„Mut ist wie Energie!“

Selbstbestimmt und Barrierefrei: Diakonie startet Kampagne „Mut ist wie Energie.“
Elisabeth Stachl
Stefan Mann by Florian Hoflehner
Brigitte Koxeder, schreibt Gedichte und ist Schauspielerin bei Theater Malaria.

„Mut ist wie Energie. Wenn ich mutig bin, ist alles möglich“, sagt Elisabeth Stachl, Schauspielerin der Theatergruppe Malaria. Ihr Text wird auf tausenden Freecards in Lokalen Wiens, Salzburgs, Oberösterreichs und Kärntens präsent sein, in Fernsehspots zu sehen und auf Social Media zu teilen sein.

„Menschen mit intellektueller Behinderung wollen selbstbestimmt leben“, sagt Diakonie-Direktor Michael Chalupka. „Wir können lange noch nicht davon sprechen, dass alle ein barrierefreies Leben führen können.“ Mit dieser Aktion machen wir all die bunten Fähigkeiten von Menschen sichtbar und holen sie vor den Vorhang.

Diakonie-KünstlerInnen machen uns Mut mit ihren Gedichten, Geschichten, Bildern und ihrer Arbeit auf der Bühne.

Die große Liebe - Jürgen Ceplak

Jürgen Ceplak, Zeichner und Dichter, Atelier de La Tour

Die große Liebe

Am Anfang sehen wir uns fremd, dann schauen wir uns an und grüßen uns. Auge zu Auge, Nase zu Nase, dann spürst du Freude pumpern in deinem Herzen, und die Liebe steigt auf. Und jetzt ein bisschen plaudern, über den Beruf, das Wetter und das Leben. Dann etwas ausmachen, welchen Tag sehen wir uns wieder und können uns treffen. Beim nächsten Wiedersehen können wir uns näherkommen. Jetzt spürst du dein Herz, und es wird ganz warm, und der Blutdruck steigt, das spüren beide, besonders die Männer und am meisten die Frauen. Dann tut man sich langsam umarmen und einen Kuss auf die Wange geben, ganz vorsichtig.

Jetzt riechst du die Liebe. Zuerst muss sie heimlich bleiben, sie muss erst ganz klein wachsen. Die Liebe ist wie eine Pflanze, man muss sie einsetzen und gießen, dann wächst sie und wird stark. Die Liebe kann wie ein Kaktus sein oder wie eine Orchidee. Oder ein Gänseblümchen. Nimm dir Zeit für die Liebe, sonst trifft sie dich nicht und dann welkt dein Herz ein. Erst wenn die Liebe ein bisschen angewachsen ist, darfst du das Geheimnis erzählen.

Die Liebe riecht wie Erdbeeren mit Schlag.

Jürgen Ceplak, Zeichner und Dichter, Atelier de La Tour

Der Durchbruch des Kindes in mir - Ruth Oberhuber

© Teresa Novotny

Der Durchbruch des Kindes in mir

Regen, Nebel, dann Sonne und Licht.
Der Wind geht eisfischen.
Ich nehme alles wahr.
Ich höre den Bach klingen.
Ich wische mir über meine Augen und bemerke, dass ich geweint habe.
Ich hatte keinen Ausweg oder ich habe ihn nicht gesehen.
Ich wollte bleiben.
Es war nicht mein Lebensweg, den ich gehen wollte.
Aber, ich bin ihn gegangen.
Ich wollte sehen, ob ich leben kann.
Ich dachte nicht an die Welt.
Ich habe mich als Welt gesehen.

Warum habe ich diesen Text geschrieben?
Ich bin heuer von zu Hause ausgezogen.

Ruth Oberhuber, Dichterin, Theater Malaria

Foto: Teresa Novotny

Mut - Stefan Mann

Stefan Mann by Florian Hoflehner

Mut

Mut ist für mich das Leben.
Mutig sein ist Mut.
Der Geist in meinem Körper ist Mut.
Öffnen muss man den Mut.
Ein gelber Schein ist Mut, Schwarz ist immer Mut.
Was ich spreche, aus der Seele, ist Mut.
Sprechen wir, wenn wir reden, das ist Mut.
Blau und Rot.Ich habe verschiedene Farben angezogen,
das hat mich sehr mutig gemischt.
Meine Schuhe sind blau, das ist mutig.
Die Hose ist golden, wieso ist sie golden?
Das ist mein schöner Oberkörpfermut.
Die blauen Schuhe sind blau.
Wieso und warum?
Das ist Mutig-Sein.

Stefan Mann, schreibt Gedichte und spielt Theater, Theatergruppe Malaria des Diakoniewerks

Foto: Florian Hoflehner

Niemand ist wie du! - Brigitte Koxeder

Brigitte Koxeder, schreibt Gedichte und ist Schauspielerin bei Theater Malaria.

Niemand ist wie du!

Niemand ist wie du.
Gott ist ein großer Mann,
der große Wunter wirkt und vieles kann.
Niemand kann sagen, ich bin mächtig.
Niemand ist wie du.

Du bist ein Mensch.
Du hast Meinungsverschiedenheiten.
Du hast einen Beruf.
Du bist eine Frau oder ein Mann.
Du bist behindert oder nicht behindert.
Lebst zu Hause bei deinen Eltern oder in einer Wohngruppe.
Hast Hobbys oder nicht,
wie es deiner Freiheit entspricht.
Du bist glücklich und zufrieden,
du hast dich fürs Leben entschieden.
Was bist du für ein Mensch?

Niemand ist ein normaler Mensch.
Jeder ist wie ich.
Erschaffen hat Gott einen jeden, auch mich.
Gott hat die Geduld,
man kann froh sein, dass es ihn gibt.

Brigitte Koxeder, schreibt Gedichte und ist Schauspielerin bei Theater Malaria.

Foto: Florian Hoflehner

Töpfern lernen von Menschen mit Behinderung
Jürgen Ceplak, Zeichner und Dichter, Atelier de La Tour

Liebe riecht wie Erdbeeren mit Schlag

Entstanden aus der Eigeninitiative künstlerischer Menschen mit Behinderung, setzt sich die Theatergruppe Malaria heute aus einem fixen Ensemble, Gästen aus der freien Szene sowie einem Team aus der Tanz-, Theater- und Behindertenpädagogik zusammen. Die Theaterwerkstatt bietet ein auf die SchauspielerInnen abgestimmtes, spezielles künstlerisches sowie theaterpädagogisches Programm. Selbst geschriebene und adaptierte Geschichten und Bilder werden in Szene gesetzt und zur Aufführung gebracht. Elisabeth Stachl sagt: „ Ich bin Schauspielerin und das ist mein Leben.“

  • „Mut ist wie Energie.“
  • Liebe riecht wie Erdbeeren mit Schlag

„Liebe riecht wie Erdbeeren mit Schlag“, schreibt Jürgen Ceplak, Künstler aus der Diakonie de la Tour in Kärnten, dessen Text als zweite Freecard in Umlauf gebracht wird. Von sich selbst sagt Ceplak: "Wenn du ein Gedicht denkst, fühlst du dich leichter.“

#MutMachen und #LiebeTeilen auf diakonie.at und Social Media

„Elisabeth Stachl und Jürgen Ceplak machen uns Mut mit ihren Gedichten, Geschichten, Bildern und ihrer Arbeit auf der Bühne.“, streicht Chalupka hervor. „Die KünstlerInnen, die sich in der Galerie oder im Theaterprojekt der Diakonie engagieren, schenken uns Gedichte und Bilder und wir wollen diese mit allen teilen“.

Lesung, Ausstellung, Workshops

Weiters finden in diesen Wochen Veranstaltungen wie eine Vernissage der Diakonie de La Tour – „kopf-füssler - denker und gedanken“ , 18. Mai 2017 – 27. Juni 2017 , von Maria Stracke I Harald Rath I Fritz Russ statt.

Zu einem Gesprächsabend laden am 18. Mai in Wien ORF und die Diakonie am Karlsplatz ein. Die LiteratInnen Brigitte Koxeder, Stefan Mann und Ruth Oberhuber lesen und sprechen zu ihren Texten.

Ob Schulklassen oder Einzelpersonen – die Werkstätte Meierei der Diakonie de La Tour in Kärnten lädt zum Unterricht. Dabei lehren Menschen mit Behinderungen als ExpertInnen Interessierte neue Fähigkeiten in der Arbeit mit Ton und Keramik. Mehr über die Workshops erfahren!