Diakonie: Eklatante Quartiernot für Asylwerber ist nun amtlich

Dienstag, 29. September 2015
Familie auf dem Weg in die Sicherheit_Nickelsdorf_Österreich
Nickelsdorf / Österreichisch-Ungarische Grenze am 11.September 2015 (Foto: Nadja Meister)

Seit vergangenem Wochenende gibt BMI offizielle Bescheinigung für Obdachlosigkeit aus

„Menschen die seit dem vergangenen Wochenende einen Asylantrag stellen, sind offiziell obdachlos. Sie erhalten sogar eine offizielle Bescheinigung, dass sie selber für eine Meldeadresse sorgen müssen. Spätestens jetzt ist die Situation der neu ankommenden Flüchtlinge in Österreich völlig untragbar geworden“, betont Diakonie Direktor Michal Chalupka.

In den letzten beiden Wochen konnten diejenigen unter den vielen durchreisenden Flüchtlingen, die in Österreich Asyl beantragen wollten, noch in einer Notunterkunft untergebracht werden. Die Hallen in Wien und an vielen Orten in Österreich, in denen viele hunderte Flüchtlinge lagern, waren also bis zuletzt auch „Meldeadressen“ für Asylsuchende. Nun sind alle Schlafplätze vergeben, und die Polizei musste dazu übergehen, die asylsuchenden Menschen zwar zu registrieren, dann aber wegzuschicken.

„Spätestens jetzt muss die Öffnung der Kasernen veranlassen werden“, betont Chalupka, „denn es besteht eine gesetzliche Verpflichtung zur Unterbringung“.

Obdachlosigkeit führt dazu, dass Menschen nicht krankenversichert sind

„AsylwerberInnen müssen nun selber eine Unterkunft finden. Das führt dazu, dass Familie mit kleinen Babies und auch sehr alte Menschen verzweifelt zu uns kommen, weil sie mit ihren Kindern kein Bett zum Schlafen haben,“ so Chalupka.

Mit der Obdachlosigkeit geht außerdem einher, dass die Menschen, die oft krank und großteils von der Flucht vollkommen ausgelaugt sind, auch keine Krankenversicherung haben.  „In diesen Fällen liegt die Hoffnung auf der Menschlichkeit der Ärzte, da diese geschundenen Menschen keinen Anspruch auf medizinischer Versorgung haben. Und das ist in Österreich nicht tragbar“, betont Chalupka abschließend.