Diakonie an Regierungsverhandler: Pflegelücke schließen und Betreuungsalltag verbessern!

Mittwoch, 8. November 2017
Bewohnerin einer Hausgemeinschaft der Diakonie mit ihrer Katze
Frau Urban lebt in einer Hausgemeinschaft der Diakonie in Graz (Foto: Rauch)
Wir brauchen ein Pflegenetz, das trägt und eine Finanzierung, die sozialen Ausgleich fördert. Österreich investiert nur zögerlich in soziale Dienstleistungen. Wohnen ist zentral.
Bewohnerin einer Hausgemeinschaft der Diakonie mit ihrer Katze
Frau Urban lebt in einer Hausgemeinschaft der Diakonie in Graz (Foto: Rauch)

Alte und pflegebedürftige Menschen dürfen nicht weiter buchstäblich am Rand bleiben, „sie gehören in die Mitte der Gesellschaft“, appelliert die Diakonie an die Regierungsverhandler. „Deshalb müssen wir uns dringend gesellschaftspolitisch darüber unterhalten, wie wir die Gesellschaft des langen Lebens gut gestalten wollen – und wie wir ein Altern in Würde sichern“, so Diakonie-Direktor Michael Chalupka.

Pflegenetz und Finanzierung, das die Belastungen trägt

Die zentrale Herausforderung: Wir brauchen ein Pflegenetz, das die Belastungen trägt. Ein Umbau des Pflegesystems und seiner Finanzierung sind notwendig, um zukünftig leistbare und gute Pflege möglich zu machen. Neben Geldleistungen braucht es Investitionen in ein breiteres und größeres Dienstleistungsangebot, um die Pflegelücke tatsächlich zu schließen. Pflege lohnt sich: 70% der Ausgaben in der Pflege fließen via Steuern und Sozialversicherung an die öffentliche Hand zurück (Wifo). Österreich investiert aber nur zögerlich in soziale Dienstleistungen.
Die Hilfen für die Pflege älterer Personen, die Assistenz für Menschen mit Behinderungen oder die Betreuung des kleinen Sprösslings sorgen für Wachstum, stabilisieren die Wirtschaft und stiften sozialen Ausgleich. Sie haben Wachstumsfunktion bei Beschäftigung. Sie haben stabilisierende Funktion, weil sie Teilhabe sichern und Nachfrage über den Konjunkturzyklus bereitstellen.

Hilfe für strukturschwache Regionen

Soziale Dienste sind auch deshalb konjunkturell interessant, weil sie regional und in strukturschwachen Regionen Jobs schaffen. Viele Leute könnten in manch ländlicher Region nicht mehr leben, würde es nicht Pflege, Gesundheitshilfen oder Kinderbetreuung geben. Zum einen um selbst Beruf und Familie vereinbaren zu können, zum anderen als verfügbarer Arbeitsplatz in der Region. Ohne Tageszentrum für die demenzkranke Mutter müsste – zumeist – die Tochter den Job aufgeben. Ohne Job als Behindertenbetreuer oder Pflegekraft müssten viele wegziehen.

Wohnen ist zentral - auch mit Demenz mitten im Leben

„Rücken wir das Wohnen wieder ins Zentrum, in den Alltag und überlegen wir, wie wir die Pflege und Betreuung zusätzlich organisieren“. Deshalb sind neue Konzepte für individuelle Bedürfnisse pflegebedürftiger Menschen notwendig, betont die Diakonie, und nennt als Beispiele für neue Konzepte: „Es braucht Wohnräume, die Pflege alltagsnah ermöglichen und echte Wahlfreiheit für alle von Pflege Betroffenen schafft. Es ist an der Zeit, neue Perspektiven für die Pflege zu schaffen, die auch eine solidarische Absicherung des Pflegerisikos beinhalten.“
„Es geht um die Entwicklung von und die Arbeit in Grätzeln, Nachbarschaften oder Wohnquartieren. Vor allem auch für Menschen mit Demenz. Hier müssen sich die Rahmenbedingungen endlich so ändern, sodass Menschen mit Demenz tatsächlich die ihnen zustehende Freiheit leben können“, so Chalupka.