Pflegerisiko solidarisch absichern, Betreuungskonzepte neu denken

Donnerstag, 28. September 2017
Frau Urban lebt in einer Hausgemeinschaft der Diakonie in Graz.
Frau Urban lebt in einer Hausgemeinschaft der Diakonie in Graz.
Der demographische Wandel und seine Folgen für das Zusammenleben der Generationen und auch für die Pflege und Betreuung älterer Menschen müssen breit diskutiert werden – egal ob gerade Wahlkampf herrscht oder nicht.
Bewohnerin einer Hausgemeinschaft der Diakonie mit ihrer Katze
Frau Urban lebt in einer Hausgemeinschaft der Diakonie in Graz (Foto: Rauch)

„Nehmen wir den 1.Oktober zum Anlass, uns wieder bewusst zu werden, dass wir die Zukunft des Älterwerdens im Sinne aller Generationen gemeinsam neu diskutieren und gestalten müssen,“ betont Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich anlässlich des internationalen Tages der Menschen im Alter.

Die Diakonie fordert deshalb eine breite Diskussion über den Umbau des Pflege- und Betreuungssystems. Generationenpolitik ist eine Querschnittsaufgabe – sie ist mehr als Sozial- und Gesundheitspolitik. Es geht genauso um Wohnen und Lebensräume, Mobilität, Bildung, Wirtschaft und (Nah-)versorgung.

„Ältere Menschen sind nicht nur ein Kostenfaktor, sondern wichtiger Teil der Gesellschaft. Deshalb sind neue Konzepte für individuelle Bedürfnisse pflegebedürftiger Menschen notwendig“, betont die Diakonie, und nennt als Beispiele für neue Konzepte die folgenden:

„Es braucht Wohnräume, die Pflege alltagsnah ermöglichen und echte Wahlfreiheit für alle von Pflege Betroffenen schafft. Es ist an der Zeit, neue Perspektiven für die Pflege zu schaffen, die auch eine solidarische Absicherung des Pflegerisikos beinhalten“, zählt Chalupka auf. Die Diakonie hat in ihrem Paper „10 Punkte für die Zukunft des Älterwerdens“ neue Konzepte und Ideen zusammengefasst.

Die zentrale Frage ist: Wie muss ein Miteinander beschaffen sein, so dass sich alle – jung bis alt – versorgt und integriert fühlen?

„Rücken wir das Wohnen wieder ins Zentrum, in den Alltag und überlegen wir, wie wir die Pflege und Betreuung zusätzlich organisieren“, so Chalupka. „Es geht um die Entwicklung von und die Arbeit in Grätzeln, Nachbarschaften oder Wohnquartieren. Vor allem auch für Menschen mit Demenz. Hier müssen sich die Rahmenbedingungen endlich so ändern, sodass Menschen mit Demenz tatsächlich die ihnen zustehende Freiheit leben können.“

Alte und pflegebedürftige Menschen dürfen nicht weiter buchstäblich am Rand bleiben, „sie gehören in die Mitte der Gesellschaft“, so die Diakonie. „Deshalb müssen wir uns dringend gesellschaftspolitisch darüber unterhalten, wie wir die Gesellschaft des langen Lebens gut gestalten wollen – und wie wir ein Altern in Würde sichern“, so Michael Chalupka abschließend.