Diakonie zum Welt-Frauentag: Essstörungen keine Chance geben - „Ich habe wieder Kraft zum Leben“

Montag, 6. März 2017
Umfangreiches Therapieangebot für junge Frauen in vertrauensvollem Umfeld
jeder Mensch ist schön - Piktogramme zeigen verschiedene Frauenkörper
JedeR ist schön, egal ob groß oder klein, dick oder dünn

„Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 200.000 Frauen in Österreich mindestens einmal in ihrem Leben an Essstörungen erkranken. Sie sind 10 bis 20 mal öfter betroffen als Männer. Wir dürfen Essstörungen als Gesellschaft nicht länger eine Chance geben,“ appelliert Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, am internationalen Frauentag. „Mädchen und junge Frauen mit Erkrankungen wie Anorexie, Bulimie und atypischen Essstörungen brauchen Hilfestellungen und die Stärkung ihres Selbstbewusstseins. Nur so kann ein positives Selbstbild erreicht werden.“

Die Diakonie führt seit sieben Jahren eine sozialtherapeutische Wohngruppe für Mädchen und junge Frauen in Linz. Mit März 2017 wurde eine zweite Wohngruppe eröffnet. Betreut werden Jugendliche ab 12 und junge Erwachsene bis ca. 30 Jahre.

Umfangreiches Therapieangebot in vertrauensvollem Umfeld

„Unsere Wohngruppen sind einzigartig in Österreich. Das Besondere daran ist das umfangreiche Therapieangebot,“ erläutert Andrea Boxhofer, Geschäftsführung des Diakonie Zentrum Spattstrasse in Linz. „Eine persönliche Ansprechpartnerin kann Vertrauen aufbauen, und so helfen, dass die Mädchen ein gesundes Essverhalten zurück erlangen. Außerdem ist die Betreuung so aufgebaut, dass dem Alltag nachgegangen werden kann – die Mädchen arbeiten oder gehen in die Schule.“

Eltern oder Geschwister wissen oft nur wenig darüber, wie es Betroffenen wirklich geht: „In meinem Kopf dreht sich alles nur noch ums Essen und ums Gewicht. In der Schule wird es für mich immer schwieriger. Ich schaffe es nicht mehr alleine. Mir fehlt langsam die Kraft zum Leben,“ so redete Emma, bevor sie zu uns kam.

Emma hat sich bald nach dem ersten Gespräch entschieden, in die Wohngruppe zu übersiedeln. Seitdem sind 8 Monate vergangen. „Es war eine Zeit mit vielen Auf und Abs. Das Gewicht von Emma hat sich aber bald stabilisiert und dann ist sie auch wieder zu Kräften gekommen,“ erzählt die Leiterin der Wohngruppe, Verena Rameseder. Die gemeinsamen Mahlzeiten, die Therapien, die Bezugsbetreuung, die Koch- und Essbegleitung, Familiengespräche helfen Emma dabei, wieder stabil und gesund zu werden.

Steigender Bedarf – wenige Plätze

Insgesamt zeigt sich ein steigender Bedarf in der Versorgung von Menschen mit Essstörungen. „Wir haben mehr Anmeldungen, als wir derzeit bewältigen können. Die stark steigenden Zahlen zeigen, dass wir Handlungsbedarf haben,“ so Boxhofer. „Besonders wichtig ist es, einen Fokus auf Prävention und Früherkennung zu legen, mit Programmen an Schulen, Aufklärung und Informationsarbeit.“ Denn ausschlaggebend für eine Erkrankung sei nicht ein einzelner Grund, sondern meist ein Bündel an Faktoren. Einer dieser Faktoren kann das internalisierte Schönheitsideal einer schlanken Frau sein, das über Massenmedien transportiert wird.

„Die Diakonie möchte am internationalen Frauentag dazu aufrufen, Essstörungen als Probleme von jungen Frauen ernst zu nehmen. Angebote wie die Wohngruppe Kaya müssen österreichweit verfügbar sein,“ so Chalupka abschließend.