Sofort wurde sie ruhiger und ihr seltsames Betragen hörte auf. Sie reagierte positiv auf diese Zuwendung, die über die Bedürfnisse von Körper und Geist hinausging: eine Zuwendung in Menschlichkeit.

(Margaret Hutchison, zit. nach Swinton)

„Zum Schluss hat er mich nicht mehr erkannt, seine eigene Tochter.“

Zum Schluss hat er mich nicht mehr erkannt, seine eigene Tochter. Das war so schrecklich!“ sagt die ältere Tochter von Herrn Z. beim Trauergespräch vor seiner Beerdigung. „Ja“, sagt ihre jüngere Schwester. Und nach längerem Schweigen: „Aber er hat viel gelacht, viel mehr als früher. Früher war er immer so streng. In der Krankheit ist er weicher und liebevoller geworden.“ Die Angehörigen von Herrn Z. erzählen von der Zeit, in der Herr Z. mit Demenz gelebt hat. Die ersten Anzeichen haben sich schon bald nach der Pensionierung eingestellt. Langsam. Eine Untersuchung brachte Klarheit: Herr Z. hat Demenz. Die Familie hat lernen müssen, damit umzugehen. Groß war die Sorge, die Leute könnten Herrn Z. für blöd halten. „Ich hab immer drauf geachtet, dass er ordentlich angezogen ist“, sagt seine Frau. Zwölf Jahre lang hat Herr Z. regelmäßig ein Tageszentrum besucht. Er war gern dort. Aus kleinen Plastikteilen hat er Herzen gebastelt. Er hat seine Werke gern hergezeigt und hergeschenkt. Auch andere Dinge hat er gern gebastelt. Hauptsache bunt. Farben hat er geliebt. Auch seinen Teddy hat er geliebt. „Schon komisch, ein alter Mann mit einem Teddy“, meint die ältere Schwester. „Ja“, sage ich, „vielleicht können wir sagen, in der Demenz hatte er die Chance, die Kindheit, die er nie gehabt hatte, nachzuholen. Das Spielen, das Unbeschwerte.“ Die Tochter zuckt mit den Schultern. Die Schwester nickt zögerlich: „Jedenfalls hat er es genossen, wenn ich seine Wange gestreichelt habe.

(Maria Katharina Moser)