Mehr integrative Modelle für Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt

Donnerstag, 19. Oktober 2017
Zwei MitarbeiterInnen mit Behinderung hinter der Theke im "Kowalski", integratives Lokal in Gallneukirchen
Integrative Beschäftigung ist für alle Beteiligten ein Gewinn.
Großes Symposion zur Umsetzung der UN Behindertenrechtkonvention im Linzer Brucknerhaus.
Zwei MitarbeiterInnen mit Behinderung hinter der Theke im "Kowalski", integratives Lokal in Gallneukirchen
Integrative Beschäftigung ist für alle Beteiligten ein Gewinn.

"Integrative Beschäftigung ist für alle Beteiligten ein Gewinn: Menschen mit Behinderung erbringen eine Leistung und erfahren Anerkennung, MitarbeiterInnen in Betrieben erweitern ihre sozialen Kompetenzen, und KundInnen erleben den Betrieb als gesellschaftlich engagiert“, weist Michael Chalupka, Direktor der Diakonie, anlässlich des morgen im Linzer Brucknerhaus stattfindenden Symposiums „Schein und Sein. Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention auf dem Prüfstand“ auf die Bedeutung integrativer Beschäftigungsmodelle in der Arbeitswelt hin, und fordert einen Ausbau solcher Modelle für Menschen mit Behinderungen.

Die Diakonie geht in mehreren Bundesländern mit gutem Beispiel voran. Zum Beispiel mit dem Cateringservice „Kulinarium“ des Diakoniewerks in Linz, Salzburg und Kitzbühel. Vorwiegend junge Menschen mit Behinderung im Alter von 20 bis 25 Jahren schaffen durch die Teilqualifizierungslehre zum Koch/Köchin bzw. durch die Berufsvorbereitung den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt.

Inklusion in Betrieben

Inklusion findet statt. „Integrative Beschäftigungsarbeitsplätze in Kooperationsbetrieben ermöglichen Menschen mit Behinderungen dort zu arbeiten, wo alle arbeiten. Sie erfahren soziale Teilhabe durch einen normalen Arbeitsalltag und gesellschaftliche Anerkennung durch das Einbringen ihrer Fähigkeiten“, unterstreicht Gerhard Breitenberger, Geschäftsführer Diakoniewerk Oberösterreich. Die Herausforderung liegt im Finden von Kooperationspartnerbetrieben, die bereit sind, sich auf solch ein integratives Modell einzulassen. Begleitet von pädagogischen MitarbeiterInnen aus dem Diakoniewerk arbeiten Betroffene derzeit in Oberösterreich im Winkler Markt KG, Linz; in der Tabakfabrik, Linz; bei Billa, Gallneukirchen; bei Bellaflora Gartencenter GmbH, bei Hornbach Baumarkt GmbH, Wels; bei Spar, Vorchdorf; in Gemeinden Wels-Land oder in der Küche des Landesdienstleistungszentrum (LDZ), Linz.

Auch das Diakoniewerk selbst hat Mitte August ein weiteres integratives Beschäftigungsangebot eröffnet: das Café & Bistro KOWALSKI am Linzer Südbahnhofmarkt. Regionale Köstlichkeiten sowie vegetarische und vegane Angebotsschwerpunkt stehen im Zentrum des kulinarischen Konzeptes. Zwei Menschen mit Behinderung sind in der Küche sowie im Service beschäftigt und werden in ihrer Arbeit von ausgebildeten SozialbetreuerInnen des Diakoniewerks begleitet.

Tina M. freut sich: „Ich wollte schon immer Kellnerin werden, nun habe ich es geschafft.“ Was noch nicht passt, ist dass Tina nur Taschengeld im Rahmen der „Fähigkeitsorientierten Aktivität des Landes Oberösterreich“ erhält, so wie ihre KollegInnen, die in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen arbeiten. Ein Gehalt zu beziehen und damit pensionsversichert zu sein, das wäre wahre Gleichstellung.

„Es ist längst fällig, eine Möglichkeit zur Anerkennung der Tätigkeiten in Werkstätten als Arbeit im arbeitsrechtlichen Sinn zu erarbeiten“, erneuert Diakonie Direktor Chalupka die langjährige Forderung der Diakonie an die neue Regierung.

Traumjob für Florin

Ein lichtdurchfluteter Raum, dominiert von Edelstahl:  Seit Herbst 2017 ist in Feldkirchen in Kärnten auch die Arbeitsinsel „Küche: WAIERN Inklusiv“ der Diakonie de La Tour in Betrieb. Fünf Menschen mit Behinderungen haben in der Großküche einen Arbeitsplatz erhalten, Raum für weitere fünf MitarbeiterInnen ist gegeben.

„Florin möchte gerne im Bereich der Patisserie mitarbeiten“, erzählt Christina Riedel-Nidetzky, Teamleiterin der „Küche:WAIERN Inklusiv“. „In der Küche muss alles sehr schnell gehen, damit ein reibungsloser Ablauf gegeben ist. Derzeit werden die Klientinnen und Klienten von einer Behindertenpädagogin begleitet, nächstes Jahr kommt noch eine weitere hinzu, dann können wir Florin seinen Traum ermöglichen.“

„Ich arbeite sehr gerne und auch recht schnell, aber manchmal werde ich müde und dann muss ich mich hinlegen“, sagt Florin. Diesem Bedürfnis darf er nachgeben, denn eine Couch im angrenzenden Rückzugsraum bietet den MitarbeiterInnen der Arbeitsinsel die Möglichkeit sich auszurasten. Auch eine Sitzbank wurde extra angefertigt, denn nicht alle können einige Stunden hindurch stehend Arbeit verrichten.